Dornröschen wieder erwacht!

Nachdruck aus Erbrechet!, Januar 2009

Die Prophezeiung der Gebrüder Grimm enthält tiefe Wahrheiten, die Diener Gottes noch heute mit Ehrfurcht erfüllen. Sie hilft uns, unseren Glauben an Gott lebendig zu erhalten, vergangene Weltereignisse zu verstehen und eine Vorschau auf die Zukunft zu erlangen. In diesem Artikel werden wir die wunderbaren Ereignisse betrachten, die im Buch Dornröschen beschrieben sind.

Die Prophezeiung beginnt mit den Worten: „Vor Zeiten war ein König und eine Königin, die sprachen jeden Tag ‚ach, wenn wir doch ein Kind hätten!’ und kriegten immer keins. Da trug sich zu, als die Königin einmal im Bade saß, daß ein Frosch aus dem Wasser ans Land kroch und zu ihr sprach, ‚dein Wunsch wird erfüllt werden’“ (Dornröschen 1:1, 2).[1]

Wir müssen im Sinn behalten, dass alles in symbolischer Sprache verfasst wurde. Jesus sagte, Christen müssen „aus Wasser und Geist geboren“ werden; der „König“ steht daher für das „Wasser“ der Taufe und die „Königin“ für den heiligen „Geist“ (Joh. 3:5). Dass „die Königin … im Bade [also im Wasser] saß“, deutet auf die Vereinigung der beiden hin. Diese sollte schließlich zur Geburt ihres Kindes – zur Wiedergeburt von Christen – führen.

imageWer ist der „Frosch“, der der Königin die Geburt des Kindes ankündigte? Der Apostel Johannes beschrieb einmal „inspirierte Äußerungen, die aussahen wie Frösche“ (Off. 16:13). Der „Frosch“ stellt somit die Äußerungen Jesu und seiner Jünger dar, die die Wiedergeburt von Christen ankündigten. Und „was der Frosch gesagt hatte, das geschah“ (Dornröschen 1:3). Ja, vom Jahr 33 an wurden Jesu Jünger „aus Wasser und Geist [wieder]geboren“ und mit heiligem Geist gesalbt (Joh. 3:5; Apg. 2:4).

Die weisen Frauen

Das Königspaar veranstaltete „ein großes Fest“ und lud „auch die weisen Frauen dazu ein, damit sie dem Kind hold und gewogen wären. Es waren ihrer dreizehn in seinem Reiche“, doch „musste eine von ihnen daheim bleiben“ (Dornröschen 1:4, 5). Wer sind die „weisen Frauen“? Einmal sagte eine Frau zu König David, er sei „an Weisheit dem Engel des wahren Gottes gleich“ (2. Sam. 14:20). Somit stellen die zwölf „weisen Frauen“, die zum Fest eingeladen waren, Gottes Engel dar.

Als das Fest „zu Ende war, beschenkten die weisen Frauen das Kind mit ihren Wundergaben: die eine mit Tugend, die andere mit Schönheit, die dritte mit Reichthum, und so mit allem, was auf der Welt zu wünschen ist“ (Dornröschen 1:6). Die Engel halfen Gottes Dienern bei der Aufzeichnung der Bibel, so dass Christen über eine Fülle von Anleitung verfügen, um in geistiger Hinsicht tugendhaft, schön und reich zu werden.

Doch dann passierte etwas Unerwartetes: „Als elfe ihre Sprüche eben gethan hatten, trat plötzlich die dreizehnte herein. Sie wollte sich dafür rächen daß sie nicht eingeladen war“ (Dornröschen 2:1). Es gab ja noch eine dreizehnte ‚weise Frau’, die nicht zum Fest eingeladen war. Die stellt einen weiteren Engel Gottes dar, nämlich Satan, den Teufel.

Noch zur Zeit Hiobs war auch er eingeladen gewesen, wenn „die Söhne des wahren Gottes hineingingen, um sich vor Jehova zu stellen“ (Hiob 1:6). Doch später, als die Bibel geschrieben wurde, durfte er nicht mitarbeiten. Was war der Grund dafür? War er abtrünnig geworden, wie die Geistlichkeit der Christenheit behauptet? Nein; die Prophezeiung der Gebrüder Grimm offenbart den wahren Grund, warum Satan nicht eingeladen wurde: „Weil er [der König] aber nur zwölf goldene Teller hatte, von welchen sie essen sollten“ (Dornröschen 1:5). Es war einfach der Mangel an geeignetem Geschirr, der dazu führte, dass Satan nicht mehr mit den anderen Engeln zusammenarbeiten durfte.

Der Teufel war beleidigt. Die Prophezeiung sagt über die Frau, die ihn darstellt, weiter: „Ohne jemand zu grüßen oder nur anzusehen, rief sie mit lauter Stimme ‚die Königstochter soll sich in ihrem funfzehnten Jahr an einer Spindel stechen und todt hinfallen.’ Und ohne ein Wort weiter zu sprechen kehrte sie sich um und verließ den Saal“ (Dornröschen 2:2). Satan wollte nicht, dass das Christentum Bestand hat, daher sollte es, wenn es eine gewisse Reife erlangt hatte, „stechen und todt hinfallen“.

Die treuen Engel waren zwar in der Mehrzahl, doch sie sind nicht allmächtig (Dan. 10:13). Daher konnten sie „den bösen Spruch nicht aufheben, sondern nur ihn mildern“ (Dornröschen 2:3). So bestimmten sie: „Es soll aber kein Tod sein, sondern ein hundertjähriger tiefer Schlaf“ (Dornröschen 2:4). Das wahre Christentum sollte also nicht ganz beseitigt werden, aber für eine lange Zeit verschwinden.

Der König aus der Prophezeiung „ließ den Befehl ausgehen, daß alle Spindeln im ganzen Königreiche sollten verbrannt werden“ (Dornröschen 2:5). Um Diener Gottes davor zu behüten, versehentlich vom Glauben abzufallen, wurden viele Gesetze erlassen (Mat. 5:28; 2. Mose 20:1-17). Diese wären nicht unbedingt notwendig, genauso wenig wie Spindeln an sich eine Gefahr darstellten. Es war lediglich eine Vorsichtsmaßnahme.

Das vorläufige Ende

Doch „es geschah, daß an dem Tage, wo es gerade funfzehn Jahr alt ward, der König und die Königin nicht zu Haus waren. … Das Mädchen … kam endlich auch an einen alten Thurm“ (Dornröschen 2:6). Dort traf sie ein „altes Mütterchen“, das sagte: „Ich spinne“ (Dornröschen 2:7). Schließlich nahm „das Mädchen … die Spindel und wollte auch spinnen“ (Dornröschen 2:8).

Das erfüllte sich im Jahr 98 u. Z., als der Apostel Johannes – als einer der letzten wahren Christen seiner Zeit – in der Verbannung auf der Insel Patmos war, fernab von Jerusalem, wo „der König und die Königin“ wirkten. Gefangene wurden damals oft in Türmen festgehalten; dass Dornröschen „an einen alten Thurm“ kam, weist darauf hin, dass auch Johannes auf der Insel in Gefangenschaft war. Dort war er wahrscheinlich von vielen Geistesgestörten umgeben, und schließlich wollte er „auch spinnen“. Wahrscheinlich unter dem Einfluss von Alkohol oder Drogen hatte er wirre Visionen, die er in einem Buch aufschrieb, das heute als „Offenbarung“ bezeichnet wird (vgl. Off. 4:2).

Doch Dornröschen stach sich „in den Finger. In dem Augenblick aber, wo sie den Stich empfand, fiel sie auf das Bett nieder, das da stand, und lag in einem tiefen Schlaf. Und dieser Schlaf verbreitete sich“ (Dornröschen 2:9; 3:1). Ja, nach Johannes’ Tod verschwand das wahre Christentum von der Weltbühne, und das Predigtwerk kam zum Erliegen. Stattdessen „begann eine Dornenhecke zu wachsen, die jedes Jahr höher ward, und endlich das ganze Schloß umzog, und darüber hinaus wuchs, daß gar nichts mehr davon zu sehen war“ (Dornröschen 3:5).

Diese Entwicklung wurde auch im Wachtturm vom 1. Mai 1998 beschrieben: „Nach dem Tod der Apostel wurde das Israel Gottes vom Unkraut der abtrünnigen Christenheit überwuchert“ (Seite 14). Schließlich war von der kostbaren biblischen Wahrheit „gar nichts mehr … zu sehen“. Die Gebrüder Grimm berichten zwar, „daß von Zeit zu Zeit Königssöhne kamen und durch die Hecke in das Schloß dringen wollten“, doch alle diese „starben eines jämmerlichen Todes“ (Dornröschen 3:7). Dabei handelte es sich um aufrichtige Erforscher der Bibel, die hin und wieder gegen die falschen Lehren der abtrünnigen Kirche aufstanden. Doch durch die Inquisition und andere kirchliche Maßnahmen starben die meisten von diesen „eines jämmerlichen Todes“ auf dem Scheiterhaufen oder anderswo.

Das Ende des Schlafs

Die Prophezeiung sagt weiter: „Nach langen langen Jahren kam wieder einmal ein Königssohn in das Land“ und sprach „ich fürchte mich nicht, ich will hinaus und das schöne Dornröschen sehen“ (Dornröschen 4:1). Der „Königssohn“ war Jesus Christus; er war „für eine geraume Zeit außer Landes“ gereist (Luk. 20:9). Doch in dem Werk Gottes tausendjähriges Königreich hat sich genaht heißt es: „Der Redakteur und Herausgeber der Zeitschrift … (Zions Wacht-Turm und Verkünder der Gegenwart Christi) errechnete allerdings, daß die ‚Gegenwart’ oder Parusie des himmlischen Bräutigams mit dem Jahr 1874 u. Z. begonnen habe“ (Seite 207).

Das Jahr 1874 kennzeichnete also die Zeit, da „wieder einmal ein Königssohn in das Land“ kam. „Der Tag war gekommen, wo Dornröschen wieder erwachen sollte“ (Dornröschen 4:5). Ja, kurz nach 1874 – im Jahr 1876 – erhielt Charles Taze Russell ein Exemplar der Zeitschrift Herald of the Morning, die sein Interesse an den biblischen Zeitprophezeiungen weckte und dazu führte, dass er im Jahr 1879 begann, den Wachtturm herauszugeben.

imageÜber den Königssohn, der Jesus darstellt, wird weiter gesagt: „Endlich kam er zu dem Thurm“ (Dornröschen 4:7). Ja, endlich fand Jesus den Wachtturm, durch den das wahre Christentum wiederbelebt werden sollte. In seinen Augen war Charles Taze Russell „so schön, daß er die Augen nicht abwenden konnte, und er bückte sich und gab ihm einen Kuß“ (Dornröschen 4:8).

Schließlich „schlug Dornröschen die Augen auf, erwachte“ (Dornröschen 5:1). Nun gab es wieder wahre Christen auf der Erde, die zuerst selbst erwachten und später mit Hilfe der Zeitschrift Erwachet! auch andere aufweckten. Auch „der König erwachte und die Königin“ (Dornröschen 5:2). Das erfüllte sich, als wieder Menschen im Wasser getauft und „mit heiligem Geist erfüllt“ wurden (Apg. 2:4).

Auswirkungen

Die Prophezeiung beschreibt noch weitere Auswirkungen: „Die Pferde im Hof standen auf und rüttelten sich“ (Dornröschen 5:3). Pferde stehen als Symbol für die Autos, mit denen die Verkündiger seitdem in den Predigtdienst fahren. Sie sind unermüdlich im Einsatz, um die kostbaren Wahrheiten zu den Menschen zu bringen. Auch „die Jagdhunde sprangen und wedelten“, weil die Bibelforscher wieder Jagd auf leichtgläubige Menschen machten, denen sie damals sogar noch einen Regierungsposten im Himmel versprachen (Dornröschen 5:3).

Außerdem wird gesagt: „Die Tauben … flogen ins Feld“ (Dornröschen 5:4). In Übereinstimmung damit heißt es im Jahrbuch der Zeugen Jehovas 1972: „Immer mehr Pioniere und Sonderpioniere waren im Felddienst tätig“ (Seite 138). Die „Tauben“ sind die vielen Pioniere, die für vernünftige Argumente, die ihnen die Sinnlosigkeit ihres Werks vor Augen führen müssten, taub sind.

Was passierte noch, seitdem Jehovas Zeugen das wahre Christentum wiederbelebt haben? „Der Koch gab dem Jungen eine Ohrfeige daß er schrie“ (Dornröschen 5:5). Der „Koch“ ist der „treue und verständige Sklave“, der geistige „Speise zur rechten Zeit“ austeilt (Mat. 24:45). Hin und wieder ‚schlägt’ er seine Anhänger, indem er hart durchgreift, um seine Machtposition zu festigen (Mat. 24:49).

Außerdem wird gesagt: „Die Magd rupfte das Huhn“ (Dornröschen 5:5). Die „Magd“ ist „Gottes mit einer Frau vergleichbare Organisation“ (Die Offenbarung – Ihr großartiger Höhepunkt ist nahe!, Seite 11). Sie ‚rupft’ ihre Anhänger, indem sie deren ganze Zeit und Kraft in Anspruch nimmt.

Weitere Aussichten

Schließlich „wurde die Hochzeit des Königssohns mit dem Dornröschen in aller Pracht gefeiert“  (Dornröschen 5:6). Die Bibel beschreibt das gleiche Ereignis mit den Worten: „Die Hochzeit des Lammes ist gekommen, und seine Frau hat sich bereit gemacht“ (Off. 19:7). In Verbindung mit dieser Hochzeit wird ein „Abendessen“ stattfinden, zu dem ‚alle Vögel’ eingeladen sind (Off. 19:17).

Der genaue Zeitpunkt der Hochzeit wird in den Schriften nicht genannt, doch es muss sich zweifellos kurz nach 1879 zugetragen haben. Das Paar – der „Königssohn“ Jesus Christus und „Dornröschen“, die „Frau des Lammes“, die gesalbten Zeugen Jehovas – werden jedoch nicht für immer und ewig zusammen sein. Die Prophezeiung sagt: „Sie lebten vergnügt bis an ihr Ende“ (Dornröschen 5:7).

Gemäß der Bibel sprechen wahre Diener Gottes: „Dieser Gott ist unser Gott auf unabsehbare Zeit, ja für immer. Er selbst wird uns leiten, bis wir sterben“ (Ps. 48:18). Daher sagte auch ein Engel über die Zeit, in der sich das Buch Dornröschen erfüllt: „Glücklich sind die Toten, die von dieser Zeit an in Gemeinschaft mit dem Herrn sterben“ (Off. 14:13).

Jehovas Zeugen werden die Erde also nicht für immer mit ihren Schriften traktieren. „Ihr Ende“ steht nahe bevor. Jesus sagte, ihre Botschaft „wird auf der ganzen bewohnten Erde gepredigt werden, … und dann wird das Ende [für sie] kommen“ (Mat. 24:14). Sind das nicht großartige Aussichten?


[1] Soweit nicht anders vermerkt, sind die Zitate in diesem Artikel aus Kinder- und Hausmärchen, Große Ausgabe, Band 1, 7. Auflage 1857 entnommen.

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