Die Esel-Klasse in der Zeit des Endes

Nachdruck aus Erbrechet!, Juni 2009

„Sie hätte lieber gar kein Kind gehabt, als einen Esel.“ (Eselein 1:3)

Die Prophezeiung der Gebrüder Grimm ist ein kostbarer Schatz. Das Buch Eselein wird jedoch von den Kommentatoren Babylons der Großen kaum beachtet, weil ihnen der zum Verstehen notwendige Geist Gottes fehlt. Ein Vergleich des Buches mit anderen Aussagen der Heiligen Schrift lässt uns jedoch klar erkennen, wie sich das Buch erfüllt hat und welche wertvollen Lehren wir daraus ziehen können.

Die Prophezeiung beginnt mit den Worten: Es lebte einmal ein König und eine Königin, die waren reich, und hatten alles, was sie sich wünschten, nur keine Kinder“ (Eselein 1:1) [1]. Es handelt sich offensichtlich um ein gesalbtes Ehepaar, das Jehova gemeinsam diente. Sie „waren reich“ an guten Werken und Predigtdienststunden, und dank des Segens Jehovas wohl auch buchstäblich reich (Sprüche 10:22). Doch sie hatten „keine Kinder“, und „darüber klagte sie [die ‚Königin‘] Tag und Nacht“ (Eselein 1:2).

Schließlich „erfüllte Gott ihre Wünsche, als das Kind aber zur imageWelt kam, sah’s nicht aus wie ein Menschenkind, sondern war ein junges Eselein“  (Eselein 1:2). Ihr Sohn benahm sich „störrisch und rebellisch“ wie ein Esel und weigerte sich jahrelang, sich taufen zu lassen (5. Mose 21:18). Die treue Schwester nahm Zuflucht zu „Jammer und Geschrei“ (Eselein 1:3). Als ihre Geduld an Ende war, schrie sie, „sie hätte lieber gar kein Kind gehabt, als einen Esel, und sagte, man sollt’s in’s Wasser werfen“ (Eselein 1:3). Sie brachte also die Ältesten dazu, ihren Sohn zur Taufe im „Wasser“ zu drängen, und widerwillig gab er sich Jehova hin.

Zeitliche Einordnung

Das Buch Esra gibt uns einen deutlichen Hinweis auf die Zeit, in der sich diese Begebenheit zugetragen haben muss. Es heißt dort: „Die ganze Versammlung war als eine Gruppe an Zahl zweiundvierzigtausenddreihundertsechzig, außer ihren Sklaven und ihren Sklavinnen; diese waren siebentausenddreihundertsiebenunddreißig. … Ihrer Pferde waren siebenhundertsechsunddreißig, ihrer Maultiere zweihundertfünfundvierzig, ihrer Kamele vierhundertfünfunddreißig, ihrer Esel sechstausendsiebenhundertzwanzig“ (Esra 2:64-47).

Es geht also um eine Zeit, in der es etwa 42.360 gesalbte Christen und ungefähr 7.337 „Sklaven“, d. h. Jonadabe – insgesamt knapp 50.000 Verkündiger – gab. 1935 gab es 56.153 Verkündiger, also muss sich die erste Erfüllung der Prophezeiung Anfang der 1930er Jahre zugetragen haben. Von den damaligen Verkündigern erwiesen sich 245 als „Pferde“, die führend im Werk vorangingen. 435 Verkündiger gehörten zur Kamel-Klasse und 6.720 (etwa 13 %) zur Esel-Klasse.

Zu dieser Zeit waren noch einige Plätze im himmlischen Königreich zu vergeben, so dass der Vater des Esels sagen konnte: „Gott [hat] ihn gegeben, soll er auch … auf dem königlichen Thron sitzen und die königliche Krone tragen“ (Eselein 1:4). Er wünschte sich sehnlich, dass auch sein Sohn zu einem treuen Anbeter Jehovas werden und schließlich das himmlische Königreich erben würde. „Also ward das Eselein aufgezogen, nahm zu und die Ohren wuchsen ihm auch fein hoch und gerad hinauf“ (Eselein 1:5). Sie belehrten ihren Sohn rund um die Uhr über die wunderbaren Verheißungen aus Gottes Wort (5. Mose 6:7). Er „nahm zu“ an Erkenntnis, und seine „Ohren“ hörten in den Zusammenkünften aufmerksam zu.

Eselähnliche Eigenschaften

Doch über kurz oder lang kamen leider seine eselähnlichen Eigenschaften wieder zum Vorschein. Statt seine ganze Zeit und Kraft dem Predigtwerk zu widmen, war er „fröhlicher Art, sprang herum, spielte und hatte besonders seine Lust an der Musik“ (Eselein 2:1). Der junge Verkündiger besuchte zwar die Zusammenkünfte und beteiligte sich in einem gewissen Maß am Predigtdienst, doch er beschäftigte sich auch mit weltlicher Unterhaltung und freute sich, statt sich darüber zu beklagen, wie schlecht die Welt ist. Eines Tages kam er „an einen Brunnen“, schaute hinein und „sah im spiegelhellen Wasser seine Eseleins-Gestalt“ (Eselein 2:4).

Das „Eselein“ verstand langsam, dass es eine Art Doppelleben führte. „Darüber ward es so betrübt, daß es in die Welt hineinging“ (Eselein 2:4). Der Verkündiger hatte immer mehr Kontakt mit der Welt. Er und weltliche Freunde „zogen auf und ab, zuletzt kamen sie in ein Reich, wo einimage alter König herrschte“ (Eselein 2:4). Ja, sie begaben sich sogar an Orte, an denen der Einfluss Satans, des ‚alten Königs‘, besonders deutlich erkennbar war. Der eselähnliche Verkündiger war kurz davor, Gottes Organisation zu verlassen und vollständig ‚in die Welt hineinzugehen‘. Doch dann wurde er mit einem ernsten Problem konfrontiert.

„Da sagten sie: … ‚setz’ dich zu dem Kriegsvolk.‘ ‚Nein, sprach es‘“ (Eselein 2:8). Der junge Verkündiger wurde zum Wehrdienst einberufen, erinnerte sich an die biblischen Grundsätze und verweigerte den Militärdienst. Er erklärte auch, weshalb: „Ich will beim König sitzen“ (Eselein 2:9). Er hielt seinen Blick fest auf den Preis gerichtet, im Himmel zusammen mit Jesus auf dem Thron zu sitzen (Matthäus 19:28).

Der Ausgang

Seine weltlichen Freunde versuchten, ihn umzustimmen, indem sie ihn fragten: „Willst du Gold? … Willst du Kostbarkeiten und Schmuck?“ (Eselein 2:12, 13). Doch er antwortete jedes Mal mit „Nein“ (Eselein 2:12, 13). Er kam zur Vernunft und „warf … seine Eselhaut ab“ (Eselein 2:18). Von nun an gehörte er nicht mehr zur Esel-Klasse, sondern diente Jehova als treuer Verkündiger. Er bekam „das halbe Reich, und als er nach einem Jahr starb, hatte er das ganze“ (Eselein 3:3). Schon zu Lebzeiten wurde er von Gott gerecht gesprochen, er hatte sozusagen schon die „halbe“ Miete für das Königreich in der Tasche. Als er ein Jahr später bei einem Verkehrsunfall ums Leben kam, erbte er „das ganze“ Königreich, denn er wurde ‚in einem Nu verwandelt‘ und zu himmlischem Leben als König auferweckt (1. Korinther 15:51, 52).

Die Prophezeiung enthält jedoch auch einen Hinweis darauf, was mit Verkündigern passiert, die ein Teil der Esel-Klasse bleiben. Der König ließ nämlich „draußen ein gewaltiges Feuer anmachen und die [Esel-]Haut hineinwerfen und blieb selber dabei, bis sie ganz zu Asche verbrennt war“ (Eselein 2:23). Die Esel werden „in flammendem Feuer“ vernichtet werden, „wenn er [Gott] an denen Rache übt, die … der guten Botschaft über unseren Herrn Jesus nicht gehorchen“ (2. Thessalonicher 1:8, 9).

Die größere Erfüllung

Wer genau bildet nun die Esel-Klasse in der größeren Erfüllung? Es sind alle Verkündiger, die Jehova zwar dienen, die aber nicht genug tun, um gerettet zu werden (vgl. 2. Petrus 1:10). Wahrscheinlich machen sie – wie in der ersten Erfüllung in den 1930er Jahren – etwa 13 Prozent der gesamten Verkündigeranzahl aus, also derzeit rund eine Million. An dieser Gruppe wird besonders deutlich, wieso Zephanja zu Gottes Dienern sagte: „Wahrscheinlich könnt ihr am Tag des Zornes Jehovas geborgenimage werden“ (Zephanja 2:3). Ein Zeuge Jehovas zu sein, sich am Predigtdienst zu beteiligen und sich an die sonstigen Regeln der Wachtturm-Gesellschaft zu halten, reicht eben nur „wahrscheinlich“ für die Rettung.

Obwohl sie keine Belohnung erhalten sollen, werden die Glieder der Esel-Klasse doch für das Predigtwerk benötigt. Jesaja sagte zu den heutigen Ältesten: „Glücklich seid ihr, die ihr Samen sät an allen Wassern, indem ihr die Füße des Stieres und des Esels aussendet“ (Jesaja 32:20). Außer den gewöhnlichen Verkündigern beteiligen sich auch die Glieder der Stier-Klasse und der Esel-Klasse am Predigtwerk.

Wie der Esel Bileams, so verkündigen auch sie das Wort Gottes (4. Mose 22:28). Die Ältesten sind froh über ihren Einsatz und rufen aus: „Was wären wir nur ohne Esel!“ (Erwachet!, Dezember 2006, S. 26). Doch Verkündiger, die zur Esel-Klasse gehören, sind wirklich Esel, denn sie mühen sich ihr ganzes Leben für das Predigtwerk ab und erhalten dann doch keine Belohnung.

imageEin kleines Zugeständnis macht Jehova ihnen aber schon. In Harmagedon vernichtete Weltmenschen werden bekanntermaßen „nicht eingesammelt, noch werden sie begraben werden. Zu Dünger auf der Oberfläche des Erdbodens werden sie werden“ (Jeremia 8:2). Doch Glieder der Esel-Klasse werden zumindest „mit dem Begräbnis eines Esels … begraben werden“ (Jeremia 22:19).

Wollen wir uns niemals als Esel erweisen! Kennen wir jemanden, der wahrscheinlich zur Esel-Klasse gehört? Ermuntern wir ihn, seine eselähnlichen Eigenschaften abzulegen und mit uns Jehova noch mehr zu preisen!


[1] Soweit nicht anders vermerkt, sind die Zitate in diesem Artikel aus Kinder- und Hausmärchen, Große Ausgabe, Band 2, 1. Auflage 1815 entnommen.

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