Jehova an dem uns zugedachten Platz dienen

Nachdruck aus Erbrechet!, Juni 2008

Nach gehabtem Mahl schliefen sie sich die Haut voll bis den andern Morgen“ (Bratwurst 1:8)

In diesem Artikel werden wir eine Prophezeiung der Gebrüder Grimm behandeln, die von Erforschern der Bibel im allgemeinen nur wenig beachtet wird. Es handelt sich um die Prophezeiung von dem Mäuschen, Vögelchen und der Bratwurst. Der Bericht enthält eine deutliche Warnung für heutige Christen, die Jehova mit seinem Volk vereint anbeten. Er zeigt, wie leicht die kostbare Einheit, die unter Gottes Volk herrscht, durch selbständiges Denken und den Geist der Unabhängigkeit zerstört werden kann (Eph. 4:13).

Zu Beginn werden die wunderbaren Verhältnisse geschildert, die auch im geistigen Paradies des Volkes Jehovas vorherrschen: „Es waren einmal ein Mäuschen, ein Vögelchen und eine Bratwurst in Gesellschaft gerathen, hatten einen Haushalt geführt, lang wohl und köstlich im Frieden gelebt und trefflich an Gütern zugenommen“ (Bratwurst 1:1) .[*]

Die drei Personen in diesem prophetischen Drama stellen drei Christen dar, die Jehova dort dienten, wo er sie hingestellt hatte. Sie führten gemeinsam den „Haushalt des Glaubens“ und hatten „trefflich an Gütern zugenommen“, d. h. sich durch eifriges Predigen „Schätze im Himmel“ aufgehäuft (Mat. 6:20).

Die Personen

Über die erste Person wird gesagt: „Des Vögelchens Arbeit war, daß es täglich in Wald fliegen und Holz beibringen müßte“ (Bratwurst 1:2). Vögel sehen gut aus, haben eine schöne Stimme und sind fleißig. Der Psalmist forderte alle Vögel auf, Jehova zu preisen (Ps. 148:7, 10). Das „Vögelchen“ stellt treffend eine junge, gutaussehende Pionierschwester dar, die um des Königreichs willen unverheiratet geblieben ist. Sie muss „täglich“ ins Gebiet fahren und „Königreichsfrucht“ hervorbringen (Mat. 13:23; 24:14).

Weiter heißt es: „Die Maus sollte Wasser tragen, Feuer anmachen und Tisch decken“ (Bratwurst 1:3a). Nach dem mosaischen Gesetz war die Maus „unrein“, und Dienstamtgehilfen sind meistens junge Männer in der Pubertät, mit unreiner Haut (3. Mose 11:29). Daher symbolisiert das „Mäuschen“ zweifellos einen jungen Dienstamtgehilfen.

„Wasser tragen“ steht für das Abholen der Literatur, die die „Wasser der Wahrheit“ enthält. Dienstamtgehilfen sind oft frühzeitig im Königreichssaal, um die Heizung einzuschalten, was in der Prophezeiung als „Feuer anmachen“ bezeichnet wird. Außerdem müssen sie den „Tisch decken“, d. h. sich der Aufgaben im Ordnungsdienst annehmen, damit die geistige Speise in den Zusammenkünften wirkungsvoll dargeboten werden kann.

imageSchließlich wird gesagt: „Die Bratwurst aber sollte kochen“ (Bratwurst 1:3b). Das „Kochen“, d. h. das Zubereiten der geistigen Speise für die Zusammenkünfte, fällt natürlich in den Aufgabenbereich der Ältesten. Außerdem werden Bratwürste meistens aus Schweinefleisch hergestellt, und Älteste weisen oft schweineähnliche Eigenschaften auf. Die „Bratwurst“ steht also für einen Ältesten, möglicherweise für den Leiter des Wachtturmstudiums.

Gift dringt ein

Durch den Segen Jehovas gedieh die Versammlung. Doch „eines Tages stieß dem Vöglein unterweges ein anderer Vogel auf, dem es seine treffliche Gelegenheit erzählet und gerühmet. Derselbe andere Vogel schalt es aber einen armen Tropfen, der große Arbeit, die beiden zu Haus aber gute Tage hätten“ (Bratwurst 1:4). Die Pionierschwester wurde im Predigtdienst von einem Wohnungsinhaber hereingebeten und erzählte ihm voller Stolz von der geistigen Wohlfahrt ihrer Versammlung.

Sie wusste nicht, dass es sich um einen Abtrünnigen handelte, der aus einer anderen Versammlung zugezogen war. Er ging listig vor und erzählte ihr, dass sie nur die Drecksarbeit machen würde. Die Ältesten und Dienstamtgehilfen würden den größten Teil der Woche ihren eigenen Interessen nachgehen und hätten ein großes Haus, ein schönes Auto und eine glückliche Familie. Sie dagegen hatte auf all das verzichtet und geht in den Pionierdienst.

Der Abtrünnige erzählte weiter: „Wenn die Maus ihr Feuer angemacht und Wasser getragen hatte, so begab sie sich in ihr Kämmerlein zur Ruhe“ (Bratwurst 2:1). Er behauptete, Dienstamtgehilfen würden nur wenige Stunden pro Woche einsetzen, um ihre Aufgaben zu erfüllen. Oft wohnten sie sogar noch bei ihren Eltern und gingen nicht auf die Arbeit, sondern verbrächten viele Stunden in ihrem „Kämmerlein“.

Er fügte hinzu: „Das Würstlein blieb beim Hafen [Topf], sahe zu, daß die Speise wohl kochte, und wann es bald Essenszeit war, schlingte es sich ein mal viere durch den Brei oder das Gemüß, so war es geschmalzen, gesalzen und bereitet“ (Bratwurst 2:2). Wie sein Vater, der Teufel, ging der Abtrünnige geschickt vor und säte Zweifel (Joh. 8:44; 1. Mose 3:1). Er behauptete, der Älteste sähe den Verkündigern nur beim Predigen zu. Die geistige „Speise zur rechten Zeit“ erhalte er sowieso fertig vom ‚treuen und verständigen Sklaven’, er würde sich den Wachtturm-Artikel einfach kurz vor dem Studium ein paar Mal durchsehen und schon wäre er vorbereitet.

Die Pionierschwester erkannte langsam, wer ihr gegenübersaß. Der Abtrünnige erzählte weiter über die Ältesten und Dienstamtgehilfen: „Kame dann das Vöglein heim und legte seine Bürde ab, so saßen sie zu Tisch und nach gehabtem Mahl schliefen sie sich die Haut voll bis den andern Morgen, und das war ein herrlich Leben“ (Bratwurst 2:3).

Er behauptete, die Ältesten würden einfach zu den Zusammenkünften kommen, die Berichte der Pioniere und der anderen Verkündiger einsammeln, sich zwei Stunden Programm anhören und dann wieder nach Hause gehen. Dort würden sie in geistiger Hinsicht „schlafen“, da sie ihre Zeit weltlichen Tätigkeiten widmeten. Es sei „ein herrlich Leben“, da sie selbst nur wenige Stunden pro Monat in den Predigtdienst gingen und dennoch den Ruhm für den hohen Versammlungsdurchschnitt ernteten.

Die Rebellion nimmt ihren Lauf

Die Pionierschwester verabschiedete sich endlich, doch der teuflische Geist der Unabhängigkeit hatte sich bereits festgesetzt (Eph. 2:2). Durch das abtrünnige Gedankengut aufgewühlt und entmutigt, rebellierte sie gegen die von Jehova festgesetzte Ordnung in der Versammlung: „Das Vöglein anderes Tages wollte aus Anstiftung nicht mehr ins Holz, sprechend: es wäre lang genug Knecht gewest, und hätte gleichsam ihr Narr seyn müssen, sie sollten einmal umwechseln und es auf eine andere Weise auch versuchen“  (Bratwurst 2:4). Die abtrünnigen Gedanken schnitten sie von Jehovas Geist ab, so dass ihr keine Kraft mehr für den Predigtdienst blieb.

Im weiteren Verlauf schattet die Prophezeiung vor, was passieren kann, wenn man den von Jehova zugeteilten Platz verlässt. Es heißt: „Die Bratwurst die mußte Holz tragen, die Maus ward Koch, und der Vogel sollte Wasser holen. Was geschicht? das Bratwürstchen zog fort gen Holz, das Vöglein machte Feuer an, die Maus stellte den Topf zu“ (Bratwurst 3:1).

Der Älteste, der zur Bratwurst-Klasse gehört, würde also mehr predigen, und der mausgleiche Dienstamtgehilfe sollte das Wachtturmstudium leiten. Die vogelähnliche Pionierschwester sollte den Ordnungsdienst durchführen und schaltete schon am Montag die Heizung für die Freitagszusammenkunft ein.

Am Monatsende warteten Mäuschen und Vögelchen, „bis Bratwürstchen heim käme und Holz für den andern Tag brächte. Es blieb aber das Würstlein so lang unterweg daß ihnen beiden nichts guts vorkam, und das Vöglein ein Stück Lufts hinaus entgegen floge“ (Bratwurst 3:2). Der Dienstamtgehilfe und die Pionierschwester erwarteten mit Spannung den Predigtdienstbericht des Ältesten, doch dieser war bereits seit einigen Wochen nicht zu den Zusammenkünften gekommen. Dass er „so lang“ fort blieb und sogar den Termin für die Abgabe des Predigtdienstberichtes versäumte, kam den beiden merkwürdig vor.

Daher beschloss das „Vöglein“, die Pionierschwester, einen Hirtenbesuch bei dem Ältesten durchzuführen. Sie musste jedoch eine traurige Entdeckung machen: „Unfern aber findet es einen Hund am Weg, der das
arme Bratwürstlein als freie Beut angetroffen, angepackt und niedergemacht“ (Bratwurst 3:3).
Der „Hund“ war ein Abtrünniger, der den unerfahrenen Ältesten mit Scheinargumenten aus einem Internetforum vom Glauben abgebracht hatte.

Ohne richtige Führung

Für den Ältesten bedeutete das den geistigen Tod, und in Harmagedon wird er auch den buchstäblichen Tod finden. Er hatte eine wichtige Schutzmaßnahme vernachlässigt, denn „das Vöglein beschwerte sich auch dessen als eines offenbaren Raubs sehr gegen den Hund, aber es half kein Wort, denn sprach der Hund, er hätte falsche Briefe [Papiere] bei der Bratwurst gefunden, deswegen wäre sie ihm des Lebens verfallen gewesen“ (Bratwurst 3:4). Mit den ‚falschen Briefen’ oder Papieren kann nur der Berichtszettel gemeint sein, der offenbar zu wenige Stunden aufwies. Hätte der Älteste mehr Zeit im Predigtdienst verbracht, wäre sein Geistiggesinntsein gestärkt worden, und er wäre nicht auf die Propaganda der mit der Wolf-Klasse verwandten Hund-Klasse hereingefallen.

Die Pionierschwester war sich der Dringlichkeit des Predigtwerkes bewußt. Daher ließ sie erst einmal alles stehen und liegen und verbrachte einige Tage ununterbrochen im Predigtdienst: „Das Vögelein, traurig, nahm das Holz auf sich“ (Bratwurst 3:5). Danach ging das „Vögelein“, das die eifrige Pionierschwester darstellt, „heim und erzählete, was es gesehn und gehöret. Sie waren sehr betrübt, verglichen sich aber das beste zu thun und beisammen zu bleiben“ (Bratwurst 3:6). Der Dienstamtgehilfe und die Pionierschwester beschlossen, die Versammlung ohne den Ältesten am Laufen zu halten. Der junge Dienstamtgehilfe würde dessen Aufgaben übernehmen.

Selbständiges Denken – eine Gefahr

„So deckte das Vöglein den Tisch und die Maus rüstete das Essen und wollte anrichten, und in den Hafen [Topf], wie zuvor das Würstlein, und durch das Gemüß schlingen und schlupfen, dasselbige zu schmelzen“ (Bratwurst 4:1). Der Dienstamtgehilfe, der zur Maus-Klasse gehört, dachte sich, ein kurzes Durchgehen des Wachtturm-Artikels genüge als Vorbereitung auf die Zusammenkunft. Er dachte, die Worte würden schnell „schmelzen“ und ihm den tieferen Sinn des Artikels offenbaren.

Doch „ehe sie [die Maus] in die Mitte kame, ward sie angehalten und mußte Haut und Haar und dabei das Leben lassen“ (Bratwurst 4:2). Zum ersten Mal in seiner theokratischen Karriere musste er selbst über die Aussagen im Wachtturm nachdenken. Schon in den ersten Absätzen fielen ihm zahlreiche Ungereimtheiten, sinnentstellende Zitate und aus dem Zusammenhang gerissene Bibeltexte auf. So musste auch er „das Leben lassen“, d. h. er erlitt den geistigen Tod und kann seiner Vernichtung im „Krieg des großen Tages Gottes“ nicht mehr entgehen (Off. 16:14).

Am Monatsende kam die Pionierschwester als Erste in den Königreichsaal und bereitete alles für das Wachtturm-Studium vor. Doch „als das Vöglein kam, wollte das Essen auftragen, da war kein Koch vorhanden. Das Vöglein warf bestürzt das Holz hin und her, rufte und suchte, kunnte aber seinen imageKoch nit mehr finden“ (Bratwurst 4:3). Erschüttert musste die Schwester feststellen, dass auch der Dienstamtgehilfe vom Glauben abgefallen war. Sie machte einen verhängnisvollen Fehler, als sie „rufte und suchte, um ihn zu finden“, d. h. sie rief ihn an und suchte herauszufinden, warum er weggegangen war. „Aus Unachtsamkeit kam das Feuer in das Holz, also daß eine Brunst entstunde“ (Bratwurst 4:4).

Das Ende

Jetzt war alles zu spät. Das abtrünnige Gedankengut hatte auch sie infiziert; es entstand eine geistige Feuersbrunst, die auch ihren Glauben verzehrte. Sie erkannte noch, dass sie geistige Speise aus dem Wachtturm benötigt hätte, denn der Bericht sagt: „Das Vöglein eilte Wasser zu langen“ (Bratwurst 4:5a). Doch es war zu spät: „Da entfiel ihm der Eimer in den Brunnen, und es mit hinab, daß es sich nit konnte mehr erholen, und da ersaufen musste“ (Bratwurst 4:5b). Ja, die Pionierschwester musste „ersaufen“, d. h. sie erlitt „an ihrem Glauben Schiffbruch“ (1. Tim. 1:19). Sie wird in Harmagedon vernichtet werden, genauso wie die Menschen, die in der Sintflut ertranken.

Bestimmt sind wir Jehova dankbar dafür, dass er uns vor den Gefahren warnt, die von selbstständigem Denken ausgehen! Leicht könnte abtrünniges Gedankengut durch das Internet oder durch Fernsehsendungen auch in unsere Versammlung Einzug halten und die Einheit untergraben.

Lassen wir das niemals geschehen! Vertrauen wir auf den ‚treuen und verständigen Sklaven’, nicht auf unseren „eigenen Verstand“! (Spr. 3:5). Meiden wir höhere Bildung! Dann werden wir Jehova für alle Zeit mit seinem Volk anbeten dürfen.


[*] Die Zitate in diesem Artikel sind der Ausgabe Kinder- und Hausmärchen, Band 1, 1. Auflage 1812 entnommen.

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