Worüber sollte man sprechen?

Nachdruck aus Erbrechet!, September 2009

imageDer Apostel Paulus empfahl: „Alles, was wahr, alles, was von ernsthaftem Interesse ist, alles, was gerecht, alles, was keusch, alles, was liebenswert ist, alles, worüber gut gesprochen wird, wenn es irgendeine Tugend und irgend etwas Lobenswertes gibt, diese Dinge erwägt weiterhin“ (Philipper 4:8) Was sollte demnach unser Gesprächsthema sein, und wovor sollten wir uns hüten?

Wahr: Jehovas Zeugen nennen ihre Religion zwar „die Wahrheit“, aber sind ihre Aussagen deswegen wahr? Schon ihr Gründer, Charles Taze Russell, schrieb im Band 3 der Schriftstudien: „Mit dem Ende des Jahres 1914 wird, was Gott Babylon nennt, und was die Menschen Christentum nennen, verschwunden sein“ (Ausgabe 1898, Seite 146). Hat sich seine Erklärung als „wahr“ erwiesen?

Später schrieben seine Nachfolger: „Die Bibel sagt voraus, daß diese himmlische Regierung [Gottes Königreich], die bereits an der Macht ist, im 20. Jahrhundert die Erde von aller Bosheit reinigen wird“ (Erwachet!, 8. Mai 1961). Zehn Jahre danach wurde gesagt: „Binnen kurzem wird noch in unserem zwanzigsten Jahrhundert ‘die Schlacht am Tage Jehovas’ gegen das neuzeitliche Gegenstück Jerusalems, die Christenheit, beginnen“ (‚Die Nationen sollen erkennen, dass ich Jehova bin‘ – Wie?, Seite 217). Waren diese Erklärungen „wahr“?

imageDer Wachtturm veröffentlichte im Lauf der Jahrzehnte sogar viele Erklärungen, die in späteren Ausgaben derselben Zeitschrift durch „neues Licht“ ersetzt und somit als unwahr gekennzeichnet wurden. Es war keine „gegenwärtige Wahrheit“, sondern Lüge (Jehovas Zeugen – Verkündiger des Königreiches Gottes, Seite 121).

Gerecht: In den 1960er Jahren „wollte die Regierung [von Schweden], daß Jehovas Zeugen … Zivildienst verrichten. Vertreter des Zweigbüros erschienen vor dem Ausschuß und erklärten, daß die Zeugen keinerlei Ersatz für den Militärdienst akzeptieren könnten“ (Jahrbuch der Zeugen Jehovas 1991, Seite 166). Auch wurde in der Erwachet!-Ausgabe vom 8. März 1975 gesagt: „Der Christ verweigert auch den Zivildienst, der als Ersatz für den Militärdienst gilt. In Wirklichkeit würde er durch diesen Dienst ein Teil der Welt werden, Jesus aber gebot, sich von der Welt getrennt zu halten“ (Seite 23).

In Übereinstimmung mit dieser Ansicht wurde jeder, der Zivildienst leistete, aus der Gemeinschaft der Zeugen Jehovas ausgeschlossen. Viele beugten sich der Anweisung, den Zivildienst zu verweigern, und verbrachten die besten Jahre ihres Lebens im Gefängnis. Doch im Wachtturm vom 1. Mai 1996 wurde plötzlich erklärt, im Hinblick auf den Zivildienst müsse „ein Gott hingegebener, getaufter Christ eine persönliche Entscheidung treffen“ (Seite 19). Von da an wurde niemand mehr gezwungen, den Zivildienst zu verweigern; in manchen Versammlungen wurde man sogar kritisiert, wenn man dies tat. War das „gerecht“?image

In den 1970er Jahren wurden Jehovas Zeugen „in dem südostafrikanischen Staat Malawi brutal verfolgt – geschlagen, vergewaltigt und sogar ermordet“, weil sie sich auf Anraten der Leitenden Körperschaft geweigert hatten, Parteikarten zu kaufen. Doch ihren Glaubensbrüdern in Mexiko wurde erlaubt, von Regierungsbeamten gegen Bestechungsgeld eine Bescheinigung zu kaufen, auf der stand, dass sie ihren Militärdienst abgeleistet hätten. War das „gerecht“?

Von ernsthaftem Interesse: Sind Erwachet!-Artikel wie „So schmeckts in Thailand“ (Juli 2008), „Mit dem Boot durch die Backwaters von Kerala“ (April 2008) oder „Die Tränen eines Gorillababys“ (August 2008) wirklich „von ernsthaftem Interesse“? Sind sie wirklich „geistige ‚Speise zur rechten Zeit‘, … tiefe biblische Wahrheiten“? (Der Wachtturm, 1. Januar 1996, Seite 30).

imageKeusch: Sind Jehovas Zeugen und ihre Schriften „keusch“? Zwar behauptet der Wachtturm vom 1. Dezember 1976, dass es „Tausende … Beispiele … der Keuschheit … unter Jehovas Zeugen“ gibt (Seite 709). Aber was sind „Tausende“ Beispiele in einer Organisation, der „viele Millionen Menschen“ angehören? (Der Wachtturm, 15. Mai 2005, Seite 22).

Wir dürfen nicht vergessen: „Buchstäbliche Hurerei ist etwas Unreines. … Aber geistige Hurerei ist noch schlimmer“ (Der Wachtturm, 15. September 1972, Seite 552). Und Jehovas Zeugen schreiben ständig über geistige und buchstäbliche Hurerei. Allein in den Wachtturm-Ausgaben von 1970 bis 2008 kommen die Wörter „Hure“ oder „Hurerei“ 1390mal vor! Sogar in Büchern für Kinder wird über „Huren oder Prostituierte“ gesprochen! (Lerne von dem großen Lehrer, Seite 136). Ist das „keusch“?

Liebenswert: Sind die wilden Tiere, die in den Wachtturm-Schriften gezeigt werden, „liebenswert“? Was ist mit den vielen Bildern, auf denen Weltmenschen gezeigt werden, obwohl Christen ‚die Welt nicht lieben‘ dürfen? (1. Johannes 2:15). Wie kommt es, imagedass wirklich ‚liebenswerte‘ Personen wie Micky Maus kein einziges Mal im Wachtturm erwähnt werden, verabscheuungswürdige Personen wie Satan aber über 6700mal zwischen 1970 und 2008?

Worüber gut gesprochen wird: Jeder weiß, dass über Jehovas Zeugen keineswegs „gut gesprochen wird“. Nein, „Jehovas Zeugen [werden] heute von den Regierenden der Welt oft nicht verstanden und sogar verachtet“ (Der Wachtturm, 1. Juli 1993, Seite 14). Im Allgemeinen werden sie von den Menschen „als verachtenswerte ‚Sekte‘“ betrachtet (Der Wachtturm, 1. März 1996, Seite 14). Selbst das Jahrbuch der Zeugen Jehovas 1970 berichtet darüber, dass ein Geistlicher „immer schlecht von Jehovas Zeugen gesprochen“ hatte (Seite 293).

Jehovas Zeugen und ihre Schriften gehören also keinesfalls zu dem, was man ‚weiterhin erwägen‘ sollte. Worauf sollten wir unsere Gedanken dann richten? Wo gibt es „irgendeine Tugend und irgend etwas Lobenswertes“? Gemäß der Encyclopaedia Wikipedia versteht man unter Tugend „eine Fähigkeit und innere Haltung, das Gute mit innerer Neigung (d. h. leicht und mit Freude) zu tun.“ Und wie es in dem Buch Fragen junger Leute – Praktische Antworten heißt, „kann Alkohol Freude bereiten“ (Ausgabe 1989, Seite 262).

imageAlkoholkonsum trägt also zur Freude und somit zur Tugend bei. Und da „Alkohol die Zunge löst“, fällt es einem im betrunkenen Zustand auch viel leichter, „irgend etwas Lobenswertes“ über seine Mitmenschen zu sagen (Der Wachtturm, 15. Juni 1994, Seite 20). „Irgendeine Tugend und irgend etwas Lobenswertes“ findet man somit am besten in einer Kneipe oder in einem Brauereilokal. Besonders am Stammtisch kann man auch erbauende Gespräche führen. In der Gemeinschaft von Trinkern können wir Gott am besten preisen.

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