Der faule Heinz – Verkündiger des Königreiches Gottes

Nachdruck aus Erbrechet!, Oktober 2009

„‚Ich weiß was ich thue,‘ rief er aus, ‚ich heirathe die dicke Trine.‘“ (Heinz 1:4)

Die Prophezeiung der Gebrüder Grimm war seit jeher eine Inspiration für wahre Anbeter Gottes. Sie stärkt unser Vertrauen in die Fähigkeit des Schöpfers, die Zukunft vorherzusagen. Dies trifft auch auf die Prophezeiung vom faulen Heinz zu, die nun Gegenstand unserer Betrachtung sein wird.

imageDer Prophet kommt ohne große Umschweife gleich zur Sache, wenn er seine Prophezeiung mit den Worten einleitet: Heinz war faul, und obgleich er weiter nichts zu thun hatte, als seine Ziege täglich auf die Weide zu treiben, so seufzte er dennoch, wenn er nach vollbrachtem Tagewerk Abends nach Hause kam. ‚Es ist in Wahrheit eine schwere Last,‘ sagte er, ‚und ein mühseliges Geschäft, so eine Ziege Jahr aus Jahr ein … ins Feld zu treiben‘“ (Heinz 1:1).[1]

Die Brüder Grimm beziehen sich hier zweifellos auf die gesalbte Fauler-Heinz-Klasse, die zu Anfang des 20. Jahrhunderts das Predigtwerk alleine durchführen musste. Selbstverständlich hatten damals (wie heute) die Männer die eigentliche Verantwortung, und es war ihre Aufgabe, die weiblichen Gesalbten – die Ziegen-Klasse – „ins Feld zu treiben“, d. h. in den Feld- oder Predigtdienst mitzunehmen.

imageDie Faule-Heinz-Klasse betrachtete das als „eine schwere Last“ und beschwerte sich: „Wenn man sich noch dabei hinlegen und schlafen könnte! aber nein, da muß man die Augen auf haben, damit sie die jungen Bäume nicht beschädigt, durch die Hecke in einen Garten dringt oder gar davon läuft. Wie soll da einer zur Ruhe kommen, und seines Lebens froh werden!“ (Heinz 1:2).

Es gefiel ihnen nicht, mit den Schwestern zusammen in den Predigtdienst zu gehen. Sie hatten ständig Angst, die Frauen könnten den Glauben der Interessierten – der „jungen Bäume“ – ‚beschädigen‘, indem sie etwas Unpassendes sagen. Sie fürchteten auch, die Schwestern könnten den Gegenargumenten der Wohnungsinhaber glauben und so von der Wachtturm-Organisation ‚davonlaufen‘.

Ein geschickter Plan

Wie die Prophezeiung weiter ausführt, setzte der faule Heinz „sich, sammelte seine Gedanken und überlegte wie er seine Schultern von dieser Bürde frei machen könnte“, doch „lange war alles Nachsinnen vergeblich“ (Heinz 1:3, 4). Es dauerte tatsächlich mehrere Jahrzehnte, bis die gesalbten Christen eine Lösung fanden. Doch „plötzlich fiels ihm wie Schuppen von den Augen. ‚Ich weiß was ich thue,‘ rief er aus, ‚ich heirathe die dicke Trine, die hat auch eine Ziege, und kann meine mit austreiben, so brauche ich mich nicht länger zu quälen.‘“ (Heinz 1:4, 5).

imageDer Wachtturm vom 1. Juli 1995 beschreibt die Erfüllung dieser Prophezeiung mit den Worten: „1932 ermunterten gesalbte Christen die anderen Schafe, sich von nun an am Predigtwerk zu beteiligen“ (Seite 15). Die Dicke-Trine-Klasse ist in der Tat identisch mit der „großen Volksmenge“, in der eine „Zunahme geistig wohlgenährter Christen“ zu beobachten ist (vergleiche Der Wachtturm, 15. Oktober 1985, Seite 18). Die „arbeitsame und tugendreiche … dicke Trine [ward] Heinzens Frau und trieb die beiden Ziegen aus“ (Heinz 1:6, 7). Männer aus der großen Volksmenge, die sogenannten Jonadabe, nahmen sowohl gesalbte als auch nichtgesalbte „Ziegen“ oder Schwestern mit in den Predigtdienst.

Das war ein geschickter Schachzug der Fauler-Heinz-Klasse, denn genauso wie die dicke Trine sind die Glieder der großen Volksmenge „arbeitsam, ehrlich und gehorsam“ (Der Wachtturm, 15. September 1981, Seite 10). „Als ‚Fronarbeiter‘ setzen die anderen Schafe bereitwillig sich selbst und ihre Mittel zur Unterstützung des weltumspannenden Predigtwerkes ein, das Christus seinen gesalbten Nachfolgern aufgetragen hat“ (Der Wachtturm, 15. Januar 2008, Seite 26). Ja, so wie die dicke Trine die Ziege des faulen Heinz mit austrieb, so führt auch die Dicke-Trine-Klasse das Predigtwerk durch, das Jesus eigentlich der gesalbten Fauler-Heinz-Klasse aufgetragen hat.

imageNun konnten die Gesalbten es sich in ihren Bethelheimen bequem machen: „Heinz hatte gute Tage und brauchte sich von keiner andern Arbeit zu erholen, als von seiner eigenen Faulheit. Nur dann und wann gieng er mit hinaus“ (Heinz 2:1). Die Glieder der Fauler-Heinz-Klasse verwiesen immer öfter auf ihre anstrengende Arbeit „in Verbindung mit dem Austeilen der geistigen ‚Speise zur rechten Zeit‘“ und gingen nur noch „dann und wann … mit hinaus“ in den Predigtdienst (Der Wachtturm, 1. August 1972, Seite 465).

Faulheit greift um sich

„Aber die dicke Trine war nicht minder faul“ und schlug vor, einen Bienenstock anzuschaffen: „Den Bienenstock stellen wir an einen sonnigen Platz hinter das Haus. … Die Bienen … sammeln Honig ohne daß es uns die geringste Mühe macht“ (Heinz 2:2-4). Ja, auch die „anderen Schafe“ ließen sich einiges einfallen, um sich das Leben leichter zu machen. Schon „gegen Ende des Jahres 1933“ – ein Jahr, nachdem die Fauler-Heinz-Klasse sie ermuntert hatte, sich am Predigtdienst zu beteiligen – „wurde eine neue Predigtmethode eingeführt. Jeder Zeuge stellte sich vor und überreichte dem Wohnungsinhaber eine Zeugniskarte mit einer kurzen Botschaft zum Lesen“ (Jehovas Zeugen – Verkündiger des Königreiches Gottes, Seite 564).

imageNoch ein Jahr später wurde ein weiteres bienenähnliches Hilfsmittel eingeführt. „Einige Zeugen begannen 1934 damit, tragbare Grammophone mitzunehmen, wenn sie in den Dienst gingen. … Im Jahre 1937 begann man, das tragbare Grammophon an den Türen zu gebrauchen. Die Verfahrensweise war einfach: Nachdem der Zeuge erklärt hatte, daß er eine wichtige biblische Botschaft zu überbringen habe, setzte er die Nadel auf die Platte, und die Predigt lief ab. … Um das Jahr 1940 waren 40 000 Grammophone im Gebrauch. … Über 90 Vorträge wurden aufgenommen; mehr als eine Million Platten waren im Umlauf“ (Jehovas Zeugen – Verkündiger des Königreiches Gottes, Seite 565).

So wie Bienen in großer Zahl ausströmen und Honig sammeln, ohne dass ihr Besitzer etwas tun muss, so gebrauchte die Dicke-Trine-Klasse Millionen von Schallplatten. Sie stellten einfach das Grammophon „an einen sonnigen Platz hinter das Haus“ und ließen ihre Propagandavorträge auf die Menschen wirken. Dabei wurden so viele honiggleiche imageneue Verkündiger eingesammelt, „daß Heinz im Herbst einen ganzen Krug voll heraus nehmen konnte“ (Heinz 2:6).

Jehovas Zeugen führen ihre Statistik nicht nach Kalenderjahren, sondern nach „Dienstjahren“, die jeweils von September bis August dauern. Daher konnten sie jeweils Anfang September – „im Herbst“ – über eine neue Verkündigerhöchstzahl berichten. Es gab sozusagen jedes Jahr „einen ganzen Krug voll“ neuer Verkündiger, von denen viele auf den Kongressen im Sommer getauft worden waren.

Neue Gefahren

Mit der Verkündigerzahl stieg auch die Angst davor, einige der Anhänger wieder zu verlieren. Schließlich waren einige Prophezeiungen nicht eingetroffen, etwa, dass Harmagedon in den 1940er Jahren kommen oder dass der Zweite Weltkrieg in dieses münden würde. Einige Verkündiger hätten auf die Idee kommen können, der Präsident der Wachtturm-Gesellschaft wäre gar nicht Gottes Mitteilungskanal, und davon sogar anderen erzählen.

Daher ergriffen die Führer der Wachtturm-Organisation geeignete Gegenmaßnahmen. „Sie stellten den Krug auf ein Brett. … Weil sie fürchteten er könnte ihnen gestohlen werden oder die Mäuse könnten darüber gerathen, so holte Trine einen starken Haselstock herbei und legte ihn neben ihr Bett, damit sie ihn, ohne unnöthigerweise aufzustehen, mit der Hand erreichen und die ungebetenen Gäste von dem Bette aus verjagen könnte“ (Heinz 2:7-9).

Diese Prophezeiung erfüllte sich im Jahr 1952, als die Wachtturm-Organisation den Gemeinschaftsentzug einführte, damit mausgleiche Abtrünnige keinen Kontakt mehr mit den honigähnlichen Verkündigern haben konnten. Gleich einem „starken Haselstock“ ist der Gemeinschaftsentzug seitdem das geeignete Mittel, um unerwünschte Personen aus der Versammlung zu „verjagen“.

Neueste Entwicklungen

Mit den Jahrzehnten wurden die Glieder der gesalbten Fauler-Heinz-Klasse immer älter und daher noch fauler. Die Prophezeiung erklärt: „Der faule Heinz verließ das Bett nicht gerne vor Mittag: ‚wer früh aufsteht,‘ sprach er, ‚sein Gut verzehrt.‘ Eines Morgens als er so am hellen Tage noch in den Federn lag und von dem langen Schlaf ausruhte, sprach er zu seiner Frau ‚die Weiber lieben die Süßigkeit, und du naschest von dem Honig‘“ (Heinz 3:1, 2).

Die Gesalbten hatten sich Jahrzehnte in einem „langen [geistigen] Schlaf“ befunden. Bisher mussten sie sich sowohl um das Austeilen der „geistigen Speise“ kümmern als auch um die Verwaltung ihrer Besitztümer. Doch nun sprach die die gesalbte Fauler-Heinz-Klasse zur Dicke-Trine-Klasse: „Du naschest von dem Honig.“ Sie luden also Glieder der „großen Volksmenge“ ein, auch einen Anteil am Ausnutzen der einfachen Verkündiger zu haben. Einigen Gliedern der Dicke-Trine-Klasse wie Don Adams kam das ganz recht, und so erklärten sie sich im Jahr 2000 einverstanden, die Führung der Wachtturm-Gesellschaft und der anderen Rechtskörperschaften zu übernehmen (siehe Der Wachtturm, 15. Januar 2001, Seite 28).

imageMit dem Hinweis darauf, dass sie schon jahrzehntelang dienten, fragten sie: „Soll ich mich etwa mit den jungen Gänsen plagen und meine Kräfte dabei unnöthigerweise zusetzen?“ (Heinz 3:3). Die ‚jungen Gänse‘ sind junge Verkündiger, die meistens nicht im Predigtdienst gefunden wurde, sondern Kinder von Zeugen Jehovas sind. Tatsächlich sind junge Verkündiger heute meistens gut informiert und lassen sich nicht mehr so viel bieten wie ihre Eltern und Großeltern.

Informationsgesellschaft

Sowohl der Leitenden Körperschaft, die weiterhin aus Gliedern der Fauler-Heinz-Klasse besteht, als auch den Gliedern der Dicke-Trine-Klasse, die die Vorstandsmitglieder der Wachtturm-Gesellschaft stellen, bereitet das Voranschreiten des Informationszeitalters große Sorgen: „Heutzutage gehorchen die Kinder nicht mehr: sie thun nach ihrem eigenen Willen, weil sie sich klüger dünken als die Eltern“ (Heinz 3:4). Immer mehr Zeugen Jehovas lassen sich nicht mehr alles bieten, was vom ‚treuen und verständigen Sklaven‘ kommt, und glauben nicht mehr alles. Gerade junge Leute forschen oft im Internet nach und glauben dann, sie wären „klüger … als die Eltern“, die sich weiterhin von der Wachtturm-Organisation versklaven lassen.

In der Prophezeiung wird dann noch jemand erwähnt, „der die Kuh suchen sollte, und drei Amseln nachjagte“ (Heinz 3:5). imageDer Auftrag, den die Fauler-Heinz-Klasse allen Verkündigern aufgetragen hat, lautet, „noch mehr ‚Schafe‘ zu suchen“ (Der Wachtturm, 1. September 1981, Seite 31). Und bekanntlich „gilt das Schaf häufig als Inbegriff der … Dummheit“, wie die Encyclopaedia Wikipedia feststellt. Dass der Knecht aus der Prophezeiung „die Kuh suchen sollte“, bedeutet also, dass er Menschen zur Organisation führen sollte, die einer ‚dummen Kuh‘ gleichen. Stattdessen brachte er Personen zur Versammlung, die „Amseln“ glichen und nach kurzer Zeit sozusagen davon flogen.

Die Führung der Wachtturm-Gesellschaft weiß sich nicht mehr anders zu helfen, als eine noch härtere Gangart gegenüber zweifelnden Verkündigern einzunehmen: „Dem soll es schlecht bekommen, wenn er nicht thut was ich sage. Einen Stock will ich nehmen und mit ungezählten Schlägen ihm die Haut gerben“ (Heinz 3:6). Verkündiger, die irgendwie am ‚treuen und verständigen Sklaven‘ zweifeln, werden einfach ausgeschlossen, „und der schöne Honig floß auf den Boden“ (Heinz 3:7).

Obwohl immer mehr Menschen ihre Organisation verlassen, sagen die Glieder der Fauler-Heinz-Klasse und auch die führenden Glieder imageder Dicke-Trine-Klasse: „Wir haben alle Ursache mit unserm Schicksal zufrieden zu sein.“ (Heinz 3:8). Tatsächlich lassen sie es sich in ihren Bethelheimen gutgehen. Für jeden maus- oder amselgleichen Verkündiger, der ihre Organisation verlässt, kommt mindestens ein schaf- oder kuhgleicher neuer Prediger hinzu. Während sie ihren Anhängern immer wieder einreden, Harmagedon stehe unmittelbar vor der Tür, sagen sie bei sich: „Der Tag ist doch noch lang genug. … Eilen thut nicht gut“ (Heinz 3:9, 11).

Sind wir nicht begeistert, wie genau die Prophezeiung der Gebrüder Grimm Einzelheiten von Entwicklungen offenbarte, die erst Jahrhunderte später ihren Lauf nahmen?


[1] Soweit nicht anders vermerkt, sind die Zitate in diesem Artikel aus Kinder- und Hausmärchen Band 2, Große Ausgabe, 7. Auflage 1857 entnommen.

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