Eine Müllerstochter findet wahre Freiheit

Nachdruck aus Erbrechet!, März 2010

„Das hat dir der Teufel gesagt.“ (Rumpelstilzchen 4:12)

Die Prophezeiung der Gebrüder Grimm enthüllt viele kostbare Wahrheiten in Bezug auf Gottes Vorsatz und die Zukunft der Menschheit. Das Buch Rumpelstilzchen bildet hierbei keine Ausnahme. Es beschreibt den Lebenslauf vieler Zeugen Jehovas und zeigt auch, wie es mit der Wachtturm-Organisation ausgehen wird.

Zu Beginn wird gezeigt, was für Menschen überhaupt in die Fänge der Wachtturmsekte geraten: „Es war einmal ein Müller, der war arm“ (Rumpelstilzchen 1:1).[1] Der arme Müller steht für die Art von Menschen, die bis heute am meisten von Sekten angezogen werden: Arme, Behinderte, Ausländer; Menschen, die in irgendeiner Form benachteiligt sind, in einer Lebenskrise stecken oder ihrer Heimat beraubt wurden.

Es kam, wie es kommen musste: „Nun traf es sich, daß er mit dem König zu sprechen kam“  (Rumpelstilzchen 1:2). Der „König“ ist der „treue und verständige Sklave“; es sind die gesalbten Zeugen Jehovas, die glauben, bald „mit Jesus Christus zusammen als Könige über die Erde zu regieren“ (Komm Jehova doch näher, Seite 146). Jehovas Zeugen, die sich selbst für „treue Diener des Königs“ halten, haben an seiner Tür vorgesprochen, und er hat sich auf ein Gespräch eingelassen (Komm, folge mir nach, Seite 189). Schließlich beginnt er, die Zusammenkünfte im Königreichssaal zu besuchen.

Der Müller erzählte dem König: „Ich habe eine Tochter“ (Rumpelstilzchen 1:3). Der König antwortete darauf: „Bring sie Morgen in mein Schloß“ (Rumpelstilzchen 1:3). In ähnlicher Weise bitten Jehovas Zeugen jeden, der ihre Zusammenkünfte besucht, auch seine Angehörigen mitzubringen, und bearbeiten diese dann so lange, bis auch sie sich taufen lassen. Im Gegenbild stellt der „Müller“ diejenigen Zeugen Jehovas dar, die als Erwachsene im Predigtwerk „gefischt“ werden. Seine „Tochter“ steht dagegen für all diejenigen Zeugen Jehovas, die schon als solche aufgewachsen sind.

Doch auf das Mädchen wartet eine unangenehme Überraschung: „Als nun das Mädchen zu ihm [dem König] gebracht ward, führte er es in eine Kammer, die ganz voll Stroh lag, gab ihr Rad und Haspel und sprach ‚jetzt mache dich an die Arbeit, und wenn du diese Nacht durch bis morgen früh dieses Stroh nicht zu Gold versponnen hast, so mußt du sterben.‘ Darauf schloß er die Kammer selbst zu, und sie blieb allein darin“ (Rumpelstilzchen 1:4, 5).

Dadurch wurde treffend dargestellt, was auf einen Zeugen Jehovas unmittelbar nach seiner Taufe zukommt. Er bekommt ein Gebiet zugeteilt, und sinngemäß sagt die Wachtturm-Organisation zu ihm: „Jetzt mache dich an die Arbeit, und wenn du nicht genug predigst, so musst du in Harmagedon sterben!“ Tatsächlich heißt es im Wachtturm mit Bezug auf die nahe Zukunft, nur wer „fortfährt, die Königreichsbotschaft zu predigen und vor dem kommenden Gericht Jehovas zu warnen, wird Gottes Gunst genießen und überleben“ (Ausgabe vom 1. Oktober 1989, Seite 14).

So, wie der König die Müllerstochter „allein“ in der Kammer ließ, so fühlen sich auch viele Zeugen Jehovas nach ihrer Taufe allein gelassen. All die Verkündiger, die vorher regen Kontakt mit ihnen hatten, lassen sie nun allein, weil sie die Zeit jetzt nicht mehr berichten können. Man erwartet, dass sie ihrer Verpflichtung dem ‚treuen und verständigen Sklaven‘ gegenüber nun alleine nachkommen. Sie sollen für die Wachtturm-Gesellschaft ‚Stroh zu Gold spinnen‘, indem sie auf strohgleiches Papier gedruckte Zeitschriften verbreiten und dafür goldgleiche Spenden geben.image

Die Prophezeiung sagt über die Müllerstochter: „Ihre Angst ward immer größer, daß sie endlich zu weinen anfieng“ (Rumpelstilzchen 1:5). Viele Zeugen Jehovas empfinden nach ihrer Taufe ähnlich. Sie fürchten sich vor dem Predigtdienst, aber „ihre Angst“, in Harmagedon vernichtet zu werden, ist noch größer, so dass sie trotzdem einige Stunden im Predigtdienst verbringen.

Im prophetischen Vorbild „gieng auf einmal die Thüre auf, und [da] trat ein kleines Männchen herein“ (Rumpelstilzchen 1:7). Auf die Frage, warum sie weint, antwortete die Müllerstochter: „Ich soll Stroh zu Gold spinnen, und verstehe das nicht“ (Rumpelstilzchen 1:8). Das ‚kleine Männchen‘ stellt die Ältesten dar, die somit die Rumpelstilzchen-Klasse bilden. Diese merken aufgrund des schlechten Berichts, dass etwas mit dem neuen Verkündiger nicht stimmt, und besuchen ihn zu Hause. Er weiß, dass er die Aufgabe hat, die Ergüsse des ‚treuen und verständigen Sklaven‘ an den Mann zu bringen, aber er traut sich nicht so richtig. Die Ältesten geben ihm liebevollen Rat und begleiten ihn im Predigtdienst. Die Kosten, etwa für Benzin, trägt natürlich der Verkündiger, genauso wie die Müllerstochter ihr Halsband opferte, damit das Stroh zu Gold versponnen werden konnte (Rumpelstilzchen 1:9).

Die Prophezeiung lautet weiter: „Bei Sonnenaufgang kam schon der König und als er das Gold erblickte, erstaunte er undimage freute sich, aber sein Herz ward nur noch goldgieriger“ (Rumpelstilzchen 2:1). Der „Sonnenaufgang“ symbolisiert den Monatsanfang, die Zeit, in der die Predigtdienstberichte bei der Wachtturm-Gesellschaft eingehen. Dort freut man sich über jede aufgeführte Stunde, aber trotzdem will man immer noch mehr aus den Verkündigern herausholen.

Der König „ließ die Müllerstochter in eine andere Kammer voll Stroh bringen, die noch viel größer war, und befahl ihr das auch in einer Nacht zu spinnen, wenn ihr das Leben lieb wäre“ (Rumpelstilzchen 2:2). Zeugen Jehovas dürfen nie aufhören, ‚Stroh zu Gold zu spinnen‘, d. h. die Habe der Wachtturm-Gesellschaft im Predigtdienst zu mehren. Statt damit zufrieden zu sein, dass der neue Verkündiger sich regelmäßig daran beteiligt, fordert die Organisation ihn durch ihre Literatur und die Zusammenkünfte ständig auf, noch mehr zu tun.

Beispielsweise werden immer wieder Aussagen gemacht wie: „Jugendliche, die zur Schule gehen, werden sicherlich etwas von ihren Sommerferien gebrauchen wollen, um vermehrten Dienst oder den Hilfspionierdienst durchzuführen“ (Unser Königreichsdienst, April 1982, Seite 3). Diese ständige Berieselung verfehlt ihre Wirkung nicht; im Vorbild wusste „das Mädchen … sich nicht zu helfen und weinte“, doch „da gieng abermals die Thüre auf, und das kleine Männchen erschien“ (Rumpelstilzchen 2:3, 4).

In der neuzeitlichen Parallele wissen viele junge Verkündiger nicht, wie sie den Hilfspionierdienst durchführen sollen. Doch wenn sie die o. g. Aufforderung zum Hilfspionierdienst nicht von selbst in die Tat umsetzen, bekommen sie über kurz oder lang Besuch von der Rumpelstilzchen-Klasse, den Ältesten. Diese werden ihnen zu verstehen geben, dass sie den Hilfspionierdienst durchführen müssen, ‚wenn ihnen das Leben lieb ist‘. Vielleicht zitieren sie einen passenden Artikel aus der Wachtturm-Literatur, wie etwa diesen: „Nachdem wir uns einmal entschlossen haben, uns Jehova hinzugeben, um seinen Willen zu tun, gibt es kein Zurück mehr. Jehova erwartet von uns mit Recht, daß wir ‘unser Gelübde bezahlen’. Wer seinen Verpflichtungen gegenüber Jehova willentlich und wissentlich nicht nachkommt, verdient den Tod“ (Der Wachtturm, 1. Juni 1972, Seite 337).

Mit Hilfe der Ältesten und noch höheren Benzinkosten – in der Prophezeiung dargestellt durch den „Ring von dem Finger“ – schafft es der junge Verkündiger schließlich, den Hilfspionierdienst durchzuführen (Rumpelstilzchen 2:5). Würde der „treue und verständige Sklave“ jetzt zufrieden sein? Nein, „der König freute sich über die Maßen bei dem Anblick, war aber noch immer nicht Goldes satt, sondern ließ die Müllerstochter in eine noch größere Kammer voll Stroh bringen und sprach ‚die mußt du noch in dieser Nacht verspinnen‘“ (Rumpelstilzchen 3:1).

Im Auftrag der Organisation reden die Ältesten weiter auf den imagejungen Verkündiger ein. Sie zitieren aus der Wachtturm-Literatur viele Beispiele von Jugendlichen, die gleich nach der Schule den allgemeinen Pionierdienst aufnahmen. Irgendwann beugen sich viele diesem Druck, so wie die Müllerstochter im prophetischen Vorbild; sie „wußte sich auch in der Noth nicht anders zu helfen; sie versprach also dem Männchen was es verlangte“ (Rumpelstilzchen 3:3).

Die meisten bleiben dann auch eine Zeitlang in diesem Dienst tätig und erreichen ihr jährliches Stundenziel. Die Wachtturm-Gesellschaft freut sich über ihre Predigtdienst-berichte, so wie „am Morgen der König kam und alles fand wie er gewünscht hatte“  (Rumpelstilzchen 3:5). Doch mit der Zeit änderten sich die Verhältnisse.

In der Prophezeiung heißt es weiter über die Müllerstochter: „Über ein Jahr brachte sie ein schönes Kind zur Welt und dachte gar nicht mehr an das Männchen“ (Rumpelstilzchen 4:1). Die Jahre vergehen, und der ehemals eifrige Jugendliche zieht aus dem Elternhaus aus, heiratet und gründet eine Familie. Unter dem Einfluss der Welt wird er schwach im Glauben und lässt im Predigtdienst nach. Vielleicht hört er sogar auf, die Zusammenkünfte regelmäßig zu besuchen.

„Da trat es [das Männchen] plötzlich in ihre Kammer und sprach ‚nun gib mir was du versprochen hast‘“ (Rumpelstilzchen 4:2). Die Ältesten beobachten die Entwicklung natürlich mit Sorge und statten dem schwach gewordenen Verkündiger einen unerwarteten Besuch ab. Sie machen ihm unmissverständlich klar: Wer sich weigert, auf sie zu hören und sich in vollem Maße am Predigtdienst und an den Zusammenkünften zu beteiligen, „kann natürlich nicht hoffen zu überleben“ (Der Wachtturm, 15. September 1988, Seite 14).

Diesmal lässt sich der Verkündiger aber nicht mehr so leicht einwickeln. Durch das Internet weiß er über die Machenschaften der Wachtturm-Organisation Bescheid. Das wurde in der Prophezeiung durch einen Boten dargestellt, der „ein gar zu lächerliches Männchen“ beobachtete, das „schrie ‚heute back ich, morgen brau ich‘“ (Rumpelstilzchen 4:7).

In der Tat spielen sich Älteste zwar in der Versammlung als „Fürsten“ auf, doch außerhalb der Wachtturm-Organisation sind sie oft ‚gar zu lächerliche Männchen‘ (Der Wachtturm, 1. Juni 1999, Seite 9). Viele Älteste stehen unter dem Pantoffel ihrer Frau; andere, die von Kindesbeinen an eine „theokratische“ Karriere verfolgten, haben keine Ahnung vom Leben und davon, wie die Welt funktioniert. In der Prophezeiung sagte Rumpelstilzchen „heute back ich, morgen brau ich“; tatsächlich sind viele Glieder der Rumpelstilzchen-Klasse Schlemmer und Alkoholiker.

Weiter sagte das Männchen in der Prophezeiung: „Ach, wie gut ist daß niemand weiß daß ich Rumpelstilzchen heiß!“ (Rumpelstilzchen 4:9). Die gegenbildliche Rumpelstilzchen-Klasse hat keinen geheimen Namen, aber auch sie sind froh, dass die einfachen Verkündiger nicht alles wissen. Sie sagen gleichermaßen: „Ach, wie gut ist, dass niemand weiß, wie oft sich der ‚treue und verständige Sklave‘ schon geirrt hat, dass die Wachtturm-Gesellschaft als NGO bei der UNO registriert war und wie es bei unseren Besprechungen wirklich zugeht.“

Doch der junge Verkündiger weiß über alles Bescheid. Das Internet, der gegenbildliche Bote, hat ihm alles über die Machenschaften der Wachtturm-Gesellschaft verraten. Er konfrontiert die Ältesten mit der UNO-Affäre und der Zusammenarbeit mit der OSZE, mit Tonbandaufnahmen über das Jahr 1975 sowie mit Zitaten aus den Schriftstudien und alten Wachtturm-Ausgaben.

Wie reagierte Rumpelstilzchen darauf, dass die Müllerstochter über seine Identität Bescheid wusste? „‘Das hat dir der Teufel gesagt, das hat dir der Teufel gesagt‘ schrie das Männlein“ (Rumpelstilzchen 4:12). Ähnlich gehen auch die Ältesten, die die Rumpelstilzchen-Klasse bilden, vor. Statt in irgendeiner Form auf die vorgetragenen Argumente einzugehen, tun sie sie als „Gedankengut von Abtrünnigen“ ab und bezeichnen diese als „Handlanger Satans“ sowie „Feinde Gottes“ (Unser Königreichsdienst, November 1999, Seite 3; Der Wachtturm, 15. August 1990, Seite 16; Einsichten über die Heilige Schrift, Band 2, Seite 253).

Da sie die Wahrheit über Rumpelstilzchen erkannte, konnte die Müllerstochter ein erfülltes Leben ohne Bevormundung führen. Das gleiche kann auch von vielen jungen Leuten gesagt werden, die zwar als Zeugen Jehovas aufwachsen, aber rechtzeitig die Wahrheit über die Wachtturm-Organisation erkennen und sich von ihr lösen.

Wie wird es mit Jehovas Zeugen weitergehen? Auch diese Frage wird im Buch Rumpelstilzchen behandelt. „Das Männlein … stieß mit dem rechten Fuß vor Zorn so tief in die Erde, daß es bis an den Leib hineinfuhr, dann packte es in seiner Wuth den linken Fuß mit beiden Händen und riß sich selbst mitten entzwei“ (Rumpelstilzchen 4:13). In ähnlicher Weise werden die Rumpelstilzchen-Klasse und die von ihr vertretene Wachtturm-Organisation für immer vom Erdboden verschwinden. Was für eine großartige Befreiung das sein wird!


[1] Soweit nicht anders vermerkt, sind die Zitate in diesem Artikel aus Kinder- und Hausmärchen Band 1, Große Ausgabe, 7. Auflage 1857 entnommen.

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