Der „Sulamith-Überrest“ enttarnt

Nachdruck aus Erbrechet!, Juli 2009

„Meine Brüste sind wie Wachtürme“ (Hohes Lied 8:10, Hoffnung für Alle).

Das Hohe Lied erzählt von der unerschütterlichen Liebe der Sulamith zu einem Hirten und von dem erfolglosen Versuch König Salomos, ihre Liebe zu gewinnen. Sie weigerte sich standhaft, Salomo zu folgen und seine Braut zu werden. Welche Bedeutung hat dieses prophetische Drama für unsere Zeit?

Die gesalbten Zeugen Jehovas, die noch auf der Erde leben, bilden den „Sulamith-Überrest“ (Singt Jehova Loblieder, Lied 11, siehe auch Der Wachtturm, 1. März 1958, Seite 146, 147). Und „der größere Salomo [ist] Jesus Christus, der heute als himmlischer König regiert“ (Der Wachtturm, 1. Mai 2003, Seite 21). Daher ist es kein Wunder, dass auch der gesalbte Überrest nicht daran interessiert ist, Jesus Christus zu folgen. Seine Liebe gilt vielmehr Menschen, die ihn verehren und für ihn von Haus zu Haus gehen.

Tatsächlich sind die gesalbten Zeugen Jehovas nur eine von vielen christlichen Gruppen, die behaupten, die Braut des größeren Salomo zu sein: „Es mag sechzig Königinnen und achtzig Nebenfrauen und herangereifte Mädchen ohne Zahl geben“ (Hohes Lied 6:8). Doch Jehovas Zeugen halten sich für besonders bevorrechtigt; sie glauben, sie hätten „die einzig wahre Religion“ (Unser Königreichsdienst, Mai 1999, S. 2).

Über die ganze Habe gesetzt

Die Sulamith erklärte: „Die Söhne meiner eigenen Mutter … setzten mich zur Hüterin der Weingärten ein, obwohl ich meinen Weingarten, einen, der mein war, nicht gehütet habe“ (Hohes Lied 1:6). Die „gesalbten“ Zeugen Jehovas bezeichnen sich als „Söhne der freien himmlischen Organisation Gottes, des ‚Jerusalem droben‘, ihrer ‚Mutter‘“ (Der Wachtturm, 1. Juni 1973, Seite 333). Die ‚Söhne ihrer eigenen Mutter‘ sind daher Jesus Christus und die bereits verstorbenen Gesalbten (siehe Der Wachtturm, 15. März 1985, Seite 14).

Die Sulamith erklärte, sie sei „zur Hüterin der Weingärten“ ihrer Brüder eingesetzt worden, obwohl sie nicht einmal ihren eigenen Weingarten in Ordnung halten konnte. Dementsprechend behaupten auch Jehovas Zeugen, ihr gesalbter Überrest „wurde 1919 über die gesamte Habe Jesu gesetzt“ (Der Wachtturm, 15. Mai 1997, Seite 15). Und das, obwohl sie „vor 1919 … von gewissen Ansichten und Gebräuchen der falschen Religion befreit werden [mussten]. Sie hatten sich zwar von Irrlehren, wie der Lehre von der Dreieinigkeit und der Unsterblichkeit der Seele, abgewandt, hielten aber immer noch an babylonischen Gebräuchen fest. Viele hatten in Verbindung mit der Charakterentwicklung eine selbstgerechte Einstellung entwickelt. Einige trieben Menschenverehrung … Ohne eine biblische Grundlage zu haben, feierten sie Geburtstage und Weihnachten. Das Kreuz nahm in ihrem Denken immer noch einen vorrangigen Platz ein. … Andere strebten nach Ansehen, wie es in der Christenheit üblich ist“ (Der Wachtturm, 1. Mai 1989, Seite 3).

 

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Die Sulamith brüstete sich: „Der König hat mich in seine inneren Gemächer geführt!“ (Hohes Lied 1:4). Gemäß dem Wachtturm vom 1. März 2001 haben „die erwähnten ‚inneren Gemächer‘ etwas mit den Zehntausenden von Versammlungen des Volkes Jehovas weltweit zu tun“ (Seite 21). Jehovas Zeugen behaupten, sie wären direkt vom „König“, Jesus Christus, beauftragt (vgl. Der Wachtturm, 1. März 1998, Seite 14).

Jesu Kleinvieh

Die Sulamith fragte ihren Hirten: „Teil mir doch mit, … wo du das Kleinvieh am Mittag lagern läßt“ (Hohes Lied 1:7). Doch statt ihr zu sagen, wo sie seine Schafe finden könnte, gab er ihr den Auftrag: „Weide deine kleinen Ziegen“ (Hohes Lied 1:8, Hoffnung für Alle). Auch der Sulamith-Überrest würde gerne Jesu Schafe hüten, doch stattdessen erweisen sich seine Anhänger als „Ziegen“ – und als solche werden sie „in die ewige Abschneidung weggehen“, „in das ewige Feuer, das für den Teufel und seine Engel bereitet ist“ (Matthäus 25:32, 41, 46).

Bei einer Gelegenheit erklärte die Sulamith: „Schaut mich nicht an, … weil die Sonne mich angeblickt hat“ (Hohes Lied 1:6). In ähnlicher Weise behauptet der Sulamith-Überrest, er wäre von Jesus Christus, der größeren Sonne, erleuchtet worden. Gemäß dem Wachtturm vom 1. November 1981 „bezieht sich der Hinweis, daß ‚die Gerechten so hell leuchten wie die Sonne im Königreiche ihres Vaters‘, auf den Zustand der Erleuchtung … dieser gesalbten Christen auf der Erde, wo sie ‚wie Lichtspender in der Welt leuchten‘“ (Seite 25). Sie geben vor, von Gott „stetig helleres Licht [zu] erhalten“ (Der Wachtturm, 15. Februar 2006, Seite 30).

Stutengleiche Eigenschaften

„Mit einer meiner Stuten an den Wagen Pharaos habe ich dich verglichen“, erklärte Salomo der Sulamith (Hohes Lied 1:9). Gemäß der Encyclopaedia Wikipedia neigen Stuten dazu, einander bei Rangkämpfen zu beißen; von diesem Verhalten ist der Begriff „Stutenbissigkeit“ abgeleitet. Die Therapeutin Vera Matt erwähnt einige Punkte, wie sich Stutenbissigkeit „in der Praxis“ äußert: „üble Absichten unterstellen, gute Ideen klauen, … schonungsloses Bloßstellen, Missachten, Schweigen … und Anschuldigungen. … Häufig handelt es sich auch um selbst auferlegte Verbote.“

All das trifft auf den gesalbten Sulamith-Überrest zu: Er unterstellt den Verkündigern, sie würden zu wenig für Jehova (d. h. für ihn) tun, z. B. durch die „Theokratische Gerichtssitzung“ (Informator, September 1955). Er ‚klaut gute Ideen‘, beispielsweise die Auslegung der Offenbarung von Johannes Greber (siehe Neues Testament, übersetzt von Johannes Greber mit Hilfe der Geisterwelt Gottes, Anhang, Seite 505 bis 513).

Im Wachtturm vom 1. März 1994 wird zugegeben: „Die Jeremia-Klasse [die mit dem gesalbten Sulamith-Überrest identisch ist] hat die Geistlichkeit schonungslos bloßgestellt“ (Seite 11). Auch „Schweigen“, wenn Fälle von Kindesmissbrauch entdeckt werden, und „Anschuldigungen“ gegenüber Verkündigern, die zu wenig predigen, sind in der Wachtturm-Organisation nichts Ungewöhnliches. Außerdem gibt es eine Anzahl „selbst auferlegte Verbote“, die keine biblische Grundlage haben.

Bequemes Leben

Die Sulamith sagte: „Solange sich der König in seiner Tafelrunde befindet, hat meine eigene Narde ihren Duft gespendet“ (Hohes Lied 1:12). Sie glich nicht dem ‚treuen und verständigen Sklaven‘, sondern vielmehr dem ‚übelgesinnten Sklaven‘ aus Jesu Gleichnis, der sagte: „Mein Herr bleibt noch aus“ (Matthäus 24:45, 48). Sie nutzte die Zeit, die der König mit seiner Tafelrunde verbrachte, um seinen Reichtum zu verschwenden. Echte Narde – eine kleine Pflanze, die im Himalaya wächst – konnte sie sich bestimmt nicht selbst leisten. Jahrhunderte später goss Maria über Jesus ein Gefäß mit Nardenöl aus, das ungefähr den Jahreslohn eines Arbeiters wert war.

Der gesalbte Sulamith-Überrest handelt genauso. Beispielsweiseimage baute er mit Spendengeldern das Haus Beth-Sarim in Kalifornien, angeblich als Wohnstätte für Abraham, Joseph, David und andere treue Männer, deren Auferstehung man erwartete. Tatsächlich bezog aber Joseph F. Rutherford, der Präsident der Wachtturm-Gesellschaft und Anführer des Sulamith-Überrests, die Villa. Er lebte dort bis zu seinem Tod; kurz darauf wurde Beth-Sarim dann verkauft, weil „es seinem Zweck völlig gedient habe“ (siehe Jehovas Zeugen – Verkündiger des Königreiches Gottes, Seite 76).

Weiter heißt es im Hohen Lied: „Was ist das, das wie Rauchsäulen von der Wildnis heraufkommt, umduftet von Myrrhe und duftendem Harz, ja von allerlei würzigem Pulver eines Händlers?“ (Hohes Lied 3:6). Die „Rauchsäulen“ erinnern an eine Begebenheit aus der Offenbarung: „Aus dem Rauch kamen Heuschrecken heraus auf die Erde“ (Offenbarung 9:3). Der Wachtturm vom 1. Mai 1992 erklärt dazu: „Die Heuschrecken stellen den Überrest gesalbter Christen dar, der heute, am Tag des Herrn, die Weidegründe der Christenheit verwüstet“ (Seite 11).

Was „wir Rauchsäulen von der Wildnis heraufkommt“ ist also der Sulamith-Überrest. Wiederum ist von ‚Myrrhe und duftendem Harz und würzigem Pulver‘ die Rede, was zeigt, dass die Gesalbten in relativem Luxus leben. Sie mögen zwar nicht viel besitzen, aber sie werden von ihren Anhängern in Ehren gehalten und mit allen materiellen Annehmlichkeiten unterstützt.

Das Hohe Lied sagt über den Aufenthaltsort des Sulamith-Überrests: „Es ist sein Ruhebett. … Sechzig starke Männer sind rings darum her, von den Starken Israels, sie alle im Besitz eines Schwertes, in der Kriegführung unterwiesen, jeder mit seinem Schwert an seiner Hüfte“ (Hohes Lied 3:7, 8). In der Tat, die meisten Gesalbten strengen sich im Predigtdienst nicht mehr besonders an. Sie ruhen sich sozusagen aus, während „sechzig starke Männer“ – die vielen Pioniere – die eigentliche Arbeit machen. Diese sind „im Besitz eines Schwertes [des Geistes]“, das sie immer griffbereit ‚an ihrer Hüfte‘ haben, und sie sind „in der [theokratischen] Kriegführung unterwiesen“ (Epheser 6:17).

Gestank und fehlender Weitblick

Obwohl sich die Sulamith mit kostbarem Parfüm einrieb, stellte Salomo fest: „Dein Haar ist gleich einer Herde Ziegen“ (Hohes Lied 4:1). Das war nicht gerade ein Kompliment, denn in der Geschichte vom Ziegenfisch in der Oder heißt es: „Die Ziege war ihrem Volk ein Symbol für Unreinlichkeit, Gestank und Dummheit.“ Da die Sulamith den ganzen Tag mit Schafen und Ziegen zu tun hatte, roch sie auch dementsprechend. Auch die neuzeitliche Sulamith-Klasse wendet die Worte des Apostels Paulus auf sich selbst an: „Für die Menschen, die verloren gehen, sind wir der schreckliche Gestank von Tod und Verdammnis“ (2. Korinther 2:16, Neues Leben).

Salomo erklärte der Sulamith außerdem: „Deine Augen sind Taubenaugen hinter deinem Schleier“ (Hohes Lied 4:1). Das erscheint zwar auf den ersten Blick als ein Kompliment, denn Tauben können außergewöhnlich gut sehen – gemäß einem Beitrag der Sendung nano bis zu 35 Kilometer weit. Doch leider machte die Sulamith keinen Gebrauch von dieser Fähigkeit, sondern versteckte ihre Augen ‚hinter ihrem Schleier‘. Durch einen Schleier kann man natürlich nicht besonders gut sehen – das mag erklären, wieso der Sulamith-Überrest bei seinen Vorhersagen für die Zukunft bisher immer falsch gelegen hat.

Der Schleier verrät aber etwas anderes. In dem Buch Mache deine Jugend zu einem Erfolg heißt es: „Als Juda vorbeikam, hielt er [Tamar] … ‚sogleich für eine Hure, denn sie hatte ihr Angesicht [mit dem Schleier] bedeckt‘. Ihre Kleidung verlieh ihr das Aussehen einer Prostituierten der damaligen Zeit“ (Seite 53). Damals konnte man also Prostituierte daran erkennen, dass sie einen Schleier trugen (siehe auch Der Wachtturm, 1. Februar 1973, Seite 90). Auch die vom Sulamith-Überrest geleitete Wachtturm-Organisation „hat geistige Hurerei getrieben, indem sie Bündnisse mit den politischen … Elementen dieser Welt eingegangen ist“, beispielsweise mit den Vereinten Nationen oder mit der OSZE (Der Wachtturm, 15. September 1972, Seite 553).

Geistige Trunkenheit

Die Sulamith sagte über ihren Geliebten: „Er brachte mich in das Haus des Weines“ (Hohes Lied 2:4). Bei einer anderen Gelegenheit sagte er zu ihr: „Dein Nabelring ist eine runde Schale. Möge der Mischwein daraus nicht fehlen“ (Hohes Lied 7:2). Offensichtlich machten beide regen Gebrauch vom Alkohol, einem Geschenk Gottes (Psalm 104:15). In dieser Hinsicht glichen sie den ‚Trunkenbolden Ephraims‘, vor denen Jesaja warnte (Jesaja 28:1, 3).

Der Wachtturm vom 1. Juni 1991 sagt dazu: „Die ‚Trunkenbolde Ephraims‘ waren also in Wirklichkeit die Trunkenbolde Israels. … Erfüllten sich Jesajas Prophezeiungen nur damals an Israel und Juda? Keineswegs. Sowohl Jesus als auch der Apostel Paulus zitierten Jesajas Worte über die geistige Trunkenheit und wandten sie auf die religiösen Führer ihrer Tage an. … Heute ist eine ähnliche Situation wie zur Zeit Jesajas entstanden“ (Seite 11, 13). So, wie die religiösen Führer Israels damals in geistiger Hinsicht betrunken waren, so ist es auch „der gesalbte [Sulamith-]Überrest des Israels Gottes“ in unserer Zeit (Die Prophezeiung Jesajas – Licht für alle Menschen, Band 2, Seite 168). Auch sie gehören – im übertragenen Sinne – zu denjenigen, „die sich lange Zeit beim Wein aufhalten, die einkehren, um Mischwein zu probieren“ (Sprüche 23:30).

Wein wirkt außerdem schlaffördernd. Der Gaumen der Sulamith war „wie der beste Wein, der … leicht hinuntergleitet, der sanft über die Lippen Schlafender fließt“ (Hohes Lied 7:9). Der Sulamith-Überrest sorgt für eine Fülle an Zusammenkünften und Lesestoff, wodurch seine Anhänger so beschäftigt gehalten werden, dass sie nicht aus ihrem geistigen Schlaf aufwachen. Da die Glieder des ‚treuen und verständigen Sklaven‘ auch selbst Empfänger der von ihnen ausgeteilten „geistigen Speise“ sind, sind sie ebenfalls vom geistigen Schlaf betroffen. Auch hierin ahmen sie die Sulamith nach, die offen zugab: „Ich schlafe“ (Hohes Lied 5:2).

Gemäß dem Buch Der heilige Geist – die Kraft hinter der künftigen neuen Ordnung müssen „die Gesalbten Jesus Christus nachahmen“ (Seite 122). Doch Jesus Christus ist „das Brot des Lebens, … das lebendige Brot“ (Johannes 6:48, 51). Dagegen sagte Salomo zur Sulamith: „Dein Leib ist ein Weizenhaufen“ (Hohes Lied 7:2). Von einem „Weizenhaufen“ zu einem fertigen Brot ist es noch ein weiter Weg – das zeigt, wie sehr der Sulamith-Überrest von Jesus Christus entfernt ist.

Der Hirte gibt uns einen weiteren Hinweis, warum es in geistiger Hinsicht so schlecht um die Sulamith bestellt war: „Wie eine Lilie unter den Dornen, so ist meine Freundin“ (Hohes Lied 2:2, Luther). Auch der neuzeitliche Sulamith-Überrest ist also „unter den Dornen“ – und was passiert laut Jesu Worten mit jemandem, „der unter die Dornen gesät wurde“? „Die Sorgen dieses Systems der Dinge und die trügerische Macht des Reichtums ersticken das Wort“ (Matthäus 13:22).

Auffällige Reize

Die Sulamith sagte: „Wie ein Myrrhenbeutel ist mir mein Liebster; zwischen meinen Brüsten wird er die Nacht verbringen“ (Hohes Lied 1:13). Da sie noch nicht verheiratet war, als sie diese Worte äußerte, kann sie das nicht buchstäblich gemeint haben. Die „Brüste“ stellen offensichtlich etwas dar, dem große Bedeutung zugemessen wird, denn sie werden allein im Hohen Lied siebenmal erwähnt – öfter als in irgendeinem anderen Bibelbuch.

Glücklicherweise erklärt die Sulamith selbst, was durch ihre „Brüste“ dargestellt wird: „Meine Brüste sind wie Wachtürme“ (Hohes Lied 8:10, Hoffnung für Alle). Ihr Liebster ergänzt: „Deine beiden Brüste sind wie zwei Junge, die Zwillinge eines Gazellenweibchens“ (Hohes Lied 4:5). Die „Brüste“ stehen eindeutig für die beiden Zeitschriften Der Wachtturm und Erwachet!, die wie „Zwillinge“ meistens zusammen abgegeben und gelesen werden. Aber warum werden sie als die Zwillinge „eines Gazellenweibchens“ bezeichnet?

In der Encyclopaedia Wikipedia heißt es: „Alle Gazellen sind schnelle Läufer.“ So, wie Gazellen schnell ihre Position ändern, so tun es auch die vom Sulamith-Überrest herausgegebenen Zeitschriften. Ein Beispiel ist die Erklärung der „Generation“ aus Matthäus 24:34: Zuerst waren es alle Menschen, die das unsichtbare Zeichen im Jahr 1878 gesehen hatten, dann alle gesalbten Christen, dann alle Menschen, die das Jahr 1914 bewusst erlebt hatten, dann alle Menschen, die das Jahr 1914 überhaupt erlebt hatten, dann alle Menschen, die keine Zeugen Jehovas waren, dann wieder alle gesalbten Christen und jetzt sogar zwei überlappende Generationen.

Der Liebste

An vielen Stellen beschreibt die Sulamith ihren „Liebsten“, einen Hirtenjungen. In der neuzeitlichen Parallele steht der „Liebste“ für die Art Menschen, die dem Sulamith-Überrest am liebsten sind. Inwiefern verbringen solche Menschen ‚die Nacht zwischen ihren Brüsten‘? Da die „Brüste“ die Zeitschriften Der Wachtturm und Erwachet! darstellen, bezieht sich diese Aussage auf Menschen, die nachts lange wach bleiben, um diese kostbare Literatur zu lesen.

Wer gehört noch zu den Menschen, die dem Sulamith-Überrest am liebsten sind? „Horch – mein Liebster! Siehe! Dieser kommt, steigt über die Berge, springt über die Hügel“ (Hohes Lied 2:8). Sie stimmen in die Worte Jesajas ein: „Wie lieblich sind auf den Bergen die Füße dessen, der gute Botschaft bringt“ (Jesaja 52:7). Sie mögen Personen, die sich eifrig am Predigtdienst beteiligen.

Die Sulamith sprach: „Komm doch, o mein Liebster, laß uns aufs Feld hinausgehen. … Laß uns doch früh aufstehen“ (Hohes Lied 7:11, 12). Im Auftrag des Sulamith-Überrestes gebrauchen die Ältesten ähnliche Worte, um die Verkündiger zum Treffpunkt für den Predigtdienst (früher auch „Felddienst“ genannt) einzuladen.

Beim Treffpunkt mag auch eine Schwester anwesend sein, die ihre Zeitschriften schon alle abgegeben hat. Die Sulamith befand sich einmal in einer ähnlichen Situation, als ihre Brüder über sie sagten: „Wir haben eine kleine Schwester, die keine Brüste hat“ (Hohes Lied 8:8). Doch meistens kann eine andere Schwester aushelfen und sagen: „Sowohl die neuen als auch die alten … habe ich für dich aufbewahrt“ (Hohes Lied 7:13).

Die Sulamith sagt weiter, ihr Liebster „schaut unverwandt durch die Fenster“ und spricht dann zu seiner Frau: „Steh auf, du meine Gefährtin, … und komm mit. … Der Regenguß selbst ist vorüber, er ist vergangen. … Steh auf, komm, o meine Gefährtin, meine Schöne, und komm mit“ (Hohes Lied 2:9-13). Ein solcher Verkündiger, der zu den „Liebsten“ der Sulamith-Klasse gehört, predigt nicht nur selbst die gute Botschaft vom Königreich, sondern spornt auch seine Frau dazu an.

Wo suchen der Sulamith-Überrest und die mit ihm verbundene „große Volksmenge“ nach solchen Menschen, die sich ihnen beim Predigen anschließen? Die Sulamith sagte: „Laßt mich bitte aufstehen und in der Stadt umhergehen; auf den Straßen und auf den öffentlichen Plätzen laßt mich den suchen, den meine Seele geliebt hat“ (Hohes Lied 3:2). Genauso gehen auch Jehovas Zeugen ‚in der Stadt umher, auf den Straßen und auf den öffentlichen Plätzen‘, um „nach schafähnlichen Menschen zu suchen“ (Jahrbuch der Zeugen Jehovas 1976, Seite 56).

Doch nur selten ist ihre Suche von Erfolg gekrönt; im „Dienstjahr“ 2008 waren in Deutschland durchschnittlich 7084 Stunden, 5977 Zeitschriften und 3359 Rückbesuche notwendig, um eine einzige Person zur Taufe als Zeuge Jehovas zu führen. Die Sulamith machte eine ähnliche Erfahrung: „Ich suchte ihn, aber ich fand ihn nicht“ (Hohes Lied 3:2). Doch manche Verkündiger sind geschickt darin, ‚den Sinn der Ungläubigen zu verblenden‘, damit sie den Wachtturm für „das erleuchtende Licht der herrlichen guten Botschaft über den Christus“ halten (2. Korinther 4:4). „Mein Liebster ist blendend“, erklärte auch die Sulamith (Hohes Lied 5:10).

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Daher wird manchmal doch jemand gefunden, der sich auf ein Gespräch einlässt – oft sind das Menschen, die gerade in einer Lebenskrise stecken und daher leichte Beute für Sekten sind. Die Sulamith sagte, wie man dann vorgehen sollte: „Da fand ich den, den meine Seele geliebt hat. Ich ergriff ihn, und ich wollte ihn nicht loslassen, bis ich ihn in das Haus meiner Mutter gebracht hatte und in das innere Gemach“  (Hohes Lied 3:4). Wenn Zeugen Jehovas erst einmal Fuß bei einem „Interessierten“ gefasst haben, lassen sie ihn nicht so schnell wieder los. Sie werden ihn nicht in Ruhe lassen, bis sie ihn ‚in das Haus ihrer Mutter‘, der „Organisation, die einer Mutter gleicht“ – also den Königreichssaal – gebracht haben (Der Wachtturm, 1. Juni 1998, Seite 23). Sie wollen ihn unbedingt in die „inneren Gemächer“ bringen, die „etwas mit den Zehntausenden von Versammlungen des Volkes Jehovas weltweit zu tun haben“ (Der Wachtturm,
1. März 2001, Seite 21).

Aber nicht alle, die sich von ihnen zur Taufe drängen lassen, bleiben auch aktive Zeugen Jehovas. Obwohl in den „Dienstjahren“ 1999 bis 2008 insgesamt 36175 Personen in Deutschland getauft wurden, sank die durchschnittliche Verkündigerzahl in diesem Zeitraum um 3592. Schon die Sulamith erkannte: „Selbst viele Wasser vermögen die Liebe nicht auszulöschen“ (Hohes Lied 8:7). Tatsächlich vermag das „Wasser“ der Taufe „die Liebe“ aufrichtiger Menschen zur Wahrheit „nicht auszulöschen“. Früher oder später erkennen sie, dass sie einem Irrtum aufgesessen sind, und ziehen sich zurück oder verlassen die Wachtturm-Organisation.

Außer dem Predigtdienst gibt es noch eine andere Möglichkeit, das Wohlgefallen des Sulamith-Überrestes zu erlangen. Die Sulamith sprach prophetisch über jemanden, der von dieser Möglichkeit Gebrauch macht: „Sein schwarzes Haar ist wie der Rabe. Seine Augen sind … an den Wasserkanälen. … Seine Wangen sind … Türme von aromatischen Kräutern. Seine Lippen sind Lilien, die von flüssiger Myrrhe triefen. Seine Hände sind goldene Walzen“ (Hohes Lied 5:11-14).

Ein solcher Mensch wäre „an den Wasserkanälen“, also dort, wo das „Wasser des Lebens“ in die Zeitschriften Der Wachtturm und Erwachet! gedruckt, gleichsam abgefüllt, wird – im Bethel. „Seine Hände“ bedienen die Druckwalzen, deren Erzeugnisse wertvoller als Gold sind. Die Walzen „triefen“ von roter Farbe, die gleich „flüssiger Myrrhe“ aussieht. Der größte Teil der Druckfarbe ist jedoch schwarz „wie der Rabe“, und damit werden nicht nur „[Wacht-]Türme“, sondern auch andere Zeitschriften und Bücher hergestellt.

Salomo sagte über die Sulamith: „Ein verriegelter Garten ist meine Schwester, … ein Brunnen frischen Wassers. … Laß seine Wohlgerüche rieseln“ (Hohes Lied 4:12, 15, 16). Das trifft auch auf den Sulamith-Überrest zu, insbesondere auf die Leitende Körperschaft. Sie ist „ein verriegelter Garten“, denn ihre Sitzungen sind streng geheim. Ihre Anhänger glauben jedoch, der „treue und verständige Sklave“ wäre „ein Brunnen frischen Wassers“ des Lebens, und durch das Verteilen seiner Schriften würden sie „den Wohlgeruch der Erkenntnis Gottes verbreiten“ (Der Wachtturm, 15. Juli 1990, Seite 10).

Selbstherrlichkeit

Salomo sagte zur Sulamith: „Du bist ganz und gar schön, … und es ist kein Makel an dir“ (Hohes Lied 4:7). Der Sulamith-Überrest duldet in seiner Organisation auch nur Personen, die ‚keinen Makel‘ an ihm finden. Ihre Anhänger werden angewiesen: „Wenn wir ihn [Jehova] als ‚Großen Unterweiser‘ voll anerkennen, werden wir die Unterweisungsmethoden, die die Klasse des ‚treuen und verständigen Sklaven‘ Jehovas heute anwendet, weder in Zweifel ziehen noch kritisieren“ (Der Wachtturm, 1. Januar 1986, Seite 30). Und im Wachtturm vom 15. Juni 1996 heißt es, dass einige „gottlose Menschen … sogar so weit gehen, daß sie Veröffentlichungen des ‘treuen Sklaven’ kritisieren“ (Seite 21).

Wie der Wachtturm vom 15. Januar 1990 zeigt, betrachten sie jemanden, der sie kritisiert, als einen „Abtrünnigen“, der „zu den gespeiähnlichen Lehren der Christenheit zurück[kehrt]“ (Seite 28). Mit den Worten der Sulamith fordern sie die Ältesten auf: „Faßt uns doch die Füchse, die kleinen Füchse, die die Weingärten verheeren“ (Hohes Lied 2:15). Diese angeblichen „Hirten“ sollen fuchsgleiche Zeugen Jehovas, die zur Kritik am ‚treuen und verständigen Sklaven‘ neigen, ‚fassen‘ und aus der Gemeinschaft ausschließen. „Das Beharren“ des Sulamith-Überrests „auf ausschließlicher Ergebenheit ist so unnachgiebig wie der Scheol“ (Hohes Lied 8:6).

Willkommen sind dagegen Menschen wie Professor S. A. Ellis, der über Charles Taze Russell, den Begründer der Sulamith-Klasse, sagte: „Als Theologe steht Herr Russell heutzutage ohne Zweifel unerreicht da, findet nirgendwo seinesgleichen. In seinen Forschungen nach biblischer Wahrheit und Harmonie steht er in diesem Zeitalter ganz einzig da. Ohne einen Makel … ragt er wie ein Riese über alle anderen Menschen empor, einzig und unvergleichlich“ (zitiert nach Das vollendete Geheimnis, S. 160, 161). Dies wurde bereits im Hohen Lied vorhergesagt, als Salomo die Sulamith mit den Worten pries: „O du schönste unter den Frauen“ (Hohes Lied 1:8).

Doch Salomo selbst schrieb, wobei er die Mutter des Königs Lemuël zitierte: „Schönheit mag nichtig sein“ (Sprüche 31:30). Jesus bezeichnete Christen als Schafe (Lukas 12:32; Johannes 21:15). Und die Sulamith sagte: „Ein schwarzes Mädchen bin ich“ (Hohes Lied 1:5). Somit besteht der neuzeitliche Sulamith-Überrest aus schwarzen Schafen. Ihre angebliche „Schönheit“ besteht nur auf dem Papier ihrer Zeitschriften.

Der „Liebste“ der Sulamith sagte zu ihr: „Laß mich deine Stimme hören, denn deine Stimme ist angenehm“ (Hohes Lied 2:14). Auch der Sulamith-Überrest, der sogenannte „treue und verständige Sklave“, mag Menschen, die auf seine Stimme hören. Sie behaupten sogar, durch sie wären die Stimmen Gottes und Jesu zu hören: „Gottes Diener in unserer Zeit hören seine Stimme, indem sie mithilfe der Veröffentlichungen, die der ‚treue und verständige Sklave‘, der ‚treue Verwalter‘, herausgibt, fleißig die Bibel studieren“ (Der Wachtturm, 15. Februar 2003, Seite 31). „Wir … ‚hören‘ die Stimme unseres Retters, wenn wir beachten, was er uns durch … den ‚treuen und verständigen Sklaven‘ sagt“ (Der Wachtturm, 1. Dezember 2006, Seite 11). „Hörst du heute die Stimme Jesu, wie sie durch den ‚treuen und verständigen Sklaven‘ ertönt: ‚Werde Pionier!‘?“ (Unser Königreichsdienst, Oktober 1970, Seite 3).

Ihr Ende

Die Sulamith wurde aufgefordert: „Mögest du herabsteigen … von den Lagerplätzen der Löwen, von den Bergen der Leoparden“ (Hohes Lied 4:8). Der gleiche Aufruf ergeht an den Sulamith-Überrest, der sich ebenfalls mit dem „löwengleichen Widersacher, Satan, dem Teufel“, eingelassen hat (Unser Königreichsdienst, Februar 2000, Seite 6). Auch zu den Vereinten Nationen, die in der Bibel durch ein wildes Tier „gleich einem Leoparden“ dargestellt werden, hat der Sulamith-Überrest viele Jahre lang eine enge Beziehung unterhalten (Off. 13:2). Wenn er sich wirklich als „Braut Christi“ erweisen will, sollte er schleunigst „herabsteigen“, seine Verfehlungen zugeben und aufrichtig um Vergebung bitten (vgl. Der Wachtturm,
1. Februar 1975, Seite 92).

Aber in Wirklichkeit will er wohl gar nicht mehr die „Braut Christi“ werden. Die Sulamith sagte: „Ich habe mein langes Gewand ausgezogen“ (Hohes Lied 5:3). Scheinbar macht sich der Sulamith-Überrest gar nichts daraus, dass er „elend und bemitleidenswert und arm und blind und nackt“ ist (Offenbarung 3:17). Am Gerichtstag wird es ihm so ergehen wie dem Mann aus Jesu Gleichnis, der gefragt wurde: „Wie bist du hier hereingekommen, da du doch kein Hochzeitskleid anhast?“ Schließlich wurde er „zum Schweigen gebracht. Darauf sagte der König zu seinen Dienern: ‚Bindet ihm Hände und Füße, und werft ihn hinaus in die Finsternis draußen. Dort wird sein Weinen und sein Zähneknirschen sein‘“ (Matthäus 22:11-13). Ja, „das Ende der falschen Religion ist nahe!“

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