Archiv der Kategorie: Gebrüder Grimm

Die Wichtelmänner – Verkündiger des Königreiches Gottes

Nachdruck aus Erbrechet!, Oktober 2012

„Sie laufen so herum … und müssen frieren.“ (Wichtelmänner 1:11)

Die Prophezeiung der Gebrüder Grimm ist eine zuverlässige Quelle zeitloser Wahrheiten. Im Rahmen der Artikelserie Die Prophezeiung der Gebrüder Grimm – Achte darauf! wird in diesem Artikel das Buch Die Wichtelmänner betrachtet. Es erfüllt sich direkt vor unseren Augen an der Wachtturm-Organisation, und zweifellos wird die Prophezeiung unseren Glauben an die Wahrheit stärken.

Die Prophezeiung beginnt mit den Worten: „Es war ein Schuster … so arm geworden, daß ihm endlich nichts mehr übrig blieb als Leder zu einem einzigen Paar Schuhe“ (Wichtelmänner 1:1). Hier können wir bereits deutlich erkennen, um wen es sich bei dem armen „Schuster“ handelt. Ein Schuster stellt Schuhe her, und wie der Apostel Paulus schrieb, sind manche „Füße beschuht mit der Ausrüstung der guten Botschaft“ (Epheser 6:15). Die „Schuhe“ stellen deshalb die „Ausrüstung“ da, die erforderlich ist, um die „gute Botschaft“ zu predigen – Zeitschriften, Bücher und Broschüren, aber auch Bethelheime und andere Einrichtungen. All diese Mittel werden „unter der Aufsicht des ‚treuen und verständigen Sklaven‘“ produziert, der somit der „Schuster“ aus der Prophezeiung ist (Der Wachtturm, 15. Februar 2006, Seite 28).

Gemäß der Prophezeiung war der Schuster „arm geworden“. Viele der gesalbten Christen, aus denen der „treue und verständigen Sklave“ besteht, sind wegen ihres Verzichts auf höhere Bildung buchstäblich arm (Matthäus 24:45; Der Wachtturm, 1. Dezember 1996, Seite 19). Und in jedem Fall zählen sie zu den „Armen im Geiste“, die Jesus glücklich pries (Matthäus 5:3, Elberfelder 1905). Auf diesen Aspekt bezog sich Jesus auch in der Vision, die er dem Apostel Johannes gab: „Christus sagte zu … gesalbten Aufsehern: … ‚Ich kenne deine Drangsal und Armut‘“ (Der Wachtturm, 15. November 1989, Seite 22).

In seinen Anfängen war der „treue und verständige Sklave“ jedoch auch noch „arm“ an Anhängern. Im Jahr 1935 waren es weltweit nur um die 70.000 Personen. Was tat der „treue und verständige Sklave“ nun? Ging er sofort an die Arbeit, um neue Jünger zu machen? Nein, gemäß der Prophezeiung „legte er sich ruhig zu Bett, befahl sich dem lieben Gott und schlief ein. Morgens, nachdem er sein Gebet verrichtet hatte, … standen die beiden Schuhe ganz fertig auf seinem Tisch“ (Wichtelmänner 1:2, 3).

Der „treue und verständige Sklave“ arbeitet nicht, er lässt arbeiten. Nachdem ein Glied der Sklavenklasse bei der morgendlichen Anbetung im Bethel „sein Gebet verrichtet“ hat, damit die anderen Mitarbeiter denken, er sei ein gläubiger Mann, kann er in Ruhe in sein Büro zurückkehren und dort – zumindest in geistiger Hinsicht – weiterschlafen.

Mehrung

Die ungesalbten „anderen Schafe“ machen die ganze Arbeit, gehen von Haus zu Haus, schreiben und drucken die Zeitschriften, errichten die Bethelgebäude und so weiter. Auf diese Weise tragen sie dazu bei, anscheinend „die Habe des Herrn zu mehren“, doch da angeblich „der treue Sklave über die ganze Habe des Herrn gesetzt“ ist, mehren sie in Wirklichkeit die „Habe“ der Sklavenklasse – ihre Anhänger, ihre Gebäude, ihren materiellen Besitz (Der Wachtturm, 1. März 2004, Seite 12).

Wenn Kongresssäle oder Bethelgebäude nicht mehr gebraucht werden, geht der Gewinn natürlich an die Wachtturm-Gesellschaft und ihren ‚treuen Sklaven‘. Auf diese Weise wird die Schuster-Klasse immer reicher, wie die Prophezeiung weiter ausführt: „Bald darauf trat auch schon ein Käufer ein, und weil ihm die Schuhe so gut gefielen, so bezahlte er mehr als gewöhnlich dafür, und der Schuster konnte von dem Geld Leder zu zwei Paar Schuhen erhandeln. … Als er aufstand waren sie schon fertig, und es blieben auch nicht die Käufer aus, die ihm so viel Geld gaben daß er Leder zu vier Paar Schuhen einkaufen konnte. Er fand früh Morgens auch die vier Paar fertig; und so giengs immer fort“, so dass er „endlich ein wohlhabender Mann ward“ (Wichtelmänner 1:4-7).

Die unermüdliche Arbeit der Wichtelmänner-Klasse machte den ‚treuen und verständigen Sklaven‘ reich, sowohl was Anhänger als auch was buchstäblichen Besitz betrifft. An dieser Stelle geht die Prophezeiung nun näher auf diese Klasse ein und zeigt, wie sie vorgeht: „Da kamen zwei kleine niedliche nackte Männlein, setzten sich vor des Schusters Tisch, nahmen alle zugeschnittene Arbeit zu sich“ (Wichtelmänner 1:9). Die „anderen Schafe“ werden durch ‚zwei kleine niedliche nackte Männlein‘ dargestellt. Das ist passend, weil die Verkündiger meistens zu zweit von Haus zu Haus gehen und vielen Wohnungsinhabern durchaus als ‚zwei niedliche Männlein‘ erscheinen. Zwar sind sie nicht buchstäblich nackt, aber Nacktheit kann auch Armut darstellen, und die Armut kann man vielen Verkündigern an ihrer Kleidung ansehen (vergleiche Matthäus 25:36).

Doch bevor die „Wichtelmänner“ die Arbeit erledigten, „setzten [sie] sich vor des Schusters Tisch“, d. h. in den Königreichssaal, in dem die gesalbte Schuster-Klasse „geistige Speise“ austeilt (Der Wachtturm, 15. März 1990, Seite 11). Dort „nahmen [sie] alle zugeschnittene Arbeit zu sich“, d. h. die Zeitschriften, die schon in der Druckerei auf ein handliches Format ‚zugeschnitten‘ worden sind.

Predigtdienst

Dann gingen sie in den Predigtdienst und „ließen nicht nach, bis alles zu Ende gebracht war, … dann sprangen sie schnell fort“ (Wichtelmänner 1:10). In ähnlicher Weise harren die meisten Verkündiger aus, bis sie die vereinbarte Anzahl an Predigtdienststunden abgeleistet haben; danach ‚springen sie schnell fort‘ und gehen nach Hause.

Schließlich beschreibt die Prophezeiung eine „Frau“, die zum Schuster sagt: „Die kleinen Männer haben uns reich gemacht, wir müßten uns doch dankbar dafür bezeigen. Sie laufen so herum, haben nichts am Leib und müssen frieren“ (Wichtelmänner 1:11). Diese Frau – offenbar eine gesalbte Christin, die als solche nicht zur Leitenden Körperschaft gehören kann – nimmt wiederum auf die „Nacktheit“ der anderen Schafe Bezug, die ihre Armut symbolisiert. Wenn sie im Predigtdienst ‚herumlaufen‘, müssen sie auch buchstäblich „frieren“, zumindest im Winter. Und was sie sagt, ist zutreffend – die „kleinen Männer“, d. h. die einfachen Verkündiger aus den Reihen der ‚anderen Schafe‘, haben die Wachtturm-Organisation „reich gemacht“, reich an Anhängern, Gebäuden und sonstigem Vermögen.

Diese Frau empfiehlt der Schuster-Klasse zwar, sie solle sich „dankbar dafür bezeigen“. Doch die Männer in der Leitenden Körperschaft wissen natürlich, dass es eine Sünde gegen Gott wäre, auf eine Frau zu hören
(1. Korinther 11:3). Daher belohnen sie die ‚anderen Schafe‘ nicht für ihren treuen Dienst, sondern versprechen ihnen eine künftige Belohnung von Gott und treiben sie stattdessen zu noch mehr Predigtdienst an.

Keine „Schuster“ mehr

Da die versprochene Belohnung nach wie vor auf sich warten lässt, werden immer mehr Verkündiger müde und hören auf, die Zusammenkünfte zu besuchen. Oft bitten sie andere Zeugen Jehovas, ihnen wenigstens die Zeitschriften nach Hause zu bringen. Die Prophezeiung fährt dann fort: „Als sie aber kein zugeschnittenes Leder … fanden, verwunderten sie sich erst, dann aber bezeigten sie eine gewaltige Freude“ (Wichtelmänner 1:13). Gemäß einer internen Anweisung der Wachtturm-Gesellschaft ist es nämlich nicht erlaubt, Verkündigern, die die Zusammenkünfte ohne zulässigen Grund versäumen, die Zeitschriften nach Hause zu bringen.

Wenn solche Verkündiger dann über längere Zeit kein „zugeschnittenes Leder“, d. h. keine Zeitschriften, in ihren Briefkästen finden, ‚verwundern sie sich‘ oft darüber. Doch nach ein paar Wochen ohne Indoktrination durch den Wachtturm verwandelt sich die Verwunderung in „eine gewaltige Freude“. Nach einiger Zeit haben sie auch die altmodischen Kleidervorschriften der Wachtturm-Organisation hinter sich gelassen und kaufen sich moderne, ansehnliche Kleidung, die sie als Zeugen Jehovas nicht hätten tragen dürfen. In der Prophezeiung heißt es über solche Glieder der Wichtelmänner-Klasse: „Mit der größten Geschwindigkeit zogen sie sich an, strichen die schönen Kleider am Leib und sangen ‚sind wir nicht Knaben glatt und fein? was sollen wir länger Schuster sein!‘“ (Wichtelmänner 1:14).

Endlich glücklich

Viele ehemalige Verkündiger erkennen schnell, dass das Leben als Prediger ihnen kein Glück gebracht hat. Sie wollen nicht „länger Schuster sein“, d. h. im Auftrag der Schuster-Klasse von Haus zu Haus gehen und nach neuen ‚Wichtelmännern‘ suchen. Als die Wichtelmänner in der Prophezeiung an diesem Punkt angelangt waren, „hüpften und tanzten sie, und sprangen über Stühle und Bänke. Endlich tanzten sie zur Thüre hinaus. Von nun an kamen sie nicht wieder“ (Wichtelmänner 1:15). Sie verlassen die Gemeinschaft der Zeugen Jehovas und setzen nie wieder einen Fuß in einen Königreichssaal.

Ist das Buch Wichtelmänner nicht eine großartige Ermunterung für alle Zeugen Jehovas? Jetzt ist die Zeit, es den Wichtelmännern gleich zu tun und der Wachtturm-Organisation für immer den Rücken zu kehren!


*) Soweit nicht anders vermerkt, sind die Zitate in diesem Artikel aus Kinder- und Hausmärchen Band 1, Große Ausgabe, 7. Auflage 1857 entnommen.

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Eine Müllerstochter findet wahre Freiheit

Nachdruck aus Erbrechet!, März 2010

„Das hat dir der Teufel gesagt.“ (Rumpelstilzchen 4:12)

Die Prophezeiung der Gebrüder Grimm enthüllt viele kostbare Wahrheiten in Bezug auf Gottes Vorsatz und die Zukunft der Menschheit. Das Buch Rumpelstilzchen bildet hierbei keine Ausnahme. Es beschreibt den Lebenslauf vieler Zeugen Jehovas und zeigt auch, wie es mit der Wachtturm-Organisation ausgehen wird.

Zu Beginn wird gezeigt, was für Menschen überhaupt in die Fänge der Wachtturmsekte geraten: „Es war einmal ein Müller, der war arm“ (Rumpelstilzchen 1:1).[1] Der arme Müller steht für die Art von Menschen, die bis heute am meisten von Sekten angezogen werden: Arme, Behinderte, Ausländer; Menschen, die in irgendeiner Form benachteiligt sind, in einer Lebenskrise stecken oder ihrer Heimat beraubt wurden.

Es kam, wie es kommen musste: „Nun traf es sich, daß er mit dem König zu sprechen kam“  (Rumpelstilzchen 1:2). Der „König“ ist der „treue und verständige Sklave“; es sind die gesalbten Zeugen Jehovas, die glauben, bald „mit Jesus Christus zusammen als Könige über die Erde zu regieren“ (Komm Jehova doch näher, Seite 146). Jehovas Zeugen, die sich selbst für „treue Diener des Königs“ halten, haben an seiner Tür vorgesprochen, und er hat sich auf ein Gespräch eingelassen (Komm, folge mir nach, Seite 189). Schließlich beginnt er, die Zusammenkünfte im Königreichssaal zu besuchen.

Der Müller erzählte dem König: „Ich habe eine Tochter“ (Rumpelstilzchen 1:3). Der König antwortete darauf: „Bring sie Morgen in mein Schloß“ (Rumpelstilzchen 1:3). In ähnlicher Weise bitten Jehovas Zeugen jeden, der ihre Zusammenkünfte besucht, auch seine Angehörigen mitzubringen, und bearbeiten diese dann so lange, bis auch sie sich taufen lassen. Im Gegenbild stellt der „Müller“ diejenigen Zeugen Jehovas dar, die als Erwachsene im Predigtwerk „gefischt“ werden. Seine „Tochter“ steht dagegen für all diejenigen Zeugen Jehovas, die schon als solche aufgewachsen sind.

Doch auf das Mädchen wartet eine unangenehme Überraschung: „Als nun das Mädchen zu ihm [dem König] gebracht ward, führte er es in eine Kammer, die ganz voll Stroh lag, gab ihr Rad und Haspel und sprach ‚jetzt mache dich an die Arbeit, und wenn du diese Nacht durch bis morgen früh dieses Stroh nicht zu Gold versponnen hast, so mußt du sterben.‘ Darauf schloß er die Kammer selbst zu, und sie blieb allein darin“ (Rumpelstilzchen 1:4, 5).

Dadurch wurde treffend dargestellt, was auf einen Zeugen Jehovas unmittelbar nach seiner Taufe zukommt. Er bekommt ein Gebiet zugeteilt, und sinngemäß sagt die Wachtturm-Organisation zu ihm: „Jetzt mache dich an die Arbeit, und wenn du nicht genug predigst, so musst du in Harmagedon sterben!“ Tatsächlich heißt es im Wachtturm mit Bezug auf die nahe Zukunft, nur wer „fortfährt, die Königreichsbotschaft zu predigen und vor dem kommenden Gericht Jehovas zu warnen, wird Gottes Gunst genießen und überleben“ (Ausgabe vom 1. Oktober 1989, Seite 14).

So, wie der König die Müllerstochter „allein“ in der Kammer ließ, so fühlen sich auch viele Zeugen Jehovas nach ihrer Taufe allein gelassen. All die Verkündiger, die vorher regen Kontakt mit ihnen hatten, lassen sie nun allein, weil sie die Zeit jetzt nicht mehr berichten können. Man erwartet, dass sie ihrer Verpflichtung dem ‚treuen und verständigen Sklaven‘ gegenüber nun alleine nachkommen. Sie sollen für die Wachtturm-Gesellschaft ‚Stroh zu Gold spinnen‘, indem sie auf strohgleiches Papier gedruckte Zeitschriften verbreiten und dafür goldgleiche Spenden geben.image

Die Prophezeiung sagt über die Müllerstochter: „Ihre Angst ward immer größer, daß sie endlich zu weinen anfieng“ (Rumpelstilzchen 1:5). Viele Zeugen Jehovas empfinden nach ihrer Taufe ähnlich. Sie fürchten sich vor dem Predigtdienst, aber „ihre Angst“, in Harmagedon vernichtet zu werden, ist noch größer, so dass sie trotzdem einige Stunden im Predigtdienst verbringen.

Im prophetischen Vorbild „gieng auf einmal die Thüre auf, und [da] trat ein kleines Männchen herein“ (Rumpelstilzchen 1:7). Auf die Frage, warum sie weint, antwortete die Müllerstochter: „Ich soll Stroh zu Gold spinnen, und verstehe das nicht“ (Rumpelstilzchen 1:8). Das ‚kleine Männchen‘ stellt die Ältesten dar, die somit die Rumpelstilzchen-Klasse bilden. Diese merken aufgrund des schlechten Berichts, dass etwas mit dem neuen Verkündiger nicht stimmt, und besuchen ihn zu Hause. Er weiß, dass er die Aufgabe hat, die Ergüsse des ‚treuen und verständigen Sklaven‘ an den Mann zu bringen, aber er traut sich nicht so richtig. Die Ältesten geben ihm liebevollen Rat und begleiten ihn im Predigtdienst. Die Kosten, etwa für Benzin, trägt natürlich der Verkündiger, genauso wie die Müllerstochter ihr Halsband opferte, damit das Stroh zu Gold versponnen werden konnte (Rumpelstilzchen 1:9).

Die Prophezeiung lautet weiter: „Bei Sonnenaufgang kam schon der König und als er das Gold erblickte, erstaunte er undimage freute sich, aber sein Herz ward nur noch goldgieriger“ (Rumpelstilzchen 2:1). Der „Sonnenaufgang“ symbolisiert den Monatsanfang, die Zeit, in der die Predigtdienstberichte bei der Wachtturm-Gesellschaft eingehen. Dort freut man sich über jede aufgeführte Stunde, aber trotzdem will man immer noch mehr aus den Verkündigern herausholen.

Der König „ließ die Müllerstochter in eine andere Kammer voll Stroh bringen, die noch viel größer war, und befahl ihr das auch in einer Nacht zu spinnen, wenn ihr das Leben lieb wäre“ (Rumpelstilzchen 2:2). Zeugen Jehovas dürfen nie aufhören, ‚Stroh zu Gold zu spinnen‘, d. h. die Habe der Wachtturm-Gesellschaft im Predigtdienst zu mehren. Statt damit zufrieden zu sein, dass der neue Verkündiger sich regelmäßig daran beteiligt, fordert die Organisation ihn durch ihre Literatur und die Zusammenkünfte ständig auf, noch mehr zu tun.

Beispielsweise werden immer wieder Aussagen gemacht wie: „Jugendliche, die zur Schule gehen, werden sicherlich etwas von ihren Sommerferien gebrauchen wollen, um vermehrten Dienst oder den Hilfspionierdienst durchzuführen“ (Unser Königreichsdienst, April 1982, Seite 3). Diese ständige Berieselung verfehlt ihre Wirkung nicht; im Vorbild wusste „das Mädchen … sich nicht zu helfen und weinte“, doch „da gieng abermals die Thüre auf, und das kleine Männchen erschien“ (Rumpelstilzchen 2:3, 4).

In der neuzeitlichen Parallele wissen viele junge Verkündiger nicht, wie sie den Hilfspionierdienst durchführen sollen. Doch wenn sie die o. g. Aufforderung zum Hilfspionierdienst nicht von selbst in die Tat umsetzen, bekommen sie über kurz oder lang Besuch von der Rumpelstilzchen-Klasse, den Ältesten. Diese werden ihnen zu verstehen geben, dass sie den Hilfspionierdienst durchführen müssen, ‚wenn ihnen das Leben lieb ist‘. Vielleicht zitieren sie einen passenden Artikel aus der Wachtturm-Literatur, wie etwa diesen: „Nachdem wir uns einmal entschlossen haben, uns Jehova hinzugeben, um seinen Willen zu tun, gibt es kein Zurück mehr. Jehova erwartet von uns mit Recht, daß wir ‘unser Gelübde bezahlen’. Wer seinen Verpflichtungen gegenüber Jehova willentlich und wissentlich nicht nachkommt, verdient den Tod“ (Der Wachtturm, 1. Juni 1972, Seite 337).

Mit Hilfe der Ältesten und noch höheren Benzinkosten – in der Prophezeiung dargestellt durch den „Ring von dem Finger“ – schafft es der junge Verkündiger schließlich, den Hilfspionierdienst durchzuführen (Rumpelstilzchen 2:5). Würde der „treue und verständige Sklave“ jetzt zufrieden sein? Nein, „der König freute sich über die Maßen bei dem Anblick, war aber noch immer nicht Goldes satt, sondern ließ die Müllerstochter in eine noch größere Kammer voll Stroh bringen und sprach ‚die mußt du noch in dieser Nacht verspinnen‘“ (Rumpelstilzchen 3:1).

Im Auftrag der Organisation reden die Ältesten weiter auf den imagejungen Verkündiger ein. Sie zitieren aus der Wachtturm-Literatur viele Beispiele von Jugendlichen, die gleich nach der Schule den allgemeinen Pionierdienst aufnahmen. Irgendwann beugen sich viele diesem Druck, so wie die Müllerstochter im prophetischen Vorbild; sie „wußte sich auch in der Noth nicht anders zu helfen; sie versprach also dem Männchen was es verlangte“ (Rumpelstilzchen 3:3).

Die meisten bleiben dann auch eine Zeitlang in diesem Dienst tätig und erreichen ihr jährliches Stundenziel. Die Wachtturm-Gesellschaft freut sich über ihre Predigtdienst-berichte, so wie „am Morgen der König kam und alles fand wie er gewünscht hatte“  (Rumpelstilzchen 3:5). Doch mit der Zeit änderten sich die Verhältnisse.

In der Prophezeiung heißt es weiter über die Müllerstochter: „Über ein Jahr brachte sie ein schönes Kind zur Welt und dachte gar nicht mehr an das Männchen“ (Rumpelstilzchen 4:1). Die Jahre vergehen, und der ehemals eifrige Jugendliche zieht aus dem Elternhaus aus, heiratet und gründet eine Familie. Unter dem Einfluss der Welt wird er schwach im Glauben und lässt im Predigtdienst nach. Vielleicht hört er sogar auf, die Zusammenkünfte regelmäßig zu besuchen.

„Da trat es [das Männchen] plötzlich in ihre Kammer und sprach ‚nun gib mir was du versprochen hast‘“ (Rumpelstilzchen 4:2). Die Ältesten beobachten die Entwicklung natürlich mit Sorge und statten dem schwach gewordenen Verkündiger einen unerwarteten Besuch ab. Sie machen ihm unmissverständlich klar: Wer sich weigert, auf sie zu hören und sich in vollem Maße am Predigtdienst und an den Zusammenkünften zu beteiligen, „kann natürlich nicht hoffen zu überleben“ (Der Wachtturm, 15. September 1988, Seite 14).

Diesmal lässt sich der Verkündiger aber nicht mehr so leicht einwickeln. Durch das Internet weiß er über die Machenschaften der Wachtturm-Organisation Bescheid. Das wurde in der Prophezeiung durch einen Boten dargestellt, der „ein gar zu lächerliches Männchen“ beobachtete, das „schrie ‚heute back ich, morgen brau ich‘“ (Rumpelstilzchen 4:7).

In der Tat spielen sich Älteste zwar in der Versammlung als „Fürsten“ auf, doch außerhalb der Wachtturm-Organisation sind sie oft ‚gar zu lächerliche Männchen‘ (Der Wachtturm, 1. Juni 1999, Seite 9). Viele Älteste stehen unter dem Pantoffel ihrer Frau; andere, die von Kindesbeinen an eine „theokratische“ Karriere verfolgten, haben keine Ahnung vom Leben und davon, wie die Welt funktioniert. In der Prophezeiung sagte Rumpelstilzchen „heute back ich, morgen brau ich“; tatsächlich sind viele Glieder der Rumpelstilzchen-Klasse Schlemmer und Alkoholiker.

Weiter sagte das Männchen in der Prophezeiung: „Ach, wie gut ist daß niemand weiß daß ich Rumpelstilzchen heiß!“ (Rumpelstilzchen 4:9). Die gegenbildliche Rumpelstilzchen-Klasse hat keinen geheimen Namen, aber auch sie sind froh, dass die einfachen Verkündiger nicht alles wissen. Sie sagen gleichermaßen: „Ach, wie gut ist, dass niemand weiß, wie oft sich der ‚treue und verständige Sklave‘ schon geirrt hat, dass die Wachtturm-Gesellschaft als NGO bei der UNO registriert war und wie es bei unseren Besprechungen wirklich zugeht.“

Doch der junge Verkündiger weiß über alles Bescheid. Das Internet, der gegenbildliche Bote, hat ihm alles über die Machenschaften der Wachtturm-Gesellschaft verraten. Er konfrontiert die Ältesten mit der UNO-Affäre und der Zusammenarbeit mit der OSZE, mit Tonbandaufnahmen über das Jahr 1975 sowie mit Zitaten aus den Schriftstudien und alten Wachtturm-Ausgaben.

Wie reagierte Rumpelstilzchen darauf, dass die Müllerstochter über seine Identität Bescheid wusste? „‘Das hat dir der Teufel gesagt, das hat dir der Teufel gesagt‘ schrie das Männlein“ (Rumpelstilzchen 4:12). Ähnlich gehen auch die Ältesten, die die Rumpelstilzchen-Klasse bilden, vor. Statt in irgendeiner Form auf die vorgetragenen Argumente einzugehen, tun sie sie als „Gedankengut von Abtrünnigen“ ab und bezeichnen diese als „Handlanger Satans“ sowie „Feinde Gottes“ (Unser Königreichsdienst, November 1999, Seite 3; Der Wachtturm, 15. August 1990, Seite 16; Einsichten über die Heilige Schrift, Band 2, Seite 253).

Da sie die Wahrheit über Rumpelstilzchen erkannte, konnte die Müllerstochter ein erfülltes Leben ohne Bevormundung führen. Das gleiche kann auch von vielen jungen Leuten gesagt werden, die zwar als Zeugen Jehovas aufwachsen, aber rechtzeitig die Wahrheit über die Wachtturm-Organisation erkennen und sich von ihr lösen.

Wie wird es mit Jehovas Zeugen weitergehen? Auch diese Frage wird im Buch Rumpelstilzchen behandelt. „Das Männlein … stieß mit dem rechten Fuß vor Zorn so tief in die Erde, daß es bis an den Leib hineinfuhr, dann packte es in seiner Wuth den linken Fuß mit beiden Händen und riß sich selbst mitten entzwei“ (Rumpelstilzchen 4:13). In ähnlicher Weise werden die Rumpelstilzchen-Klasse und die von ihr vertretene Wachtturm-Organisation für immer vom Erdboden verschwinden. Was für eine großartige Befreiung das sein wird!


[1] Soweit nicht anders vermerkt, sind die Zitate in diesem Artikel aus Kinder- und Hausmärchen Band 1, Große Ausgabe, 7. Auflage 1857 entnommen.

Der faule Heinz – Verkündiger des Königreiches Gottes

Nachdruck aus Erbrechet!, Oktober 2009

„‚Ich weiß was ich thue,‘ rief er aus, ‚ich heirathe die dicke Trine.‘“ (Heinz 1:4)

Die Prophezeiung der Gebrüder Grimm war seit jeher eine Inspiration für wahre Anbeter Gottes. Sie stärkt unser Vertrauen in die Fähigkeit des Schöpfers, die Zukunft vorherzusagen. Dies trifft auch auf die Prophezeiung vom faulen Heinz zu, die nun Gegenstand unserer Betrachtung sein wird.

imageDer Prophet kommt ohne große Umschweife gleich zur Sache, wenn er seine Prophezeiung mit den Worten einleitet: Heinz war faul, und obgleich er weiter nichts zu thun hatte, als seine Ziege täglich auf die Weide zu treiben, so seufzte er dennoch, wenn er nach vollbrachtem Tagewerk Abends nach Hause kam. ‚Es ist in Wahrheit eine schwere Last,‘ sagte er, ‚und ein mühseliges Geschäft, so eine Ziege Jahr aus Jahr ein … ins Feld zu treiben‘“ (Heinz 1:1).[1]

Die Brüder Grimm beziehen sich hier zweifellos auf die gesalbte Fauler-Heinz-Klasse, die zu Anfang des 20. Jahrhunderts das Predigtwerk alleine durchführen musste. Selbstverständlich hatten damals (wie heute) die Männer die eigentliche Verantwortung, und es war ihre Aufgabe, die weiblichen Gesalbten – die Ziegen-Klasse – „ins Feld zu treiben“, d. h. in den Feld- oder Predigtdienst mitzunehmen.

imageDie Faule-Heinz-Klasse betrachtete das als „eine schwere Last“ und beschwerte sich: „Wenn man sich noch dabei hinlegen und schlafen könnte! aber nein, da muß man die Augen auf haben, damit sie die jungen Bäume nicht beschädigt, durch die Hecke in einen Garten dringt oder gar davon läuft. Wie soll da einer zur Ruhe kommen, und seines Lebens froh werden!“ (Heinz 1:2).

Es gefiel ihnen nicht, mit den Schwestern zusammen in den Predigtdienst zu gehen. Sie hatten ständig Angst, die Frauen könnten den Glauben der Interessierten – der „jungen Bäume“ – ‚beschädigen‘, indem sie etwas Unpassendes sagen. Sie fürchteten auch, die Schwestern könnten den Gegenargumenten der Wohnungsinhaber glauben und so von der Wachtturm-Organisation ‚davonlaufen‘.

Ein geschickter Plan

Wie die Prophezeiung weiter ausführt, setzte der faule Heinz „sich, sammelte seine Gedanken und überlegte wie er seine Schultern von dieser Bürde frei machen könnte“, doch „lange war alles Nachsinnen vergeblich“ (Heinz 1:3, 4). Es dauerte tatsächlich mehrere Jahrzehnte, bis die gesalbten Christen eine Lösung fanden. Doch „plötzlich fiels ihm wie Schuppen von den Augen. ‚Ich weiß was ich thue,‘ rief er aus, ‚ich heirathe die dicke Trine, die hat auch eine Ziege, und kann meine mit austreiben, so brauche ich mich nicht länger zu quälen.‘“ (Heinz 1:4, 5).

imageDer Wachtturm vom 1. Juli 1995 beschreibt die Erfüllung dieser Prophezeiung mit den Worten: „1932 ermunterten gesalbte Christen die anderen Schafe, sich von nun an am Predigtwerk zu beteiligen“ (Seite 15). Die Dicke-Trine-Klasse ist in der Tat identisch mit der „großen Volksmenge“, in der eine „Zunahme geistig wohlgenährter Christen“ zu beobachten ist (vergleiche Der Wachtturm, 15. Oktober 1985, Seite 18). Die „arbeitsame und tugendreiche … dicke Trine [ward] Heinzens Frau und trieb die beiden Ziegen aus“ (Heinz 1:6, 7). Männer aus der großen Volksmenge, die sogenannten Jonadabe, nahmen sowohl gesalbte als auch nichtgesalbte „Ziegen“ oder Schwestern mit in den Predigtdienst.

Das war ein geschickter Schachzug der Fauler-Heinz-Klasse, denn genauso wie die dicke Trine sind die Glieder der großen Volksmenge „arbeitsam, ehrlich und gehorsam“ (Der Wachtturm, 15. September 1981, Seite 10). „Als ‚Fronarbeiter‘ setzen die anderen Schafe bereitwillig sich selbst und ihre Mittel zur Unterstützung des weltumspannenden Predigtwerkes ein, das Christus seinen gesalbten Nachfolgern aufgetragen hat“ (Der Wachtturm, 15. Januar 2008, Seite 26). Ja, so wie die dicke Trine die Ziege des faulen Heinz mit austrieb, so führt auch die Dicke-Trine-Klasse das Predigtwerk durch, das Jesus eigentlich der gesalbten Fauler-Heinz-Klasse aufgetragen hat.

imageNun konnten die Gesalbten es sich in ihren Bethelheimen bequem machen: „Heinz hatte gute Tage und brauchte sich von keiner andern Arbeit zu erholen, als von seiner eigenen Faulheit. Nur dann und wann gieng er mit hinaus“ (Heinz 2:1). Die Glieder der Fauler-Heinz-Klasse verwiesen immer öfter auf ihre anstrengende Arbeit „in Verbindung mit dem Austeilen der geistigen ‚Speise zur rechten Zeit‘“ und gingen nur noch „dann und wann … mit hinaus“ in den Predigtdienst (Der Wachtturm, 1. August 1972, Seite 465).

Faulheit greift um sich

„Aber die dicke Trine war nicht minder faul“ und schlug vor, einen Bienenstock anzuschaffen: „Den Bienenstock stellen wir an einen sonnigen Platz hinter das Haus. … Die Bienen … sammeln Honig ohne daß es uns die geringste Mühe macht“ (Heinz 2:2-4). Ja, auch die „anderen Schafe“ ließen sich einiges einfallen, um sich das Leben leichter zu machen. Schon „gegen Ende des Jahres 1933“ – ein Jahr, nachdem die Fauler-Heinz-Klasse sie ermuntert hatte, sich am Predigtdienst zu beteiligen – „wurde eine neue Predigtmethode eingeführt. Jeder Zeuge stellte sich vor und überreichte dem Wohnungsinhaber eine Zeugniskarte mit einer kurzen Botschaft zum Lesen“ (Jehovas Zeugen – Verkündiger des Königreiches Gottes, Seite 564).

imageNoch ein Jahr später wurde ein weiteres bienenähnliches Hilfsmittel eingeführt. „Einige Zeugen begannen 1934 damit, tragbare Grammophone mitzunehmen, wenn sie in den Dienst gingen. … Im Jahre 1937 begann man, das tragbare Grammophon an den Türen zu gebrauchen. Die Verfahrensweise war einfach: Nachdem der Zeuge erklärt hatte, daß er eine wichtige biblische Botschaft zu überbringen habe, setzte er die Nadel auf die Platte, und die Predigt lief ab. … Um das Jahr 1940 waren 40 000 Grammophone im Gebrauch. … Über 90 Vorträge wurden aufgenommen; mehr als eine Million Platten waren im Umlauf“ (Jehovas Zeugen – Verkündiger des Königreiches Gottes, Seite 565).

So wie Bienen in großer Zahl ausströmen und Honig sammeln, ohne dass ihr Besitzer etwas tun muss, so gebrauchte die Dicke-Trine-Klasse Millionen von Schallplatten. Sie stellten einfach das Grammophon „an einen sonnigen Platz hinter das Haus“ und ließen ihre Propagandavorträge auf die Menschen wirken. Dabei wurden so viele honiggleiche imageneue Verkündiger eingesammelt, „daß Heinz im Herbst einen ganzen Krug voll heraus nehmen konnte“ (Heinz 2:6).

Jehovas Zeugen führen ihre Statistik nicht nach Kalenderjahren, sondern nach „Dienstjahren“, die jeweils von September bis August dauern. Daher konnten sie jeweils Anfang September – „im Herbst“ – über eine neue Verkündigerhöchstzahl berichten. Es gab sozusagen jedes Jahr „einen ganzen Krug voll“ neuer Verkündiger, von denen viele auf den Kongressen im Sommer getauft worden waren.

Neue Gefahren

Mit der Verkündigerzahl stieg auch die Angst davor, einige der Anhänger wieder zu verlieren. Schließlich waren einige Prophezeiungen nicht eingetroffen, etwa, dass Harmagedon in den 1940er Jahren kommen oder dass der Zweite Weltkrieg in dieses münden würde. Einige Verkündiger hätten auf die Idee kommen können, der Präsident der Wachtturm-Gesellschaft wäre gar nicht Gottes Mitteilungskanal, und davon sogar anderen erzählen.

Daher ergriffen die Führer der Wachtturm-Organisation geeignete Gegenmaßnahmen. „Sie stellten den Krug auf ein Brett. … Weil sie fürchteten er könnte ihnen gestohlen werden oder die Mäuse könnten darüber gerathen, so holte Trine einen starken Haselstock herbei und legte ihn neben ihr Bett, damit sie ihn, ohne unnöthigerweise aufzustehen, mit der Hand erreichen und die ungebetenen Gäste von dem Bette aus verjagen könnte“ (Heinz 2:7-9).

Diese Prophezeiung erfüllte sich im Jahr 1952, als die Wachtturm-Organisation den Gemeinschaftsentzug einführte, damit mausgleiche Abtrünnige keinen Kontakt mehr mit den honigähnlichen Verkündigern haben konnten. Gleich einem „starken Haselstock“ ist der Gemeinschaftsentzug seitdem das geeignete Mittel, um unerwünschte Personen aus der Versammlung zu „verjagen“.

Neueste Entwicklungen

Mit den Jahrzehnten wurden die Glieder der gesalbten Fauler-Heinz-Klasse immer älter und daher noch fauler. Die Prophezeiung erklärt: „Der faule Heinz verließ das Bett nicht gerne vor Mittag: ‚wer früh aufsteht,‘ sprach er, ‚sein Gut verzehrt.‘ Eines Morgens als er so am hellen Tage noch in den Federn lag und von dem langen Schlaf ausruhte, sprach er zu seiner Frau ‚die Weiber lieben die Süßigkeit, und du naschest von dem Honig‘“ (Heinz 3:1, 2).

Die Gesalbten hatten sich Jahrzehnte in einem „langen [geistigen] Schlaf“ befunden. Bisher mussten sie sich sowohl um das Austeilen der „geistigen Speise“ kümmern als auch um die Verwaltung ihrer Besitztümer. Doch nun sprach die die gesalbte Fauler-Heinz-Klasse zur Dicke-Trine-Klasse: „Du naschest von dem Honig.“ Sie luden also Glieder der „großen Volksmenge“ ein, auch einen Anteil am Ausnutzen der einfachen Verkündiger zu haben. Einigen Gliedern der Dicke-Trine-Klasse wie Don Adams kam das ganz recht, und so erklärten sie sich im Jahr 2000 einverstanden, die Führung der Wachtturm-Gesellschaft und der anderen Rechtskörperschaften zu übernehmen (siehe Der Wachtturm, 15. Januar 2001, Seite 28).

imageMit dem Hinweis darauf, dass sie schon jahrzehntelang dienten, fragten sie: „Soll ich mich etwa mit den jungen Gänsen plagen und meine Kräfte dabei unnöthigerweise zusetzen?“ (Heinz 3:3). Die ‚jungen Gänse‘ sind junge Verkündiger, die meistens nicht im Predigtdienst gefunden wurde, sondern Kinder von Zeugen Jehovas sind. Tatsächlich sind junge Verkündiger heute meistens gut informiert und lassen sich nicht mehr so viel bieten wie ihre Eltern und Großeltern.

Informationsgesellschaft

Sowohl der Leitenden Körperschaft, die weiterhin aus Gliedern der Fauler-Heinz-Klasse besteht, als auch den Gliedern der Dicke-Trine-Klasse, die die Vorstandsmitglieder der Wachtturm-Gesellschaft stellen, bereitet das Voranschreiten des Informationszeitalters große Sorgen: „Heutzutage gehorchen die Kinder nicht mehr: sie thun nach ihrem eigenen Willen, weil sie sich klüger dünken als die Eltern“ (Heinz 3:4). Immer mehr Zeugen Jehovas lassen sich nicht mehr alles bieten, was vom ‚treuen und verständigen Sklaven‘ kommt, und glauben nicht mehr alles. Gerade junge Leute forschen oft im Internet nach und glauben dann, sie wären „klüger … als die Eltern“, die sich weiterhin von der Wachtturm-Organisation versklaven lassen.

In der Prophezeiung wird dann noch jemand erwähnt, „der die Kuh suchen sollte, und drei Amseln nachjagte“ (Heinz 3:5). imageDer Auftrag, den die Fauler-Heinz-Klasse allen Verkündigern aufgetragen hat, lautet, „noch mehr ‚Schafe‘ zu suchen“ (Der Wachtturm, 1. September 1981, Seite 31). Und bekanntlich „gilt das Schaf häufig als Inbegriff der … Dummheit“, wie die Encyclopaedia Wikipedia feststellt. Dass der Knecht aus der Prophezeiung „die Kuh suchen sollte“, bedeutet also, dass er Menschen zur Organisation führen sollte, die einer ‚dummen Kuh‘ gleichen. Stattdessen brachte er Personen zur Versammlung, die „Amseln“ glichen und nach kurzer Zeit sozusagen davon flogen.

Die Führung der Wachtturm-Gesellschaft weiß sich nicht mehr anders zu helfen, als eine noch härtere Gangart gegenüber zweifelnden Verkündigern einzunehmen: „Dem soll es schlecht bekommen, wenn er nicht thut was ich sage. Einen Stock will ich nehmen und mit ungezählten Schlägen ihm die Haut gerben“ (Heinz 3:6). Verkündiger, die irgendwie am ‚treuen und verständigen Sklaven‘ zweifeln, werden einfach ausgeschlossen, „und der schöne Honig floß auf den Boden“ (Heinz 3:7).

Obwohl immer mehr Menschen ihre Organisation verlassen, sagen die Glieder der Fauler-Heinz-Klasse und auch die führenden Glieder imageder Dicke-Trine-Klasse: „Wir haben alle Ursache mit unserm Schicksal zufrieden zu sein.“ (Heinz 3:8). Tatsächlich lassen sie es sich in ihren Bethelheimen gutgehen. Für jeden maus- oder amselgleichen Verkündiger, der ihre Organisation verlässt, kommt mindestens ein schaf- oder kuhgleicher neuer Prediger hinzu. Während sie ihren Anhängern immer wieder einreden, Harmagedon stehe unmittelbar vor der Tür, sagen sie bei sich: „Der Tag ist doch noch lang genug. … Eilen thut nicht gut“ (Heinz 3:9, 11).

Sind wir nicht begeistert, wie genau die Prophezeiung der Gebrüder Grimm Einzelheiten von Entwicklungen offenbarte, die erst Jahrhunderte später ihren Lauf nahmen?


[1] Soweit nicht anders vermerkt, sind die Zitate in diesem Artikel aus Kinder- und Hausmärchen Band 2, Große Ausgabe, 7. Auflage 1857 entnommen.

Die Esel-Klasse in der Zeit des Endes

Nachdruck aus Erbrechet!, Juni 2009

„Sie hätte lieber gar kein Kind gehabt, als einen Esel.“ (Eselein 1:3)

Die Prophezeiung der Gebrüder Grimm ist ein kostbarer Schatz. Das Buch Eselein wird jedoch von den Kommentatoren Babylons der Großen kaum beachtet, weil ihnen der zum Verstehen notwendige Geist Gottes fehlt. Ein Vergleich des Buches mit anderen Aussagen der Heiligen Schrift lässt uns jedoch klar erkennen, wie sich das Buch erfüllt hat und welche wertvollen Lehren wir daraus ziehen können.

Die Prophezeiung beginnt mit den Worten: Es lebte einmal ein König und eine Königin, die waren reich, und hatten alles, was sie sich wünschten, nur keine Kinder“ (Eselein 1:1) [1]. Es handelt sich offensichtlich um ein gesalbtes Ehepaar, das Jehova gemeinsam diente. Sie „waren reich“ an guten Werken und Predigtdienststunden, und dank des Segens Jehovas wohl auch buchstäblich reich (Sprüche 10:22). Doch sie hatten „keine Kinder“, und „darüber klagte sie [die ‚Königin‘] Tag und Nacht“ (Eselein 1:2).

Schließlich „erfüllte Gott ihre Wünsche, als das Kind aber zur imageWelt kam, sah’s nicht aus wie ein Menschenkind, sondern war ein junges Eselein“  (Eselein 1:2). Ihr Sohn benahm sich „störrisch und rebellisch“ wie ein Esel und weigerte sich jahrelang, sich taufen zu lassen (5. Mose 21:18). Die treue Schwester nahm Zuflucht zu „Jammer und Geschrei“ (Eselein 1:3). Als ihre Geduld an Ende war, schrie sie, „sie hätte lieber gar kein Kind gehabt, als einen Esel, und sagte, man sollt’s in’s Wasser werfen“ (Eselein 1:3). Sie brachte also die Ältesten dazu, ihren Sohn zur Taufe im „Wasser“ zu drängen, und widerwillig gab er sich Jehova hin.

Zeitliche Einordnung

Das Buch Esra gibt uns einen deutlichen Hinweis auf die Zeit, in der sich diese Begebenheit zugetragen haben muss. Es heißt dort: „Die ganze Versammlung war als eine Gruppe an Zahl zweiundvierzigtausenddreihundertsechzig, außer ihren Sklaven und ihren Sklavinnen; diese waren siebentausenddreihundertsiebenunddreißig. … Ihrer Pferde waren siebenhundertsechsunddreißig, ihrer Maultiere zweihundertfünfundvierzig, ihrer Kamele vierhundertfünfunddreißig, ihrer Esel sechstausendsiebenhundertzwanzig“ (Esra 2:64-47).

Es geht also um eine Zeit, in der es etwa 42.360 gesalbte Christen und ungefähr 7.337 „Sklaven“, d. h. Jonadabe – insgesamt knapp 50.000 Verkündiger – gab. 1935 gab es 56.153 Verkündiger, also muss sich die erste Erfüllung der Prophezeiung Anfang der 1930er Jahre zugetragen haben. Von den damaligen Verkündigern erwiesen sich 245 als „Pferde“, die führend im Werk vorangingen. 435 Verkündiger gehörten zur Kamel-Klasse und 6.720 (etwa 13 %) zur Esel-Klasse.

Zu dieser Zeit waren noch einige Plätze im himmlischen Königreich zu vergeben, so dass der Vater des Esels sagen konnte: „Gott [hat] ihn gegeben, soll er auch … auf dem königlichen Thron sitzen und die königliche Krone tragen“ (Eselein 1:4). Er wünschte sich sehnlich, dass auch sein Sohn zu einem treuen Anbeter Jehovas werden und schließlich das himmlische Königreich erben würde. „Also ward das Eselein aufgezogen, nahm zu und die Ohren wuchsen ihm auch fein hoch und gerad hinauf“ (Eselein 1:5). Sie belehrten ihren Sohn rund um die Uhr über die wunderbaren Verheißungen aus Gottes Wort (5. Mose 6:7). Er „nahm zu“ an Erkenntnis, und seine „Ohren“ hörten in den Zusammenkünften aufmerksam zu.

Eselähnliche Eigenschaften

Doch über kurz oder lang kamen leider seine eselähnlichen Eigenschaften wieder zum Vorschein. Statt seine ganze Zeit und Kraft dem Predigtwerk zu widmen, war er „fröhlicher Art, sprang herum, spielte und hatte besonders seine Lust an der Musik“ (Eselein 2:1). Der junge Verkündiger besuchte zwar die Zusammenkünfte und beteiligte sich in einem gewissen Maß am Predigtdienst, doch er beschäftigte sich auch mit weltlicher Unterhaltung und freute sich, statt sich darüber zu beklagen, wie schlecht die Welt ist. Eines Tages kam er „an einen Brunnen“, schaute hinein und „sah im spiegelhellen Wasser seine Eseleins-Gestalt“ (Eselein 2:4).

Das „Eselein“ verstand langsam, dass es eine Art Doppelleben führte. „Darüber ward es so betrübt, daß es in die Welt hineinging“ (Eselein 2:4). Der Verkündiger hatte immer mehr Kontakt mit der Welt. Er und weltliche Freunde „zogen auf und ab, zuletzt kamen sie in ein Reich, wo einimage alter König herrschte“ (Eselein 2:4). Ja, sie begaben sich sogar an Orte, an denen der Einfluss Satans, des ‚alten Königs‘, besonders deutlich erkennbar war. Der eselähnliche Verkündiger war kurz davor, Gottes Organisation zu verlassen und vollständig ‚in die Welt hineinzugehen‘. Doch dann wurde er mit einem ernsten Problem konfrontiert.

„Da sagten sie: … ‚setz’ dich zu dem Kriegsvolk.‘ ‚Nein, sprach es‘“ (Eselein 2:8). Der junge Verkündiger wurde zum Wehrdienst einberufen, erinnerte sich an die biblischen Grundsätze und verweigerte den Militärdienst. Er erklärte auch, weshalb: „Ich will beim König sitzen“ (Eselein 2:9). Er hielt seinen Blick fest auf den Preis gerichtet, im Himmel zusammen mit Jesus auf dem Thron zu sitzen (Matthäus 19:28).

Der Ausgang

Seine weltlichen Freunde versuchten, ihn umzustimmen, indem sie ihn fragten: „Willst du Gold? … Willst du Kostbarkeiten und Schmuck?“ (Eselein 2:12, 13). Doch er antwortete jedes Mal mit „Nein“ (Eselein 2:12, 13). Er kam zur Vernunft und „warf … seine Eselhaut ab“ (Eselein 2:18). Von nun an gehörte er nicht mehr zur Esel-Klasse, sondern diente Jehova als treuer Verkündiger. Er bekam „das halbe Reich, und als er nach einem Jahr starb, hatte er das ganze“ (Eselein 3:3). Schon zu Lebzeiten wurde er von Gott gerecht gesprochen, er hatte sozusagen schon die „halbe“ Miete für das Königreich in der Tasche. Als er ein Jahr später bei einem Verkehrsunfall ums Leben kam, erbte er „das ganze“ Königreich, denn er wurde ‚in einem Nu verwandelt‘ und zu himmlischem Leben als König auferweckt (1. Korinther 15:51, 52).

Die Prophezeiung enthält jedoch auch einen Hinweis darauf, was mit Verkündigern passiert, die ein Teil der Esel-Klasse bleiben. Der König ließ nämlich „draußen ein gewaltiges Feuer anmachen und die [Esel-]Haut hineinwerfen und blieb selber dabei, bis sie ganz zu Asche verbrennt war“ (Eselein 2:23). Die Esel werden „in flammendem Feuer“ vernichtet werden, „wenn er [Gott] an denen Rache übt, die … der guten Botschaft über unseren Herrn Jesus nicht gehorchen“ (2. Thessalonicher 1:8, 9).

Die größere Erfüllung

Wer genau bildet nun die Esel-Klasse in der größeren Erfüllung? Es sind alle Verkündiger, die Jehova zwar dienen, die aber nicht genug tun, um gerettet zu werden (vgl. 2. Petrus 1:10). Wahrscheinlich machen sie – wie in der ersten Erfüllung in den 1930er Jahren – etwa 13 Prozent der gesamten Verkündigeranzahl aus, also derzeit rund eine Million. An dieser Gruppe wird besonders deutlich, wieso Zephanja zu Gottes Dienern sagte: „Wahrscheinlich könnt ihr am Tag des Zornes Jehovas geborgenimage werden“ (Zephanja 2:3). Ein Zeuge Jehovas zu sein, sich am Predigtdienst zu beteiligen und sich an die sonstigen Regeln der Wachtturm-Gesellschaft zu halten, reicht eben nur „wahrscheinlich“ für die Rettung.

Obwohl sie keine Belohnung erhalten sollen, werden die Glieder der Esel-Klasse doch für das Predigtwerk benötigt. Jesaja sagte zu den heutigen Ältesten: „Glücklich seid ihr, die ihr Samen sät an allen Wassern, indem ihr die Füße des Stieres und des Esels aussendet“ (Jesaja 32:20). Außer den gewöhnlichen Verkündigern beteiligen sich auch die Glieder der Stier-Klasse und der Esel-Klasse am Predigtwerk.

Wie der Esel Bileams, so verkündigen auch sie das Wort Gottes (4. Mose 22:28). Die Ältesten sind froh über ihren Einsatz und rufen aus: „Was wären wir nur ohne Esel!“ (Erwachet!, Dezember 2006, S. 26). Doch Verkündiger, die zur Esel-Klasse gehören, sind wirklich Esel, denn sie mühen sich ihr ganzes Leben für das Predigtwerk ab und erhalten dann doch keine Belohnung.

imageEin kleines Zugeständnis macht Jehova ihnen aber schon. In Harmagedon vernichtete Weltmenschen werden bekanntermaßen „nicht eingesammelt, noch werden sie begraben werden. Zu Dünger auf der Oberfläche des Erdbodens werden sie werden“ (Jeremia 8:2). Doch Glieder der Esel-Klasse werden zumindest „mit dem Begräbnis eines Esels … begraben werden“ (Jeremia 22:19).

Wollen wir uns niemals als Esel erweisen! Kennen wir jemanden, der wahrscheinlich zur Esel-Klasse gehört? Ermuntern wir ihn, seine eselähnlichen Eigenschaften abzulegen und mit uns Jehova noch mehr zu preisen!


[1] Soweit nicht anders vermerkt, sind die Zitate in diesem Artikel aus Kinder- und Hausmärchen, Große Ausgabe, Band 2, 1. Auflage 1815 entnommen.

Wasser des Lebens in unserer Zeit

Nachdruck aus Erbrechet!, Februar 2009

Die Prophezeiung der Gebrüder Grimm vom „Wasser des Lebens“ handelt von einem Mann, „der war krank, und niemand glaubte daß er mit dem Leben davon käme“ (Wasser 1:1)[1]. Das beschreibt treffend die Situation, in der sich die Welt im 19. Jahrhundert befand. Sie war in geistiger Hinsicht krank; die Menschen befanden sich in geistiger Finsternis. Die Menschen waren von den falschen Lehren der Christenheit gefangen, und es sah nicht so aus, als ob die wahre Anbetung wiederhergestellt würde.

Der König „hatte aber drei Söhne“, und ein weiser Mann sprach zu ihnen: „Ich weiß noch ein Mittel, das ist das Wasser des Lebens. … Es ist aber schwer zu finden“ (Wasser 1:2). Der „König“ ist der „König der Ewigkeit“, Jehova Gott (Off. 15:3). Die „Söhne“ stehen für verschiedene Erforscher der Bibel, die im 19. Jahrhundert versuchten, die durch das „Wasser des Lebens“ dargestellten kostbaren Wahrheiten zu ergründen. Paulus schrieb über sie: „Alle, die durch Gottes Geist geleitet werden, diese sind Söhne Gottes“ (Röm. 8:14).

Jeder von ihnen „dachte in seinem Herzen ‚bringe ich das Wasser, so bin ich meinem Vater der liebste und erbe das Reich’“ (Wasser 1:4). Ja, jeder dieser Männer wollte „Gottes Königreich erben“ (1. Kor. 6:10). Zwei der drei Söhne machten jedoch einen entscheidenden Fehler: Sie behielten ihre Erkenntnisse für sich. Sie begegneten einem „Zwerg auf dem Wege“ – einem „Kleingläubigen“, der nach wahrer Erkenntnis hungerte (Wasser 1:5). Sie hätten die Verpflichtung gehabt, ihm „die gute Botschaft über den Christus, Jesus, zu verkündigen“ (Apg. 5:42). Statt dessen sagten sie zu ihm: „Dummer Knirps, … das brauchst du nicht zu wissen“ (Wasser 1:6).

Paulus schrieb: „Wehe mir, wenn ich die gute Botschaft nicht verkündigte!“ (1. Korinther 9:16). Leider hielten sich die meisten Christen, die im 19. Jahrhundert Erkenntnis aus Gottes Wort erlangt hatten, vom Predigen zurück. Dadurch gelangten sie in eine geistige Sackgasse, was durch die Erfahrung eines der „Söhne“ dargestellt wird: Er „gerieth bald hernach in eine Bergschlucht, und je weiter er ritt, je enger thaten sich die Berge zusammen, und endlich ward der Weg so eng, daß er keinen Schritt weiter konnte; …. er saß da wie eingesperrt. … So gehts aber den Hochmüthigen“ (Wasser 1:8, 11).

Charles Taze Russell

Der Apostel Jakobus erklärte: „Gott widersteht den Hochmütigen, den Demütigen aber erweist er unverdiente Güte“ (Jak. 4:6). Die hochmütigen Geistlichen wurden von Jehova nicht mit Erkenntnis gesegnet; statt dessen erwies Jehova dem demütigen Charles Taze Russell „unverdiente Güte“. Er sagte praktisch zu ihm: „Weil du dich betragen hast, wie sichs geziemt, nicht übermüthig wie deine falschen Brüder, so will ich dir Auskunft geben und dir sagen wie du zu dem Wasser des Lebens gelangst“ (Wasser 1:14).

Russell „machte sich auf den Weg“, und „das Thor sprang beim dritten Ruthenschlag auf“ (Wasser 2:1). Er beachtete den Rat Jesu, der gesagt hatte: „Klopft immer wieder an, und es wird euch geöffnet werden“ (Mat. 7:7). Daher gab er nicht auf, als sich das Tor nach dem ersten und zweiten Klopfversuch nicht geöffnet hatte. Seine Beharrlichkeit wurde belohnt, als das Tor aufsprang.

Paulus schrieb über vorchristliche Diener Gottes, dass sie „der Löwen Rachen verstopften“ (Heb. 11:33). Gleichermaßen hatte Russell „die Löwen mit dem Brot gesänftigt“; die „Löwen“ stellen Geistliche der Christenheit dar, die er durch seine Redekunst zum Schweigen brachte (Wasser 2:2). Danach „trat er in das Schloß und kam in einen großen schönen Saal: darin saßen verwünschte Prinzen, denen zog er die Ringe vom Finger“ (Wasser 2:2). Die ‚verwünschten Prinzen’ sind andere Erforscher der Bibel, die durch ihre Weigerung, den „Zwergen“ zu predigen, ihre Hoffnung auf „Annahme an Sohnes Statt“ verspielt hatten (Röm 8:23). Er zog ihnen in Gottes Auftrag „die Ringe vom Finger“, die ihren eheähnlichen Bund mit Jesus darstellten. Durch seine Tätigkeit wurde bewiesen, dass sie keine wahren Christen waren.

„Weiter kam er in ein Zimmer, darin stand eine schöne Jungfrau“, die anstelle der ‚verwünschten Prinzen’ nun die Braut Christi werden sollte (Wasser 2:3). Paulus sprach bereits von dieser Klasse, die er ‚als eine keusche Jungfrau dem Christus darstellen’ wollte (2. Kor. 11:2). In dem Buch Gottes tausendjähriges Königreich hat sich genaht heißt es, „die als ‚keusche Jungfrau’ bezeichnete Klasse [begann] im Jahre 1874, dem himmlischen Bräutigam entgegenzugehen“ (S. 187).

Der Mitternachtsruf

Diese Zeitangabe wird durch die Prophezeiung vom Wasser des Lebens gestützt, denn sie sagt über Charles Taze Russell: „Als er erwachte, schlug es drei Viertel auf zwölf“ (Wasser 2:5). Gemäß der Encyclopaedia Wikipedia erlangte Russell viele seiner grundlegenden Erkenntnisse zwischen 1870 und 1875, als er mit Bekannten die Bibel studierte. In diese Zeit fällt das Jahr 1873, in dem Nelson H. Barbour die Zeitschrift The Midnight Cry („Der Mitternachtsruf“) veröffentlichte, um anzuzeigen, dass es „drei Viertel auf zwölf“ geschlagen hatte.

Die Zeitschrift wurde später in Herald of the Morning umbenannt, und Russell beteiligte sich von 1876 bis 1879 an der Herausgabe. Doch dann „sprang er ganz erschrocken auf … und eilte, daß er fortkam“, nachdem er festgestellt hatte, dass Nelson H. Barbour seine Lieblingslehre nicht unterstützte (Wasser 2:6). Schließlich „schlugs zwölf“; das geschah im Jahr 1914, als die „sieben Zeiten“ zu Ende gingen und somit die Zeit für die alte Welt abgelaufen war (Wasser 2:7).

Charles Taze Russell starb kurz darauf, aber er „war froh daß er das Wasser des Lebens erlangt hatte“ und „gieng heimwärts“ in den Himmel (Wasser 2:7). Seine Rolle auf der Erde übernahm nun Joseph F. Rutherford, doch dieser erklärte, image„daß obgleich Pastor Russell jenseits des Vorhanges eingegangen ist, er noch jeden Teil der Erntearbeit leitet“ (Das vollendete Geheimnis, S. 186).

Nun sagte jemand zu Rutherford: „Mit dem Schwert kannst du ganze Heere schlagen, das Brot aber wird niemals all“ (Wasser 2:9). Ja, mit dem „Schwert des Geistes“ konnten die Bibelforscher „ganze Heere“ von Geistlichen „schlagen“. Ihr „Brot“ – die von ihnen ausgeteilte geistige Speise – „wird niemals all“, d. h. sie geht nie aus. Es gibt immer genügend Schriften zum Studieren.

Einsammlung der „Brüder“

Der Prinz sprach nun zu einem Passanten: „Kannst du mir nicht sagen, wo meine zwei Brüder sind?“ (Wasser 3:1). Ebenso machten sich auch die Bibelforscher unter der Leitung von J. F. Rutherford auf die Suche nach ihren Brüdern. So heißt es in dem Buch Die Offenbarung – Ihr großartiger Höhepunkt ist nahe: „Von 1919 an … kamen einige von der neuzeitlichen Synagoge des Satans, der Christenheit, zum gesalbten Überrest, bereuten und ‘beugten sich nieder’, indem sie die Autorität des Sklaven anerkannten. In Gemeinschaft mit den älteren Gliedern der Johannes-Klasse dienten auch sie Jehova. So wurde die Vollzahl der gesalbten Brüder Jesu eingesammelt“ (S. 63).

Bereitwillig teilte J. F. Rutherford seine Erkenntnisse mit seinen Glaubensbrüdern; er „erzählte ihnen wie es ihm ergangen wäre, daß er das Wasser des Lebens gefunden … hatte“ (Wasser 3:2). Er gab tatsächlich eine große Menge Bücher und andere Schriften heraus, darunter Millionen jetzt lebender Menschen werden nie sterben, Schöpfung oder Religion.

Rutherford glaubte, kurz nach der Einsammlung seiner Brüder – die im Jahre 1935 zu Ende gewesen sein soll – in den Himmel zu kommen und dort als König zu regieren. Doch statt dessen gerieten er und seine Brüder „in ein Land, wo Hunger und Krieg war, und der König glaubte schon er müßte verderben, so groß war die Noth“ (Wasser 3:4). Statt Harmagedon kam „Hunger und Krieg“, wie auch von Jesus vorhergesagt worden war: „Nation wird sich gegen Nation erheben und Königreich gegen Königreich, und es wird Lebensmittelknappheit … geben“ (Mat. 24:7).

Der „König“ dieses Landes steht für die Menschheit, die damals große Not leiden musste. Inzwischen herrscht zwar in den meisten Ländern kein buchstäblicher Hunger mehr, aber dafür „herrscht zweifellos ein geistiger Hunger in der ganzen Welt“, wie in der Zeitschrift Erwachet! vom 1. April 1970 gesagt wurde (S. 221).

Das Werk Überleben – und dann eine neue Erde sagt dazu: „Einer der Hauptgründe für die Probleme der Menschheit ist eine geistige Hungersnot. Weil die Menschen Jehova verlassen haben, begünstigt er sie nicht mit einem Verständnis seines Wortes. … Geistig hungernde Menschen suchen verzweifelt nach Antworten. … Wahnsinnig vor geistigem Hunger, schaden solche Menschen oft sich selbst und anderen, während sie unmoralische oder kriminelle Dinge treiben“ (S. 79).

Leben retten in einer Zeit des Hungers

Glücklicherweise konnten Jehovas Zeugen, wie die Bibelforscher inzwischen genannt wurden, diesem geistigen Hunger abhelfen: „Da gieng der Prinz zu ihm und gab ihm das Brot, womit er sein ganzes Reich speiste und sättigte, und dann gab ihm der Prinz auch das Schwert“ (Wasser 3:5). Rutherford, seine Anhänger und seine Nachfolger haben „Milliarden von Bibeln [„das Schwert“] und Büchern, Broschüren und Zeitschriften [„das Brot“] verbreitet“, wie in Unserem Königreichsdienst vom März 2004 festgestellt wurde (S. 4).

Die Zahl drei „bedeutet Nachdruck sowie Eindringlichkeit“, heißt es in dem Buch Die Offenbarung – Ihr großartiger Höhepunkt ist nahe (S. 19). Daher kamen der Prinz und seine Brüder „noch in zwei Länder, wo Hunger und Krieg herrschten, und da gab der Prinz den Königen jedesmal sein Brot und Schwert. … Danach setzten sie sich auf ein Schiff, und fuhren übers Meer“ (Wasser 3:7, 8). Ja, die Tätigkeit der Zeugen Jehovas ist kein begrenzter Einsatz, sondern „ein weltumspannendes Werk“ (Unser Königreichsdienst, Februar 2003, S. 7). „Rund um die Erde beteiligen sich über sechs Millionen Zeugen Jehovas daran, anderen kostenlos ‚Wasser des Lebens’ zu bringen“ (Der Wachtturm, 1. August 2003, S.20). Überall versorgen sie die Menschen mit geistiger Speise und dem „Schwert des Geistes“ (Eph. 6:17).

Wie im Wachtturm vom 1. Januar 1976 gesagt wird, gab es immer wieder „Anfeindungen seitens der ‚unkrautgleichen’ Klasse der Geistlichkeit der Christenheit“ (S. 7). Doch den „beiden ältesten“ – den Geistlichen, deren Kirchen die ältesten sind – blieb nichts anderes übrig, als anzuerkennen: „Der jüngste [Russell, dessen Religion viel jünger ist als ihre] hat das Wasser des Lebens gefunden und wir nicht, dafür wird ihm unser Vater das Reich geben, das uns gebührt, und er wird unser Glück wegnehmen“ (Wasser 3:9).

Das wird wirklich geschehen; „die Kirchen der Christenheit und ihre Geistlichkeit werden plötzlich in die Vernichtung gestürzt werden“ (Der Wachtturm, 15. Juli 1974, S. 428). Doch nicht nur die Geistlichen bereiten dem „Königssohn“ – den gesalbten Dienern Gottes – Schwierigkeiten, sondern auch Abtrünnige. Diese „wurden … rachsüchtig und verabredeten mit einander daß sie ihn verderben wollten. … Da gossen sie das Wasser des Lebens aus dem Becher“ und gossen statt dessen „bitteres Meerwasser hinein“ (Wasser 4:1). Einige Abtrünnige geben ebenfalls Broschüren und Zeitschriften heraus, die in Aufmachung und Inhalt an die Publikationen der echten Zeugen Jehovas erinnern. Doch sie enthalten kein „Wasser des Lebens“, sondern „bitteres Meerwasser“. Über jemanden, der ihre Schriften las, sagt die Prophezeiung: „Kaum aber hatte er ein wenig von dem bitteren Meerwasser getrunken, so ward er noch kränker als zuvor“ (Wasser 4:2).

image

Der König – Jesus Christus – ließ „das Urtheil über ihn [einen Abtrünnigen] sprechen daß er heimlich sollte erschossen werden“ (Wasser 4:4). Tatsächlich sagen schon heute viele Zeugen Jehovas zu Abtrünnigen: „Ich soll[te] euch todtschießen“ (Wasser 4:5). Doch der Wachtturm vom
15. Januar 1953 musste seine Leser ermahnen: „Da uns durch die Gesetze der weltlichen Nationen, … Schranken auferlegt sind, können wir nur bis zu einem gewissen Grade gegen Abgefallene Schritte unternehmen. … Das Gesetz des Landes und das Gesetz Gottes durch Christus Jesus verbietet uns, Abgefallene zu töten, auch wenn sie Glieder unserer eigenen Blutsverwandtschaft sind.“ Aber Harmagedon ist greifbar nahe, und spätestens dann werden „Abtrünnige auf der ganzen Erde vernichtet werden“, wie in Unserem Königreichsdienst vom September 1973 angekündigt wurde (S. 6).

„Dies ist der Weg“

Die Prophezeiung sagt weiter: „Die Königstochter aber ließ eine Straße vor ihrem Schloß machen, die war ganz golden und glänzend“ (Wasser 4:8). Tatsächlich beenden viele der gesalbten Zeugen Jehovas ihren irdischen Lauf und kommen in den Himmel, wo sie ein Teil des ‚Neuen Jerusalem’ werden, das „wie eine für ihren Mann geschmückte Braut“ aussieht (Off. 21:2). Genau wie in der Prophezeiung ist „die breite Straße der Stadt … lauteres Gold, wie durchsichtiges Glas“ (Off. 21:21).

Aber nur, „wer darauf geradeswegs zu ihr geritten käme, das wäre der rechte und den sollten sie einlassen“ (Wasser 4:9). Daher sagen die gesalbten Zeugen Jehovas immer wieder zueinander und zu ihren Anhängern: „Dies ist der Weg, ihn woll’n wir gehn“ (Singt Jehova Loblieder, Lied 42). Auch Anhänger der Christenheit versuchten, Zutritt zum neuen Jerusalem zu erlangen; dies wird durch einen Reiter dargestellt, der „ritt links nebenher. Wie er aber vor das Thor kam, sagten die Leute er wäre der rechte nicht, er sollte wieder fortgehen“ (Wasser 5:1). Wie vorhergesagt, wird Jesus solchen Personen „dann bekennen: Ich habe euch nie gekannt! Weicht von mir, ihr Täter der Gesetzlosigkeit“ (Mat. 7.23).

Wenn alle 144 000 Gesalbten im ‚Neuen Jerusalem’ versammelt sein werden, wird auch Jesus, der „Bräutigam“, dort erscheinen (Mar. 2:19). „Als er vor das Thor kam, ward es aufgethan, und die Königstochter empfieng ihn mit Freuden und sagte er wär ihr Erlöser und der Herr des Königreichs, und ward die Hochzeit gehalten mit großer Glückseligkeit“ (Wasser 5:2). Die „Hochzeit des Lammes“ wurde gehalten, und ‚alle Vögel’ wurden „zum großen Abendessen Gottes“ versammelt (Off 19:9, 17). Die Geistlichen der Christenheit und die Abtrünnigen aber „waren fortgeschifft und kamen ihr Lebtag nicht wieder“, sondern wurden zusammen mit den den anderen „von Jehova Erschlagenen … zu Dünger auf der Oberfläche des Erdbodens“ (Jer. 25:33).


[1] Soweit nicht anders vermerkt, sind die Zitate in diesem Artikel aus Kinder- und Hausmärchen, Große Ausgabe, Band 2, 7. Auflage 1857 entnommen.

Dornröschen wieder erwacht!

Nachdruck aus Erbrechet!, Januar 2009

Die Prophezeiung der Gebrüder Grimm enthält tiefe Wahrheiten, die Diener Gottes noch heute mit Ehrfurcht erfüllen. Sie hilft uns, unseren Glauben an Gott lebendig zu erhalten, vergangene Weltereignisse zu verstehen und eine Vorschau auf die Zukunft zu erlangen. In diesem Artikel werden wir die wunderbaren Ereignisse betrachten, die im Buch Dornröschen beschrieben sind.

Die Prophezeiung beginnt mit den Worten: „Vor Zeiten war ein König und eine Königin, die sprachen jeden Tag ‚ach, wenn wir doch ein Kind hätten!’ und kriegten immer keins. Da trug sich zu, als die Königin einmal im Bade saß, daß ein Frosch aus dem Wasser ans Land kroch und zu ihr sprach, ‚dein Wunsch wird erfüllt werden’“ (Dornröschen 1:1, 2).[1]

Wir müssen im Sinn behalten, dass alles in symbolischer Sprache verfasst wurde. Jesus sagte, Christen müssen „aus Wasser und Geist geboren“ werden; der „König“ steht daher für das „Wasser“ der Taufe und die „Königin“ für den heiligen „Geist“ (Joh. 3:5). Dass „die Königin … im Bade [also im Wasser] saß“, deutet auf die Vereinigung der beiden hin. Diese sollte schließlich zur Geburt ihres Kindes – zur Wiedergeburt von Christen – führen.

imageWer ist der „Frosch“, der der Königin die Geburt des Kindes ankündigte? Der Apostel Johannes beschrieb einmal „inspirierte Äußerungen, die aussahen wie Frösche“ (Off. 16:13). Der „Frosch“ stellt somit die Äußerungen Jesu und seiner Jünger dar, die die Wiedergeburt von Christen ankündigten. Und „was der Frosch gesagt hatte, das geschah“ (Dornröschen 1:3). Ja, vom Jahr 33 an wurden Jesu Jünger „aus Wasser und Geist [wieder]geboren“ und mit heiligem Geist gesalbt (Joh. 3:5; Apg. 2:4).

Die weisen Frauen

Das Königspaar veranstaltete „ein großes Fest“ und lud „auch die weisen Frauen dazu ein, damit sie dem Kind hold und gewogen wären. Es waren ihrer dreizehn in seinem Reiche“, doch „musste eine von ihnen daheim bleiben“ (Dornröschen 1:4, 5). Wer sind die „weisen Frauen“? Einmal sagte eine Frau zu König David, er sei „an Weisheit dem Engel des wahren Gottes gleich“ (2. Sam. 14:20). Somit stellen die zwölf „weisen Frauen“, die zum Fest eingeladen waren, Gottes Engel dar.

Als das Fest „zu Ende war, beschenkten die weisen Frauen das Kind mit ihren Wundergaben: die eine mit Tugend, die andere mit Schönheit, die dritte mit Reichthum, und so mit allem, was auf der Welt zu wünschen ist“ (Dornröschen 1:6). Die Engel halfen Gottes Dienern bei der Aufzeichnung der Bibel, so dass Christen über eine Fülle von Anleitung verfügen, um in geistiger Hinsicht tugendhaft, schön und reich zu werden.

Doch dann passierte etwas Unerwartetes: „Als elfe ihre Sprüche eben gethan hatten, trat plötzlich die dreizehnte herein. Sie wollte sich dafür rächen daß sie nicht eingeladen war“ (Dornröschen 2:1). Es gab ja noch eine dreizehnte ‚weise Frau’, die nicht zum Fest eingeladen war. Die stellt einen weiteren Engel Gottes dar, nämlich Satan, den Teufel.

Noch zur Zeit Hiobs war auch er eingeladen gewesen, wenn „die Söhne des wahren Gottes hineingingen, um sich vor Jehova zu stellen“ (Hiob 1:6). Doch später, als die Bibel geschrieben wurde, durfte er nicht mitarbeiten. Was war der Grund dafür? War er abtrünnig geworden, wie die Geistlichkeit der Christenheit behauptet? Nein; die Prophezeiung der Gebrüder Grimm offenbart den wahren Grund, warum Satan nicht eingeladen wurde: „Weil er [der König] aber nur zwölf goldene Teller hatte, von welchen sie essen sollten“ (Dornröschen 1:5). Es war einfach der Mangel an geeignetem Geschirr, der dazu führte, dass Satan nicht mehr mit den anderen Engeln zusammenarbeiten durfte.

Der Teufel war beleidigt. Die Prophezeiung sagt über die Frau, die ihn darstellt, weiter: „Ohne jemand zu grüßen oder nur anzusehen, rief sie mit lauter Stimme ‚die Königstochter soll sich in ihrem funfzehnten Jahr an einer Spindel stechen und todt hinfallen.’ Und ohne ein Wort weiter zu sprechen kehrte sie sich um und verließ den Saal“ (Dornröschen 2:2). Satan wollte nicht, dass das Christentum Bestand hat, daher sollte es, wenn es eine gewisse Reife erlangt hatte, „stechen und todt hinfallen“.

Die treuen Engel waren zwar in der Mehrzahl, doch sie sind nicht allmächtig (Dan. 10:13). Daher konnten sie „den bösen Spruch nicht aufheben, sondern nur ihn mildern“ (Dornröschen 2:3). So bestimmten sie: „Es soll aber kein Tod sein, sondern ein hundertjähriger tiefer Schlaf“ (Dornröschen 2:4). Das wahre Christentum sollte also nicht ganz beseitigt werden, aber für eine lange Zeit verschwinden.

Der König aus der Prophezeiung „ließ den Befehl ausgehen, daß alle Spindeln im ganzen Königreiche sollten verbrannt werden“ (Dornröschen 2:5). Um Diener Gottes davor zu behüten, versehentlich vom Glauben abzufallen, wurden viele Gesetze erlassen (Mat. 5:28; 2. Mose 20:1-17). Diese wären nicht unbedingt notwendig, genauso wenig wie Spindeln an sich eine Gefahr darstellten. Es war lediglich eine Vorsichtsmaßnahme.

Das vorläufige Ende

Doch „es geschah, daß an dem Tage, wo es gerade funfzehn Jahr alt ward, der König und die Königin nicht zu Haus waren. … Das Mädchen … kam endlich auch an einen alten Thurm“ (Dornröschen 2:6). Dort traf sie ein „altes Mütterchen“, das sagte: „Ich spinne“ (Dornröschen 2:7). Schließlich nahm „das Mädchen … die Spindel und wollte auch spinnen“ (Dornröschen 2:8).

Das erfüllte sich im Jahr 98 u. Z., als der Apostel Johannes – als einer der letzten wahren Christen seiner Zeit – in der Verbannung auf der Insel Patmos war, fernab von Jerusalem, wo „der König und die Königin“ wirkten. Gefangene wurden damals oft in Türmen festgehalten; dass Dornröschen „an einen alten Thurm“ kam, weist darauf hin, dass auch Johannes auf der Insel in Gefangenschaft war. Dort war er wahrscheinlich von vielen Geistesgestörten umgeben, und schließlich wollte er „auch spinnen“. Wahrscheinlich unter dem Einfluss von Alkohol oder Drogen hatte er wirre Visionen, die er in einem Buch aufschrieb, das heute als „Offenbarung“ bezeichnet wird (vgl. Off. 4:2).

Doch Dornröschen stach sich „in den Finger. In dem Augenblick aber, wo sie den Stich empfand, fiel sie auf das Bett nieder, das da stand, und lag in einem tiefen Schlaf. Und dieser Schlaf verbreitete sich“ (Dornröschen 2:9; 3:1). Ja, nach Johannes’ Tod verschwand das wahre Christentum von der Weltbühne, und das Predigtwerk kam zum Erliegen. Stattdessen „begann eine Dornenhecke zu wachsen, die jedes Jahr höher ward, und endlich das ganze Schloß umzog, und darüber hinaus wuchs, daß gar nichts mehr davon zu sehen war“ (Dornröschen 3:5).

Diese Entwicklung wurde auch im Wachtturm vom 1. Mai 1998 beschrieben: „Nach dem Tod der Apostel wurde das Israel Gottes vom Unkraut der abtrünnigen Christenheit überwuchert“ (Seite 14). Schließlich war von der kostbaren biblischen Wahrheit „gar nichts mehr … zu sehen“. Die Gebrüder Grimm berichten zwar, „daß von Zeit zu Zeit Königssöhne kamen und durch die Hecke in das Schloß dringen wollten“, doch alle diese „starben eines jämmerlichen Todes“ (Dornröschen 3:7). Dabei handelte es sich um aufrichtige Erforscher der Bibel, die hin und wieder gegen die falschen Lehren der abtrünnigen Kirche aufstanden. Doch durch die Inquisition und andere kirchliche Maßnahmen starben die meisten von diesen „eines jämmerlichen Todes“ auf dem Scheiterhaufen oder anderswo.

Das Ende des Schlafs

Die Prophezeiung sagt weiter: „Nach langen langen Jahren kam wieder einmal ein Königssohn in das Land“ und sprach „ich fürchte mich nicht, ich will hinaus und das schöne Dornröschen sehen“ (Dornröschen 4:1). Der „Königssohn“ war Jesus Christus; er war „für eine geraume Zeit außer Landes“ gereist (Luk. 20:9). Doch in dem Werk Gottes tausendjähriges Königreich hat sich genaht heißt es: „Der Redakteur und Herausgeber der Zeitschrift … (Zions Wacht-Turm und Verkünder der Gegenwart Christi) errechnete allerdings, daß die ‚Gegenwart’ oder Parusie des himmlischen Bräutigams mit dem Jahr 1874 u. Z. begonnen habe“ (Seite 207).

Das Jahr 1874 kennzeichnete also die Zeit, da „wieder einmal ein Königssohn in das Land“ kam. „Der Tag war gekommen, wo Dornröschen wieder erwachen sollte“ (Dornröschen 4:5). Ja, kurz nach 1874 – im Jahr 1876 – erhielt Charles Taze Russell ein Exemplar der Zeitschrift Herald of the Morning, die sein Interesse an den biblischen Zeitprophezeiungen weckte und dazu führte, dass er im Jahr 1879 begann, den Wachtturm herauszugeben.

imageÜber den Königssohn, der Jesus darstellt, wird weiter gesagt: „Endlich kam er zu dem Thurm“ (Dornröschen 4:7). Ja, endlich fand Jesus den Wachtturm, durch den das wahre Christentum wiederbelebt werden sollte. In seinen Augen war Charles Taze Russell „so schön, daß er die Augen nicht abwenden konnte, und er bückte sich und gab ihm einen Kuß“ (Dornröschen 4:8).

Schließlich „schlug Dornröschen die Augen auf, erwachte“ (Dornröschen 5:1). Nun gab es wieder wahre Christen auf der Erde, die zuerst selbst erwachten und später mit Hilfe der Zeitschrift Erwachet! auch andere aufweckten. Auch „der König erwachte und die Königin“ (Dornröschen 5:2). Das erfüllte sich, als wieder Menschen im Wasser getauft und „mit heiligem Geist erfüllt“ wurden (Apg. 2:4).

Auswirkungen

Die Prophezeiung beschreibt noch weitere Auswirkungen: „Die Pferde im Hof standen auf und rüttelten sich“ (Dornröschen 5:3). Pferde stehen als Symbol für die Autos, mit denen die Verkündiger seitdem in den Predigtdienst fahren. Sie sind unermüdlich im Einsatz, um die kostbaren Wahrheiten zu den Menschen zu bringen. Auch „die Jagdhunde sprangen und wedelten“, weil die Bibelforscher wieder Jagd auf leichtgläubige Menschen machten, denen sie damals sogar noch einen Regierungsposten im Himmel versprachen (Dornröschen 5:3).

Außerdem wird gesagt: „Die Tauben … flogen ins Feld“ (Dornröschen 5:4). In Übereinstimmung damit heißt es im Jahrbuch der Zeugen Jehovas 1972: „Immer mehr Pioniere und Sonderpioniere waren im Felddienst tätig“ (Seite 138). Die „Tauben“ sind die vielen Pioniere, die für vernünftige Argumente, die ihnen die Sinnlosigkeit ihres Werks vor Augen führen müssten, taub sind.

Was passierte noch, seitdem Jehovas Zeugen das wahre Christentum wiederbelebt haben? „Der Koch gab dem Jungen eine Ohrfeige daß er schrie“ (Dornröschen 5:5). Der „Koch“ ist der „treue und verständige Sklave“, der geistige „Speise zur rechten Zeit“ austeilt (Mat. 24:45). Hin und wieder ‚schlägt’ er seine Anhänger, indem er hart durchgreift, um seine Machtposition zu festigen (Mat. 24:49).

Außerdem wird gesagt: „Die Magd rupfte das Huhn“ (Dornröschen 5:5). Die „Magd“ ist „Gottes mit einer Frau vergleichbare Organisation“ (Die Offenbarung – Ihr großartiger Höhepunkt ist nahe!, Seite 11). Sie ‚rupft’ ihre Anhänger, indem sie deren ganze Zeit und Kraft in Anspruch nimmt.

Weitere Aussichten

Schließlich „wurde die Hochzeit des Königssohns mit dem Dornröschen in aller Pracht gefeiert“  (Dornröschen 5:6). Die Bibel beschreibt das gleiche Ereignis mit den Worten: „Die Hochzeit des Lammes ist gekommen, und seine Frau hat sich bereit gemacht“ (Off. 19:7). In Verbindung mit dieser Hochzeit wird ein „Abendessen“ stattfinden, zu dem ‚alle Vögel’ eingeladen sind (Off. 19:17).

Der genaue Zeitpunkt der Hochzeit wird in den Schriften nicht genannt, doch es muss sich zweifellos kurz nach 1879 zugetragen haben. Das Paar – der „Königssohn“ Jesus Christus und „Dornröschen“, die „Frau des Lammes“, die gesalbten Zeugen Jehovas – werden jedoch nicht für immer und ewig zusammen sein. Die Prophezeiung sagt: „Sie lebten vergnügt bis an ihr Ende“ (Dornröschen 5:7).

Gemäß der Bibel sprechen wahre Diener Gottes: „Dieser Gott ist unser Gott auf unabsehbare Zeit, ja für immer. Er selbst wird uns leiten, bis wir sterben“ (Ps. 48:18). Daher sagte auch ein Engel über die Zeit, in der sich das Buch Dornröschen erfüllt: „Glücklich sind die Toten, die von dieser Zeit an in Gemeinschaft mit dem Herrn sterben“ (Off. 14:13).

Jehovas Zeugen werden die Erde also nicht für immer mit ihren Schriften traktieren. „Ihr Ende“ steht nahe bevor. Jesus sagte, ihre Botschaft „wird auf der ganzen bewohnten Erde gepredigt werden, … und dann wird das Ende [für sie] kommen“ (Mat. 24:14). Sind das nicht großartige Aussichten?


[1] Soweit nicht anders vermerkt, sind die Zitate in diesem Artikel aus Kinder- und Hausmärchen, Große Ausgabe, Band 1, 7. Auflage 1857 entnommen.

Die „sieben Zwerge“ zur Wahrheit führen

Nachdruck aus Erbrechet!, Juli 2012

„Morgens giengen sie in die Berge, und suchten Erz und Gold“ (Schneewittchen 4:12)

Wie in der Zeitschrift Erbrechet! regelmäßig gezeigt wird, enthält die Prophezeiung der Gebrüder Grimm wirklich Licht für alle heute lebenden Menschen (Spr. 4:18). Welterschütternde Ereignisse wurden darin vorhergesagt und haben sich bereits vor unseren Augen erfüllt; so können wir davon überzeugt sein, dass sich auch alle anderen Verheißungen Jehovas bewahrheiten werden. In diesem Artikel werden wir die wunderbare Prophezeiung von Schneewittchen und den sieben Zwergen behandeln.[1]

Das Buch Schneewittchen beginnt mit den Worten: „Es war einmal mitten im Winter, da saß eine Königin an einem Fenster“ (Schneewittchen 1:1). Der Winter ist die dunkelste Jahreszeit und stellt das sogenannte „finstere Mittelalter“ dar. Da Jehova „König auf unabsehbare Zeit“ ist, steht die „Königin“ für „die himmlische mit einer Frau vergleichbare Organisation Jehovas“ (Ps. 10:16).[2]

Das „Töchterlein“

Die Bibel berichtet über sie: „Sie war schwanger, und sie schreit in ihren Wehen und Geburtsschmerzen“ (Off. 12:2). Die Prophezeiung fährt an dieser Stelle fort: „Bald darauf bekam sie ein Töchterlein, das war so weiß wie Schnee, so roth wie Blut, … und wurde darum das Sneewittchen (Schneeweißchen) genannt“ (Schneewittchen 1:3).

Dass das Kind „so weiß wie Schnee, so roth wie Blut“ war, erinnert an die Glieder der „großen Volksmenge“, denn diese „haben ihre langen Gewänder gewaschen und sie im Blut des Lammes weiß gemacht“ (Off. 7:9, 14). Ja, das Kind steht für die Bibelforscher, wie Jehovas Zeugen damals genannt wurden. Die himmlische Organisation brachte gegen Ende des 19. Jahrhunderts diese treue Gruppe von Männern und Frauen hervor.

Eine andere „Frau“

Die Prophezeiung fährt fort: „Ueber ein Jahr nahm sich der König eine andere Gemahlin. Es war eine schöne Frau, aber sie war stolz und übermüthig“ (Schneewittchen 2:1). Hier müssen wir berücksichtigen, dass die Prophezeiung „in Zeichen“ geschrieben wurde, denn natürlich nahm sich der „König“, Jehova, keine andere Organisation als „Frau“ (Off. 1:1). Vielmehr behauptete die „andere Gemahlin“ selbst von sich, in der Gunst Jehovas zu stehen, denn es handelt sich um „Babylon die Große“, das Weltreich der falschen Religion (Off. 17:5).[3] Auch in der Bibel wird diese Organisation als schöne, aber stolze Frau dargestellt, die „in schamlosem Luxus“ lebt (Off. 18:7). „In ihrem Herzen sagt sie beständig: ‚Ich sitze als Königin’“ (Off. 18:7).

Doch „Sneewittchen“ – das die Bibelforscher um C. T. Russell dargestellt – „wuchs heran, und wurde immer schöner“ (Schneewittchen 2:4). Diese eifrigen Christen studierten fleißig die Bibel und nahmen sowohl an Verständnis als auch an Zahl zu. „Als es sieben Jahr alt war, war es so schön, wie der klare Tag, und schöner als die Königin“ (Schneewittchen 2:5). Zu dieser Zeit hatten die Bibelforscher die meisten falschen Lehren abgelegt, und man konnte nun deutlich erkennen, dass sie „schöner“ waren als die Christenheit, die weiterhin an babylonischen Überlieferungen festhielt.

Strahlende Schönheit

Es war soweit, als Schneewittchen „sieben Jahr alt war“. Gemäß der biblischen Regel „fünf … für jeden einzelnen“ vergingen also 35 Jahre seit der „Geburt“ der Schneewittchen-Klasse im Jahre 1879, als der erste Wachtturm erschien (4. Mose 3:47). Zu dieser Zeit sagte Jehova im übertragenen Sinne zur Geistlichkeit der Christenheit: „Sneewittchen ist tausendmal schöner als ihr“ (Schneewittchen 2:7). Das zog den heftigen Hass der „Königin“ auf die Bibelforscher: „Die Königin … ward gelb und grün vor Neid. Von Stund an, wenn sie Sneewittchen erblickte, kehrte sich ihr das Herz im Leibe herum, so haßte sie das Mädchen. Und der Neid und Hochmuth wuchsen, und wurden so groß in ihr, daß sie Tag und Nacht keine Ruhe mehr hatte“ (Schneewittchen 2:9, 10).

Die Prophezeiung sagt weiter über die Königin: „Da rief sie einen Jäger, und sprach ‚bring das Kind hinaus in den Wald, ich wills nicht mehr vor meinen Augen sehen. Dort sollst dus tödten’“  (Schneewittchen 3:1). Die Geistlichen der Christenheit schäumten vor Wut über das Gelingen der Bibelforscher. Sie begannen, Regierungen – durch den „Jäger“ dargestellt – gegen diese treuen Christen aufzuhetzen. Doch zu diesem Zeitpunkt „hatte der Jäger Mitleiden“ und ging noch nicht gegen die Bibelforscher vor.

Vielmehr wird in der Prophezeiung über Schneewittchen gesagt: „Da fieng es an zu laufen, und lief über die spitzen Steine und durch die Dornen, und die wilden Tiere sprangen an ihm vorbei, aber sie thaten ihm nichts“ (Schneewittchen 3:4). Die damaligen Bibelforscher waren wirklich Nachfolger Jesu Christi, der zu ihnen gesagt hatte: „Ich habe euch die Gewalt gegeben, auf Schlangen und Skorpione zu treten …, und nichts wird euch irgendwie schaden“ (Luk. 10:19). Auch in den Kriegsjahren von 1914 bis 1918 vernachlässigten sie ihren christlichen Auftrag nicht, denn Schneewittchen „lief so lange nur die Füße noch fort konnten, bis es bald Abend werden wollte, da sah es ein kleines Häuschen, und gieng hinein“ (Schneewittchen 3:8). Trotz Widrigkeiten führten die treuen Bibelforscher eifrig den Haus-zu-Haus-Dienst durch.

Eifriger Predigtdienst

Die Prophezeiung fährt fort: „Die Herren von dem Häuslein, das waren sieben Zwerge, die in den Bergen nach Erz hackten und gruben“ (Schneewittchen 4:1). Die Zahl sieben zeigt, dass es sich um Katholiken handelte, denn als solche folgten sie dem Papst in Rom, das auf sieben Hügeln erbaut worden war. Sie werden als „Zwerge“ bezeichnet; offensichtlich gehörten sie zu den „Kleingläubigen“, von denen Jesus sprach (Luk. 12:28). Doch wie die Apostel, die Jesus baten: „Gib uns mehr Glauben“, so „hackten und gruben“ auch diese Menschen nach kostbaren Wahrheiten. Sie beherzigten den Rat Salomos, dass man nach der biblischen Wahrheit „fortwährend wie nach Silber“ suchen muss.

imageDie Bibelforscher zeigten den zwerggleichen Katholiken, wo wahre Weisheit zu finden ist: „Sie zündeten … sieben Lichtlein an“ (Schneewittchen 4:3). Die „sieben Lichtlein“ stehen ohne Zweifel für die sieben Bände der Schriftstudien, die ab 1917 zur Verfügung standen.[4] Bei einem Heimbibelstudium lernten die Glieder der Zwerg-Klasse Jehova kennen. „’Mein Gott!’ riefen sie“ (Schneewittchen 4:9). Ja, sie wandten sich von ihren wertlosen Götzenbildern ab und riefen gleichsam aus: „Jehova ist der wahre Gott! Jehova ist der wahre Gott!“ (1. Kön. 18:39).

Die Bibelforscher kümmerten sich weiterhin um ihre „Schafe“: „Sneewittchen … blieb bei ihnen. Es hielt ordentlich Haus“ (Schneewittchen 4:10). Die Schneewittchen-Klasse kümmerte sich um den „Haushalt des Glaubens“, der – wie Zion’s Watch Tower vom November 1881 sagte – aus „der großen Menge der Gläubigen“ besteht (Seite 5, zitiert nach Gottes tausendjähriges Königreich hat sich genaht, Seite 345). Doch „jeder wird seine eigene Last tragen“, daher mussten auch die „Zwerge“ ihren Teil tun: „Morgens giengen sie in die Berge, und suchten Erz und Gold“ (Schneewittchen 4:12). Schon früh am Morgen begannen die neuen Brüder, „Erz und Gold“ zu suchen, indem sie den Tagestext aus der Broschüre Täglich Manna betrachteten.

Ein gemeiner Anschlag

Schließlich merkte die Geistlichkeit der Christenheit – die ‚neue Königin’ – dass „Sneewittchen noch am Leben war“ (Schneewittchen 5:1). Sie verstärkten ihre Bemühungen, „Schneewittchen“ zu töten, und „so fiel es todt zur Erde nieder. Da betrachtete es die Königin mit grausigen Blicken, und lachte überlaut“ (Schneewittchen 5:4). Wir erkennen eine deutliche Parallele zu den „zwei Zeugen“, von denen in der Offenbarung gesagt wird: „Wenn sie ihr Zeugnisgeben beendet haben, wird das wilde Tier … sie töten. Und ihre Leichname werden auf der breiten Straße der großen Stadt liegen. … Und die, die auf der Erde wohnen, freuen sich über sie und sind froh, und sie werden einander Gaben senden“ (Off. 11:7-10).

Ja, die Geistlichkeit „lachte überlaut“, als „das wilde Tier“, die Angloamerikanische Weltmacht, die Schneewittchen-Klasse zum Schweigen brachte. Das Buch Jehovas Zeugen – Verkündiger des Königreiches Gottes sagt über diese Begebenheit: „Im Frühling des Jahres 1918 machten sich die religiösen Feinde der zwei Zeugen diese Situation [die Kriegswirren] zunutze. Es gelang ihnen, die staatliche Gerichtsbarkeit so weit zu beeinflussen, daß einige verantwortliche Prediger der Bibelforscher … staatsfeindlicher Umtriebe angeklagt wurden und ins Gefängnis kamen“ (Seite 167).

Die Zwerge ließen für Schneewittchen „einen durchsichtigen Sarg von Glas machen, daß man es von allen Seiten sehen konnte“ (Schneewittchen 5:6). Dadurch wird ein weiteres Mal bestätigt, dass „Schneewittchen“ und die „zwei Zeugen“ dieselbe Personengruppe darstellen, denn auch über die „zwei Zeugen“ sagt Gottes Wort: „Ihre Feinde sahen sie“ (Off 11:12).

Göttlicher Segen

Die Freude der Geistlichkeit, der „Königin“, war nur von kurzer Dauer. „Es geschah aber, daß ein Königssohn in den Wald gerieth, und zu dem Zwergenhaus kam“ (Schneewittchen 6:1). Dazu erklärt der Wachtturm vom 1. Februar 1985: „Die biblische Chronologie und deren Übereinstimmung mit Ereignissen in der Neuzeit zeigen an, daß der königliche Bräutigam im Frühjahr 1918 zum geistigen Tempel kam“ (Seite 17). Von Anfang 1918 an weilte der „Königssohn“, Jesus Christus, auf der Erde, um die verschiedenen christlichen Gruppierungen zu überprüfen.

Im März 1919 hatte er schließlich die Bibelforscher bemerkt: „Er sah auf dem Berg den Sarg und das schöne Sneewittchen darin“ (Schneewittchen 6:2). Wie Lazarus und andere Menschen im 1. Jahrhundert, so erweckte Jesus auch „Schneewittchen“ wieder zum Leben, ja, „es ward wieder lebendig“  (Schneewittchen 6:3). Jesus sorgte dafür, dass J. F. Rutherford und andere führende Bibelforscher wieder aus dem „Sarg“, dem Gefängnis, freikamen.

Für Jesus stand eindeutig fest, dass die Bibelforscher die einzige Gruppe waren, die sich als treu erwiesen hatte. „Es war nicht nur schwierig, regelmäßig geistige Speise auszuteilen, sondern es mußte auch auf die Qualität der Speise geachtet werden. Die Gruppe der gehaßten, verfolgten Christen,image die stets bemüht waren, treue Sklaven Jesu Christi zu sein, bestand diese Prüfung“, heißt es in dem Buch Gottes tausendjähriges Königreich hat sich genaht.

„Der Königssohn sagte voll Freude ‚du bist bei mir’ … und sprach ‚ich habe dich lieber, als alles auf der Welt; komm mit mir in meines Vaters Schloß, du sollst meine Gemahlin werden.’“ (Schneewittchen 6:5). Ja, Jesus wählte die Bibelforscher als „treuen und verständigen Sklaven“ aus und ‚setzte sie über seine ganze Habe’, d. h. er beauftragte sie mit dem Aufbau einer effizienten Vertriebsorganisation für Wachtturm-Schriften (Mat. 24:45).

Die Bibelforscher würden außerdem eines Tages seine „Gemahlin“, d. h. „die Braut, die Frau des Lammes“ bilden (Off. 21:9). Für die Hochzeit müssen jedoch noch etliche Vorbereitungen getroffen werden, so dass das Fest erst nach 6 22 56 76 115 einer unbestimmten Anzahl von Jahren stattfinden wird.

Was erwartet die „Königin“, die Geistlichkeit der Christenheit? Die Prophezeiung sagt: „Zu dem Fest war aber auch Sneewittchens gottlose Stiefmutter eingeladen. … es waren schon eiserne Pantoffel über Kohlenfeuer gestellt, und wurden glühend herein gebracht: da mußte sie die feuerrothen Schuhe anziehen, und darin tanzen, daß ihr die Füße jämmerlich verbrannten: und sie durfte nicht aufhören bis sie sich todt getanzt hatte“ (Schneewittchen 6:8). Ja, wenn „Jesus vom Himmel her mit seinen mächtigen Engeln in flammendem Feuer“ kommt und „an denen Rache übt, die Gott nicht kennen“, werden die Geistlichen und ihre Unterstützer in den See geworfen werden, in dem „das Feuer nicht ausgelöscht wird“ (2. Th. 1:7, 8; Mar. 9:48).


[1] Soweit nicht anders vermerkt, sind die Zitate in diesem Artikel der Ausgabe Kinder- und Hausmärchen, Große Ausgabe, Bd. 1, Dieterische Buchhandlung, 3. Auflage 1837 entnommen.

[2] Siehe das Buch Die Offenbarung – Ihr großartiger Höhepunkt ist nahe, Seite 286.

[3] Siehe die Wachtturm-Ausgabe vom 01.03.1988, Seite 29.

[4] ‚Schneewittchens siebtes Lebensjahr’ dauerte von 1914 bis 1918. Dass bis Anfang 1917 erst sechs Bände der Schriftstudien erschienen waren, wurde dadurch angedeutet, dass in der ersten Nacht nur sechs der sieben Zwerge in ihren Bettchen schlafen konnten (siehe Schneewittchen 4:5).