Wasser des Lebens in unserer Zeit

Nachdruck aus Erbrechet!, Februar 2009

Die Prophezeiung der Gebrüder Grimm vom „Wasser des Lebens“ handelt von einem Mann, „der war krank, und niemand glaubte daß er mit dem Leben davon käme“ (Wasser 1:1)[1]. Das beschreibt treffend die Situation, in der sich die Welt im 19. Jahrhundert befand. Sie war in geistiger Hinsicht krank; die Menschen befanden sich in geistiger Finsternis. Die Menschen waren von den falschen Lehren der Christenheit gefangen, und es sah nicht so aus, als ob die wahre Anbetung wiederhergestellt würde.

Der König „hatte aber drei Söhne“, und ein weiser Mann sprach zu ihnen: „Ich weiß noch ein Mittel, das ist das Wasser des Lebens. … Es ist aber schwer zu finden“ (Wasser 1:2). Der „König“ ist der „König der Ewigkeit“, Jehova Gott (Off. 15:3). Die „Söhne“ stehen für verschiedene Erforscher der Bibel, die im 19. Jahrhundert versuchten, die durch das „Wasser des Lebens“ dargestellten kostbaren Wahrheiten zu ergründen. Paulus schrieb über sie: „Alle, die durch Gottes Geist geleitet werden, diese sind Söhne Gottes“ (Röm. 8:14).

Jeder von ihnen „dachte in seinem Herzen ‚bringe ich das Wasser, so bin ich meinem Vater der liebste und erbe das Reich’“ (Wasser 1:4). Ja, jeder dieser Männer wollte „Gottes Königreich erben“ (1. Kor. 6:10). Zwei der drei Söhne machten jedoch einen entscheidenden Fehler: Sie behielten ihre Erkenntnisse für sich. Sie begegneten einem „Zwerg auf dem Wege“ – einem „Kleingläubigen“, der nach wahrer Erkenntnis hungerte (Wasser 1:5). Sie hätten die Verpflichtung gehabt, ihm „die gute Botschaft über den Christus, Jesus, zu verkündigen“ (Apg. 5:42). Statt dessen sagten sie zu ihm: „Dummer Knirps, … das brauchst du nicht zu wissen“ (Wasser 1:6).

Paulus schrieb: „Wehe mir, wenn ich die gute Botschaft nicht verkündigte!“ (1. Korinther 9:16). Leider hielten sich die meisten Christen, die im 19. Jahrhundert Erkenntnis aus Gottes Wort erlangt hatten, vom Predigen zurück. Dadurch gelangten sie in eine geistige Sackgasse, was durch die Erfahrung eines der „Söhne“ dargestellt wird: Er „gerieth bald hernach in eine Bergschlucht, und je weiter er ritt, je enger thaten sich die Berge zusammen, und endlich ward der Weg so eng, daß er keinen Schritt weiter konnte; …. er saß da wie eingesperrt. … So gehts aber den Hochmüthigen“ (Wasser 1:8, 11).

Charles Taze Russell

Der Apostel Jakobus erklärte: „Gott widersteht den Hochmütigen, den Demütigen aber erweist er unverdiente Güte“ (Jak. 4:6). Die hochmütigen Geistlichen wurden von Jehova nicht mit Erkenntnis gesegnet; statt dessen erwies Jehova dem demütigen Charles Taze Russell „unverdiente Güte“. Er sagte praktisch zu ihm: „Weil du dich betragen hast, wie sichs geziemt, nicht übermüthig wie deine falschen Brüder, so will ich dir Auskunft geben und dir sagen wie du zu dem Wasser des Lebens gelangst“ (Wasser 1:14).

Russell „machte sich auf den Weg“, und „das Thor sprang beim dritten Ruthenschlag auf“ (Wasser 2:1). Er beachtete den Rat Jesu, der gesagt hatte: „Klopft immer wieder an, und es wird euch geöffnet werden“ (Mat. 7:7). Daher gab er nicht auf, als sich das Tor nach dem ersten und zweiten Klopfversuch nicht geöffnet hatte. Seine Beharrlichkeit wurde belohnt, als das Tor aufsprang.

Paulus schrieb über vorchristliche Diener Gottes, dass sie „der Löwen Rachen verstopften“ (Heb. 11:33). Gleichermaßen hatte Russell „die Löwen mit dem Brot gesänftigt“; die „Löwen“ stellen Geistliche der Christenheit dar, die er durch seine Redekunst zum Schweigen brachte (Wasser 2:2). Danach „trat er in das Schloß und kam in einen großen schönen Saal: darin saßen verwünschte Prinzen, denen zog er die Ringe vom Finger“ (Wasser 2:2). Die ‚verwünschten Prinzen’ sind andere Erforscher der Bibel, die durch ihre Weigerung, den „Zwergen“ zu predigen, ihre Hoffnung auf „Annahme an Sohnes Statt“ verspielt hatten (Röm 8:23). Er zog ihnen in Gottes Auftrag „die Ringe vom Finger“, die ihren eheähnlichen Bund mit Jesus darstellten. Durch seine Tätigkeit wurde bewiesen, dass sie keine wahren Christen waren.

„Weiter kam er in ein Zimmer, darin stand eine schöne Jungfrau“, die anstelle der ‚verwünschten Prinzen’ nun die Braut Christi werden sollte (Wasser 2:3). Paulus sprach bereits von dieser Klasse, die er ‚als eine keusche Jungfrau dem Christus darstellen’ wollte (2. Kor. 11:2). In dem Buch Gottes tausendjähriges Königreich hat sich genaht heißt es, „die als ‚keusche Jungfrau’ bezeichnete Klasse [begann] im Jahre 1874, dem himmlischen Bräutigam entgegenzugehen“ (S. 187).

Der Mitternachtsruf

Diese Zeitangabe wird durch die Prophezeiung vom Wasser des Lebens gestützt, denn sie sagt über Charles Taze Russell: „Als er erwachte, schlug es drei Viertel auf zwölf“ (Wasser 2:5). Gemäß der Encyclopaedia Wikipedia erlangte Russell viele seiner grundlegenden Erkenntnisse zwischen 1870 und 1875, als er mit Bekannten die Bibel studierte. In diese Zeit fällt das Jahr 1873, in dem Nelson H. Barbour die Zeitschrift The Midnight Cry („Der Mitternachtsruf“) veröffentlichte, um anzuzeigen, dass es „drei Viertel auf zwölf“ geschlagen hatte.

Die Zeitschrift wurde später in Herald of the Morning umbenannt, und Russell beteiligte sich von 1876 bis 1879 an der Herausgabe. Doch dann „sprang er ganz erschrocken auf … und eilte, daß er fortkam“, nachdem er festgestellt hatte, dass Nelson H. Barbour seine Lieblingslehre nicht unterstützte (Wasser 2:6). Schließlich „schlugs zwölf“; das geschah im Jahr 1914, als die „sieben Zeiten“ zu Ende gingen und somit die Zeit für die alte Welt abgelaufen war (Wasser 2:7).

Charles Taze Russell starb kurz darauf, aber er „war froh daß er das Wasser des Lebens erlangt hatte“ und „gieng heimwärts“ in den Himmel (Wasser 2:7). Seine Rolle auf der Erde übernahm nun Joseph F. Rutherford, doch dieser erklärte, image„daß obgleich Pastor Russell jenseits des Vorhanges eingegangen ist, er noch jeden Teil der Erntearbeit leitet“ (Das vollendete Geheimnis, S. 186).

Nun sagte jemand zu Rutherford: „Mit dem Schwert kannst du ganze Heere schlagen, das Brot aber wird niemals all“ (Wasser 2:9). Ja, mit dem „Schwert des Geistes“ konnten die Bibelforscher „ganze Heere“ von Geistlichen „schlagen“. Ihr „Brot“ – die von ihnen ausgeteilte geistige Speise – „wird niemals all“, d. h. sie geht nie aus. Es gibt immer genügend Schriften zum Studieren.

Einsammlung der „Brüder“

Der Prinz sprach nun zu einem Passanten: „Kannst du mir nicht sagen, wo meine zwei Brüder sind?“ (Wasser 3:1). Ebenso machten sich auch die Bibelforscher unter der Leitung von J. F. Rutherford auf die Suche nach ihren Brüdern. So heißt es in dem Buch Die Offenbarung – Ihr großartiger Höhepunkt ist nahe: „Von 1919 an … kamen einige von der neuzeitlichen Synagoge des Satans, der Christenheit, zum gesalbten Überrest, bereuten und ‘beugten sich nieder’, indem sie die Autorität des Sklaven anerkannten. In Gemeinschaft mit den älteren Gliedern der Johannes-Klasse dienten auch sie Jehova. So wurde die Vollzahl der gesalbten Brüder Jesu eingesammelt“ (S. 63).

Bereitwillig teilte J. F. Rutherford seine Erkenntnisse mit seinen Glaubensbrüdern; er „erzählte ihnen wie es ihm ergangen wäre, daß er das Wasser des Lebens gefunden … hatte“ (Wasser 3:2). Er gab tatsächlich eine große Menge Bücher und andere Schriften heraus, darunter Millionen jetzt lebender Menschen werden nie sterben, Schöpfung oder Religion.

Rutherford glaubte, kurz nach der Einsammlung seiner Brüder – die im Jahre 1935 zu Ende gewesen sein soll – in den Himmel zu kommen und dort als König zu regieren. Doch statt dessen gerieten er und seine Brüder „in ein Land, wo Hunger und Krieg war, und der König glaubte schon er müßte verderben, so groß war die Noth“ (Wasser 3:4). Statt Harmagedon kam „Hunger und Krieg“, wie auch von Jesus vorhergesagt worden war: „Nation wird sich gegen Nation erheben und Königreich gegen Königreich, und es wird Lebensmittelknappheit … geben“ (Mat. 24:7).

Der „König“ dieses Landes steht für die Menschheit, die damals große Not leiden musste. Inzwischen herrscht zwar in den meisten Ländern kein buchstäblicher Hunger mehr, aber dafür „herrscht zweifellos ein geistiger Hunger in der ganzen Welt“, wie in der Zeitschrift Erwachet! vom 1. April 1970 gesagt wurde (S. 221).

Das Werk Überleben – und dann eine neue Erde sagt dazu: „Einer der Hauptgründe für die Probleme der Menschheit ist eine geistige Hungersnot. Weil die Menschen Jehova verlassen haben, begünstigt er sie nicht mit einem Verständnis seines Wortes. … Geistig hungernde Menschen suchen verzweifelt nach Antworten. … Wahnsinnig vor geistigem Hunger, schaden solche Menschen oft sich selbst und anderen, während sie unmoralische oder kriminelle Dinge treiben“ (S. 79).

Leben retten in einer Zeit des Hungers

Glücklicherweise konnten Jehovas Zeugen, wie die Bibelforscher inzwischen genannt wurden, diesem geistigen Hunger abhelfen: „Da gieng der Prinz zu ihm und gab ihm das Brot, womit er sein ganzes Reich speiste und sättigte, und dann gab ihm der Prinz auch das Schwert“ (Wasser 3:5). Rutherford, seine Anhänger und seine Nachfolger haben „Milliarden von Bibeln [„das Schwert“] und Büchern, Broschüren und Zeitschriften [„das Brot“] verbreitet“, wie in Unserem Königreichsdienst vom März 2004 festgestellt wurde (S. 4).

Die Zahl drei „bedeutet Nachdruck sowie Eindringlichkeit“, heißt es in dem Buch Die Offenbarung – Ihr großartiger Höhepunkt ist nahe (S. 19). Daher kamen der Prinz und seine Brüder „noch in zwei Länder, wo Hunger und Krieg herrschten, und da gab der Prinz den Königen jedesmal sein Brot und Schwert. … Danach setzten sie sich auf ein Schiff, und fuhren übers Meer“ (Wasser 3:7, 8). Ja, die Tätigkeit der Zeugen Jehovas ist kein begrenzter Einsatz, sondern „ein weltumspannendes Werk“ (Unser Königreichsdienst, Februar 2003, S. 7). „Rund um die Erde beteiligen sich über sechs Millionen Zeugen Jehovas daran, anderen kostenlos ‚Wasser des Lebens’ zu bringen“ (Der Wachtturm, 1. August 2003, S.20). Überall versorgen sie die Menschen mit geistiger Speise und dem „Schwert des Geistes“ (Eph. 6:17).

Wie im Wachtturm vom 1. Januar 1976 gesagt wird, gab es immer wieder „Anfeindungen seitens der ‚unkrautgleichen’ Klasse der Geistlichkeit der Christenheit“ (S. 7). Doch den „beiden ältesten“ – den Geistlichen, deren Kirchen die ältesten sind – blieb nichts anderes übrig, als anzuerkennen: „Der jüngste [Russell, dessen Religion viel jünger ist als ihre] hat das Wasser des Lebens gefunden und wir nicht, dafür wird ihm unser Vater das Reich geben, das uns gebührt, und er wird unser Glück wegnehmen“ (Wasser 3:9).

Das wird wirklich geschehen; „die Kirchen der Christenheit und ihre Geistlichkeit werden plötzlich in die Vernichtung gestürzt werden“ (Der Wachtturm, 15. Juli 1974, S. 428). Doch nicht nur die Geistlichen bereiten dem „Königssohn“ – den gesalbten Dienern Gottes – Schwierigkeiten, sondern auch Abtrünnige. Diese „wurden … rachsüchtig und verabredeten mit einander daß sie ihn verderben wollten. … Da gossen sie das Wasser des Lebens aus dem Becher“ und gossen statt dessen „bitteres Meerwasser hinein“ (Wasser 4:1). Einige Abtrünnige geben ebenfalls Broschüren und Zeitschriften heraus, die in Aufmachung und Inhalt an die Publikationen der echten Zeugen Jehovas erinnern. Doch sie enthalten kein „Wasser des Lebens“, sondern „bitteres Meerwasser“. Über jemanden, der ihre Schriften las, sagt die Prophezeiung: „Kaum aber hatte er ein wenig von dem bitteren Meerwasser getrunken, so ward er noch kränker als zuvor“ (Wasser 4:2).

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Der König – Jesus Christus – ließ „das Urtheil über ihn [einen Abtrünnigen] sprechen daß er heimlich sollte erschossen werden“ (Wasser 4:4). Tatsächlich sagen schon heute viele Zeugen Jehovas zu Abtrünnigen: „Ich soll[te] euch todtschießen“ (Wasser 4:5). Doch der Wachtturm vom
15. Januar 1953 musste seine Leser ermahnen: „Da uns durch die Gesetze der weltlichen Nationen, … Schranken auferlegt sind, können wir nur bis zu einem gewissen Grade gegen Abgefallene Schritte unternehmen. … Das Gesetz des Landes und das Gesetz Gottes durch Christus Jesus verbietet uns, Abgefallene zu töten, auch wenn sie Glieder unserer eigenen Blutsverwandtschaft sind.“ Aber Harmagedon ist greifbar nahe, und spätestens dann werden „Abtrünnige auf der ganzen Erde vernichtet werden“, wie in Unserem Königreichsdienst vom September 1973 angekündigt wurde (S. 6).

„Dies ist der Weg“

Die Prophezeiung sagt weiter: „Die Königstochter aber ließ eine Straße vor ihrem Schloß machen, die war ganz golden und glänzend“ (Wasser 4:8). Tatsächlich beenden viele der gesalbten Zeugen Jehovas ihren irdischen Lauf und kommen in den Himmel, wo sie ein Teil des ‚Neuen Jerusalem’ werden, das „wie eine für ihren Mann geschmückte Braut“ aussieht (Off. 21:2). Genau wie in der Prophezeiung ist „die breite Straße der Stadt … lauteres Gold, wie durchsichtiges Glas“ (Off. 21:21).

Aber nur, „wer darauf geradeswegs zu ihr geritten käme, das wäre der rechte und den sollten sie einlassen“ (Wasser 4:9). Daher sagen die gesalbten Zeugen Jehovas immer wieder zueinander und zu ihren Anhängern: „Dies ist der Weg, ihn woll’n wir gehn“ (Singt Jehova Loblieder, Lied 42). Auch Anhänger der Christenheit versuchten, Zutritt zum neuen Jerusalem zu erlangen; dies wird durch einen Reiter dargestellt, der „ritt links nebenher. Wie er aber vor das Thor kam, sagten die Leute er wäre der rechte nicht, er sollte wieder fortgehen“ (Wasser 5:1). Wie vorhergesagt, wird Jesus solchen Personen „dann bekennen: Ich habe euch nie gekannt! Weicht von mir, ihr Täter der Gesetzlosigkeit“ (Mat. 7.23).

Wenn alle 144 000 Gesalbten im ‚Neuen Jerusalem’ versammelt sein werden, wird auch Jesus, der „Bräutigam“, dort erscheinen (Mar. 2:19). „Als er vor das Thor kam, ward es aufgethan, und die Königstochter empfieng ihn mit Freuden und sagte er wär ihr Erlöser und der Herr des Königreichs, und ward die Hochzeit gehalten mit großer Glückseligkeit“ (Wasser 5:2). Die „Hochzeit des Lammes“ wurde gehalten, und ‚alle Vögel’ wurden „zum großen Abendessen Gottes“ versammelt (Off 19:9, 17). Die Geistlichen der Christenheit und die Abtrünnigen aber „waren fortgeschifft und kamen ihr Lebtag nicht wieder“, sondern wurden zusammen mit den den anderen „von Jehova Erschlagenen … zu Dünger auf der Oberfläche des Erdbodens“ (Jer. 25:33).


[1] Soweit nicht anders vermerkt, sind die Zitate in diesem Artikel aus Kinder- und Hausmärchen, Große Ausgabe, Band 2, 7. Auflage 1857 entnommen.

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