Die Wichtelmänner – Verkündiger des Königreiches Gottes

Nachdruck aus Erbrechet!, Oktober 2012

„Sie laufen so herum … und müssen frieren.“ (Wichtelmänner 1:11)

Die Prophezeiung der Gebrüder Grimm ist eine zuverlässige Quelle zeitloser Wahrheiten. Im Rahmen der Artikelserie Die Prophezeiung der Gebrüder Grimm – Achte darauf! wird in diesem Artikel das Buch Die Wichtelmänner betrachtet. Es erfüllt sich direkt vor unseren Augen an der Wachtturm-Organisation, und zweifellos wird die Prophezeiung unseren Glauben an die Wahrheit stärken.

Die Prophezeiung beginnt mit den Worten: „Es war ein Schuster … so arm geworden, daß ihm endlich nichts mehr übrig blieb als Leder zu einem einzigen Paar Schuhe“ (Wichtelmänner 1:1). Hier können wir bereits deutlich erkennen, um wen es sich bei dem armen „Schuster“ handelt. Ein Schuster stellt Schuhe her, und wie der Apostel Paulus schrieb, sind manche „Füße beschuht mit der Ausrüstung der guten Botschaft“ (Epheser 6:15). Die „Schuhe“ stellen deshalb die „Ausrüstung“ da, die erforderlich ist, um die „gute Botschaft“ zu predigen – Zeitschriften, Bücher und Broschüren, aber auch Bethelheime und andere Einrichtungen. All diese Mittel werden „unter der Aufsicht des ‚treuen und verständigen Sklaven‘“ produziert, der somit der „Schuster“ aus der Prophezeiung ist (Der Wachtturm, 15. Februar 2006, Seite 28).

Gemäß der Prophezeiung war der Schuster „arm geworden“. Viele der gesalbten Christen, aus denen der „treue und verständigen Sklave“ besteht, sind wegen ihres Verzichts auf höhere Bildung buchstäblich arm (Matthäus 24:45; Der Wachtturm, 1. Dezember 1996, Seite 19). Und in jedem Fall zählen sie zu den „Armen im Geiste“, die Jesus glücklich pries (Matthäus 5:3, Elberfelder 1905). Auf diesen Aspekt bezog sich Jesus auch in der Vision, die er dem Apostel Johannes gab: „Christus sagte zu … gesalbten Aufsehern: … ‚Ich kenne deine Drangsal und Armut‘“ (Der Wachtturm, 15. November 1989, Seite 22).

In seinen Anfängen war der „treue und verständige Sklave“ jedoch auch noch „arm“ an Anhängern. Im Jahr 1935 waren es weltweit nur um die 70.000 Personen. Was tat der „treue und verständige Sklave“ nun? Ging er sofort an die Arbeit, um neue Jünger zu machen? Nein, gemäß der Prophezeiung „legte er sich ruhig zu Bett, befahl sich dem lieben Gott und schlief ein. Morgens, nachdem er sein Gebet verrichtet hatte, … standen die beiden Schuhe ganz fertig auf seinem Tisch“ (Wichtelmänner 1:2, 3).

Der „treue und verständige Sklave“ arbeitet nicht, er lässt arbeiten. Nachdem ein Glied der Sklavenklasse bei der morgendlichen Anbetung im Bethel „sein Gebet verrichtet“ hat, damit die anderen Mitarbeiter denken, er sei ein gläubiger Mann, kann er in Ruhe in sein Büro zurückkehren und dort – zumindest in geistiger Hinsicht – weiterschlafen.

Mehrung

Die ungesalbten „anderen Schafe“ machen die ganze Arbeit, gehen von Haus zu Haus, schreiben und drucken die Zeitschriften, errichten die Bethelgebäude und so weiter. Auf diese Weise tragen sie dazu bei, anscheinend „die Habe des Herrn zu mehren“, doch da angeblich „der treue Sklave über die ganze Habe des Herrn gesetzt“ ist, mehren sie in Wirklichkeit die „Habe“ der Sklavenklasse – ihre Anhänger, ihre Gebäude, ihren materiellen Besitz (Der Wachtturm, 1. März 2004, Seite 12).

Wenn Kongresssäle oder Bethelgebäude nicht mehr gebraucht werden, geht der Gewinn natürlich an die Wachtturm-Gesellschaft und ihren ‚treuen Sklaven‘. Auf diese Weise wird die Schuster-Klasse immer reicher, wie die Prophezeiung weiter ausführt: „Bald darauf trat auch schon ein Käufer ein, und weil ihm die Schuhe so gut gefielen, so bezahlte er mehr als gewöhnlich dafür, und der Schuster konnte von dem Geld Leder zu zwei Paar Schuhen erhandeln. … Als er aufstand waren sie schon fertig, und es blieben auch nicht die Käufer aus, die ihm so viel Geld gaben daß er Leder zu vier Paar Schuhen einkaufen konnte. Er fand früh Morgens auch die vier Paar fertig; und so giengs immer fort“, so dass er „endlich ein wohlhabender Mann ward“ (Wichtelmänner 1:4-7).

Die unermüdliche Arbeit der Wichtelmänner-Klasse machte den ‚treuen und verständigen Sklaven‘ reich, sowohl was Anhänger als auch was buchstäblichen Besitz betrifft. An dieser Stelle geht die Prophezeiung nun näher auf diese Klasse ein und zeigt, wie sie vorgeht: „Da kamen zwei kleine niedliche nackte Männlein, setzten sich vor des Schusters Tisch, nahmen alle zugeschnittene Arbeit zu sich“ (Wichtelmänner 1:9). Die „anderen Schafe“ werden durch ‚zwei kleine niedliche nackte Männlein‘ dargestellt. Das ist passend, weil die Verkündiger meistens zu zweit von Haus zu Haus gehen und vielen Wohnungsinhabern durchaus als ‚zwei niedliche Männlein‘ erscheinen. Zwar sind sie nicht buchstäblich nackt, aber Nacktheit kann auch Armut darstellen, und die Armut kann man vielen Verkündigern an ihrer Kleidung ansehen (vergleiche Matthäus 25:36).

Doch bevor die „Wichtelmänner“ die Arbeit erledigten, „setzten [sie] sich vor des Schusters Tisch“, d. h. in den Königreichssaal, in dem die gesalbte Schuster-Klasse „geistige Speise“ austeilt (Der Wachtturm, 15. März 1990, Seite 11). Dort „nahmen [sie] alle zugeschnittene Arbeit zu sich“, d. h. die Zeitschriften, die schon in der Druckerei auf ein handliches Format ‚zugeschnitten‘ worden sind.

Predigtdienst

Dann gingen sie in den Predigtdienst und „ließen nicht nach, bis alles zu Ende gebracht war, … dann sprangen sie schnell fort“ (Wichtelmänner 1:10). In ähnlicher Weise harren die meisten Verkündiger aus, bis sie die vereinbarte Anzahl an Predigtdienststunden abgeleistet haben; danach ‚springen sie schnell fort‘ und gehen nach Hause.

Schließlich beschreibt die Prophezeiung eine „Frau“, die zum Schuster sagt: „Die kleinen Männer haben uns reich gemacht, wir müßten uns doch dankbar dafür bezeigen. Sie laufen so herum, haben nichts am Leib und müssen frieren“ (Wichtelmänner 1:11). Diese Frau – offenbar eine gesalbte Christin, die als solche nicht zur Leitenden Körperschaft gehören kann – nimmt wiederum auf die „Nacktheit“ der anderen Schafe Bezug, die ihre Armut symbolisiert. Wenn sie im Predigtdienst ‚herumlaufen‘, müssen sie auch buchstäblich „frieren“, zumindest im Winter. Und was sie sagt, ist zutreffend – die „kleinen Männer“, d. h. die einfachen Verkündiger aus den Reihen der ‚anderen Schafe‘, haben die Wachtturm-Organisation „reich gemacht“, reich an Anhängern, Gebäuden und sonstigem Vermögen.

Diese Frau empfiehlt der Schuster-Klasse zwar, sie solle sich „dankbar dafür bezeigen“. Doch die Männer in der Leitenden Körperschaft wissen natürlich, dass es eine Sünde gegen Gott wäre, auf eine Frau zu hören
(1. Korinther 11:3). Daher belohnen sie die ‚anderen Schafe‘ nicht für ihren treuen Dienst, sondern versprechen ihnen eine künftige Belohnung von Gott und treiben sie stattdessen zu noch mehr Predigtdienst an.

Keine „Schuster“ mehr

Da die versprochene Belohnung nach wie vor auf sich warten lässt, werden immer mehr Verkündiger müde und hören auf, die Zusammenkünfte zu besuchen. Oft bitten sie andere Zeugen Jehovas, ihnen wenigstens die Zeitschriften nach Hause zu bringen. Die Prophezeiung fährt dann fort: „Als sie aber kein zugeschnittenes Leder … fanden, verwunderten sie sich erst, dann aber bezeigten sie eine gewaltige Freude“ (Wichtelmänner 1:13). Gemäß einer internen Anweisung der Wachtturm-Gesellschaft ist es nämlich nicht erlaubt, Verkündigern, die die Zusammenkünfte ohne zulässigen Grund versäumen, die Zeitschriften nach Hause zu bringen.

Wenn solche Verkündiger dann über längere Zeit kein „zugeschnittenes Leder“, d. h. keine Zeitschriften, in ihren Briefkästen finden, ‚verwundern sie sich‘ oft darüber. Doch nach ein paar Wochen ohne Indoktrination durch den Wachtturm verwandelt sich die Verwunderung in „eine gewaltige Freude“. Nach einiger Zeit haben sie auch die altmodischen Kleidervorschriften der Wachtturm-Organisation hinter sich gelassen und kaufen sich moderne, ansehnliche Kleidung, die sie als Zeugen Jehovas nicht hätten tragen dürfen. In der Prophezeiung heißt es über solche Glieder der Wichtelmänner-Klasse: „Mit der größten Geschwindigkeit zogen sie sich an, strichen die schönen Kleider am Leib und sangen ‚sind wir nicht Knaben glatt und fein? was sollen wir länger Schuster sein!‘“ (Wichtelmänner 1:14).

Endlich glücklich

Viele ehemalige Verkündiger erkennen schnell, dass das Leben als Prediger ihnen kein Glück gebracht hat. Sie wollen nicht „länger Schuster sein“, d. h. im Auftrag der Schuster-Klasse von Haus zu Haus gehen und nach neuen ‚Wichtelmännern‘ suchen. Als die Wichtelmänner in der Prophezeiung an diesem Punkt angelangt waren, „hüpften und tanzten sie, und sprangen über Stühle und Bänke. Endlich tanzten sie zur Thüre hinaus. Von nun an kamen sie nicht wieder“ (Wichtelmänner 1:15). Sie verlassen die Gemeinschaft der Zeugen Jehovas und setzen nie wieder einen Fuß in einen Königreichssaal.

Ist das Buch Wichtelmänner nicht eine großartige Ermunterung für alle Zeugen Jehovas? Jetzt ist die Zeit, es den Wichtelmännern gleich zu tun und der Wachtturm-Organisation für immer den Rücken zu kehren!


*) Soweit nicht anders vermerkt, sind die Zitate in diesem Artikel aus Kinder- und Hausmärchen Band 1, Große Ausgabe, 7. Auflage 1857 entnommen.

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