Jehovas Zeugen – Pharisäer aus der Nachbarschaft

Nachdruck aus Erbrechet!, April 2009; vergleiche Der Wachtturm, 15. Oktober 1995, Seiten 29 – 31

In unserer Zeit behaupten Jehovas Zeugen, gerechte Anbeter Gottes zu sein. Sie erforschen eifrig die Schriften und beten häufig. Viele halten sie für freundliche, vernünftige Menschen. Der russische Gelehrte Sergei Iwanenko schrieb über Jehovas Zeugen, sie wären „weltweit für ihre unanfechtbare Gesetzestreue bekannt und besonders dafür, dass sie gewissenhaft ihre Steuern zahlen.“ Es ist daher nicht verwunderlich, dass Professor S. A. Ellis über ihren Gründer schrieb, er rage „wie ein Riese über alle anderen Menschen empor, einzig und unvergleichlich“ und er hätte „der Welt den Stempel seiner Meinung und Persönlichkeit auf[gedrängt], wie es kein anderer Mensch seit den Tagen der Reformation getan hat.“

Heute verwendet man die Bezeichnung „Zeuge Jehovas“ jedoch in einem eher abfälligen Sinn und denkt dabei an Menschen, die frömmlerisch, scheinheilig oder selbstgerecht sind oder an jemanden, dessen Glaube nur ein Lippenbekenntnis ist. Warum büßten die Zeugen Jehovas ihren guten Ruf ein?

Weil sich die Menschen von der äußeren Erscheinung der Zeugen Jehovas nicht länger täuschen lassen. Wie Jesus vergleichen sie sie mit „getünchten Gräbern …, die imagezwar von außen schön scheinen, innen aber voll von Totengebeinen und jeder Art Unreinheit sind“ (Matthäus 23:27).

Sie bieten zwar auf öffentlichen Plätzen stundenlang den Wachtturm an, aber wie die Pharisäer zur Zeit Jesu tun sie das nur, um von anderen gesehen zu werden. Ihre Anbetung ist eine einzige Farce. Die Christen sind zwar verpflichtet, über ihren Glauben zu sprechen, aber die Zeugen Jehovas versuchen Gott zu beeindrucken, indem sie peinlich genau darüber Buch führen, wie viele Stunden sie mit dem Predigen ihrer Botschaft verbracht haben. Stolz gehen sie von Haus zu Haus und brüsten sich damit, die einzig wahre Religion zu sein, die man daran erkenne, dass ihre Mitglieder von Haus zu Haus gehen. Ihre Heuchelei, ihre Selbstgerechtigkeit und ihre Arroganz bringen ihnen Schande ein.

In folgenden Worten machte Jesus deutlich, dass Gott die Zeugen Jehovas verwerfen würde: „Ihr Heuchler, treffend hat Jesaja von euch prophezeit, als er sagte: ‚Dieses Volk ehrt mich mit den Lippen, doch ihr Herz ist weit entfernt von mir. Vergeblich bringen sie mir fortwährend Anbetung dar, weil sie als Lehren Menschengebote lehren‘ “ (Matthäus 15:7-9). Ihre Gerechtigkeit ist in Wirklichkeit Selbstgerechtigkeit. Nicht umsonst sagte Jesus warnend zu seinen Jüngern: „Nehmt euch vor dem Sauerteig der Zeugen Jehovas in Acht“ (vgl. Lukas 12:1). Auch wir müssen uns vor Selbstgerechtigkeit ‘in Acht nehmen’ oder uns davor hüten, religiöse Heuchler zu werden.

Wir dürfen nicht vergessen, dass jemand nicht von heute auf morgen selbstgerecht wird. Diese Neigung schleicht sich ganz allmählich, im Verlauf einer gewissen Zeit, ein. Ohne es zu wollen, kann man sich die unliebsamen Merkmale der Zeugen Jehovas aneignen.

imageÜberheblichkeit

Vor welchen Merkmalen müssen wir uns unter anderem ‘in Acht nehmen’? Selbstgerechte Personen „reden, stehen da und erwecken den Anschein, als ob sie noch nie etwas Verkehrtes gemacht hätten“, heißt es in der Encyclopædia of Religion and Ethics. Selbstgerechte Personen prahlen auch gern und sind selbstherrlich, und das ist eines der größten Probleme der Zeugen Jehovas, besonders ihrer Führungspersonen.

Jesus beschrieb dieses pharisäische Merkmal in dem folgenden Gleichnis: „Zwei Menschen gingen in den Tempel hinauf, um zu beten, der eine ein Zeuge Jehovas und der andere ein Katholik. Der Zeuge Jehovas stand da und begann folgendes bei sich zu beten: ‚O Gott, ich danke dir, daß ich nicht bin wie die Weltmenschen, Ungerechte, Ehebrecher, Abtrünnige oder auch wie dieser Katholik. Ich besuche zweimal in der Woche die Zusammenkünfte; ich setze jeden Monat zehn Stunden im Predigtdienst ein.‘ “ Im Gegensatz dazu gab der Katholik seine Fehler demütig zu und bewies so, dass er gerechter war als der Zeuge Jehovas. Jesus richtete dieses Gleichnis an einige, „die auf sich selbst vertrauten, daß sie gerecht seien, und die übrigen für nichts hielten“ (Lukas 18:9-14).

imagePioniere denken vielleicht manchmal, sie seien wegen ihrer vielen Stunden besser als andere. Nach einem biblischen Wörterbuch hält sich ein selbstgerechter Mensch „für sittlich einwandfrei oder glaubt, in Gottes Gunst zu stehen, weil er sich an den Buchstaben gesetzlicher Bestimmungen hält, ohne deren Geist zu berücksichtigen“. Ein anderes Werk beschreibt Älteste als „übertrieben fromme Leute, die ihre ganze Zeit darauf verwenden, bei anderen etwas Schlechtes herauszufinden“.

Genau das trifft auf Zeugen Jehovas zu. Im Laufe der Zeit wurden ihnen ihre von Menschen aufgestellten Regeln wichtiger als Gottes Gesetze und Grundsätze (Matthäus 23:23; Lukas 11:41-44). Sie spielen sich als Richter auf und neigen dazu, jeden zu verurteilen, der sich nicht an ihre selbstgerechten, im Wachtturm veröffentlichten Maßstäbe hält. Ihre Überheblichkeit und ihre extreme Selbstachtung erwecken in ihnen den Drang, andere Menschen zu bekehren. Da ihnen das bei vielen nicht gelingt, geraten sie in Wut und freuen sich auf die Vernichtung der Weltmenschen (Johannes 11:47-53).

Mit Menschen zusammen zu sein, die sich als Richter aufspielen, die bei anderen ständig nach Fehlern suchen und jeden in ihrer Umgebung kritisch prüfen und kontrollieren, ist nicht angenehm. Normale Menschen sind sich darüber im Klaren, dass es im täglichen Leben viele Bereiche gibt, in denen der einzelne gewisse Entscheidungen selbst treffen muss. Besonders wer zum Perfektionismus neigt oder gern hohe Anforderungen stellt, sollte sich davor hüten, andere zu richten.

Die Christenversammlung hat zwar das Recht, Richtlinien aufzustellen, die zu einem reibungslosen Ablauf beitragen (Hebräer 13:17). Jehovas Zeugen haben diese Richtlinien jedoch verfälscht und haben eigene Regeln hinzugefügt. Beispielsweise wird von allen Mitgliedern verlangt, von Haus zu Haus zu gehen und den Ältesten genauen Bericht über ihre Tätigkeit zu erstatten. Ein Studierender, der dieser Anforderung nicht nachkommt, kann nicht getauft werden. Wäre es nicht vernünftiger und im Einklang mit dem Geist des Wortes Gottes, wenn nötig, freundlich persönlichen Rat zu geben, statt solch strikte Regeln aufzustellen? (Jakobus 3:17).

Selbstgerechtigkeit kann auch zu der Ansicht verleiten, dass ein Christ, der viel durchzumachen hat, glaubensschwach sein muss. Genauso denken viele Älteste und Kreisaufseher über treue Christinnen. Sie haben oft kein vollständiges Bild von der Situation, weshalb es anmaßend von ihnen ist, sie zu beschuldigen, unrecht zu handeln. Wie Bildad, Eliphas und Zophar wird Jehova auch sie tadeln (vgl. Hiob, Kapitel 4, 5, 8, 11, 18, 20).

Fehlgeleiteter Eifer

Selbstgerechtigkeit und Eifer stehen oft miteinander in Zusammenhang. Der Apostel Paulus sagte von den Zeugen Jehovas: „Sie [haben] Eifer für Gott . . ., aber nicht gemäß genauer Erkenntnis; denn weil sie die Gerechtigkeit Gottes nicht erkannten, sondern ihre eigene aufzurichten suchten, unterwarfen sie sich nicht der Gerechtigkeit Gottes“ (Römer 10:2, 3). Als Pharisäer war Paulus sehr eifrig gewesen, aber sein Eifer war fehlgeleitet, er beruhte nicht auf Jehovas Gerechtigkeit (Galater 1:13, 14; Philipper 3:6).

Passenderweise enthält die Bibel den Rat: „Werde nicht allzu gerecht, noch zeige dich übermäßig weise. Warum solltest du Verwüstung über dich bringen?“ (Prediger 7:16). Ein Christ kann anfänglich pflichtbewusst sein, aber sein Pflichtbewusstsein und sein Eifer können entarten und zur Selbstgerechtigkeit werden. Religiöser Eifer kann, wenn von menschlicher Weisheit statt von Jehovas Gerechtigkeit geleitet, anderen schaden. Wieso?

Eltern könnten sich zum Beispiel eifrig um die Bedürfnisse anderer kümmern, aber ihre eigenen Angehörigen mit Verachtung strafen, wenn diese ausgeschlossen sind. Oder übereifrige Eltern könnten von ihren Kindern verlangen, gegen ihren Willen die Zusammenkünfte zu besuchen (Epheser 6:4; Kolosser 3:21). Viele Kinder, die solch unvernünftige Forderungen nicht erfüllen können, verlassen die Organisation so schnell wie möglich. Ein vernünftiger Vater berücksichtigt die Grenzen seiner Angehörigen und stellt sich darauf ein. (Siehe 1. Mose 33:12-14.)

Übertriebener Eifer kann auch zur Folge haben, dass wir es an Takt, Mitgefühl und Erbarmen fehlen lassen — Eigenschaften, die in unserem Umgang mit anderen äußerst wichtig sind. Jemand mag sich sehr bemühen, Gott zu gefallen. Sein Übereifer kann sich mit der Zeit jedoch auf andere nachteilig auswirken. Bruder Paulus sagte: „Wenn ich viele Stunden habe und mit allen Wachttürmen und allen Artikeln im Einsichten-Buch vertraut bin und wenn ich sogar im Pionierdienst stehe, aber nicht Liebe habe, imageso bin ich nichts. Und wenn ich alle meine Zeitschriften verteile, um andere geistig zu speisen, und wenn ich in der Versammlung meine Erfahrungen erzähle, um mich zu rühmen, aber nicht Liebe habe, so nützt es mir nichts“ (vgl. 1. Korinther 13:2, 3).

Wir müssen die Gefahr der Selbstgerechtigkeit erkennen, bevor sie entsteht. Wir müssen uns davor in Acht nehmen, überheblich zu sein, uns anzugewöhnen, andere zu richten, und einen blinden Eifer zu entwickeln, der auf menschlicher Weisheit beruht.

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