Der „Schlussteil der Tage“ für die Wachtturm-Gesellschaft

Nachdruck aus Erbrechet!, Mai 2009

„Er ändert Zeiten und Zeitabschnitte, indem er Könige absetzt.“ (Daniel 2:21)

Möchten wir nicht alle wissen, was die Zukunft bringt? So erging es auch König Nebukadnezar. Er hatte einen Traum, was an sich noch nichts Ungewöhnliches ist – alle Menschen träumen, und hin und wieder erinnern sie sich auch daran. Doch Nebukadnezar hielt seinen Traum für ein Zeichen Gottes. Daher befragte er „alle Weisen Babylons [der Großen]“, doch keiner konnte den Traum deuten (Daniel 2:12). Schließlich hatte auch Daniel, ein Anbeter Jehovas, einen ähnlichen Traum und konnte dem König die Bedeutung erklären (Daniel 2:19).

Wie der Wachtturm vom 1. November 1993 betonte, „wissen wir, daß sich einige der Prophezeiungen Daniels in unserer Zeit erfüllen sollten“ (Seite 8). Das trifft beispielsweise auf die Deutung von Nebukadnezars Traum zu – sie erfüllt sich vor unseren Augen. Daher ist es für uns von höchster Wichtigkeit, sie genau zu untersuchen und entsprechende Schritte zu unternehmen.

Ein Standbild

Daniel erklärte: „Du, o König, erblicktest dann, und siehe, ein gewisses riesenhaftes Bild. Dieses Bild, das groß und dessen Glanz außerordentlich war, stand vor dir, und sein Aussehen war schrecklich“ (Daniel 2:31). Was ist mit diesem riesigen Bild gemeint? Der Wachtturm vom 1. März 1977 gibt uns einen wichtigen Hinweis, wenn er erklärt: „Es gibt jedoch ein Bild, von dem die Menschen schon über dreißig Jahre lang glauben, es sei die einzige Hoffnung auf Frieden. Dieses Bild stellt nicht einen Menschen oder ein Tier, sondern eine internationale Organisation dar. … Welche Organisation ist das?“ (Seite 133).

Von welcher ‚internationalen Organisation‘ wird behauptet, sie „sei die einzige Hoffnung auf Frieden?“ Wie die Zeitschrift Erwachet! in ihrer Ausgabe vom 22. Dezember 1995 schrieb, verkündigen nur Jehovas Zeugen „die einzige Hoffnung auf wahren Frieden“ (Seite 24). Tatsächlich stellt das „Bild“ die Wachtturm-Organisation dar. Diese Organisation ist wirklich „groß“, denn sie überschwemmt die ganze Erde mit ihren Druckschriften. Sie hat auch ‚außerordentlichen Glanz‘, denn „‘die Herrlichkeit Jehovas selbst‘ … wird auf wunderbare Weise von Jehovas wiederhergestelltem Volk auf der Erde widergestrahlt“, wie der Wachtturm vom 1. März 1985 schrieb (Seite 13).

Wenn das Bild so außerordentlich glänzt, warum sagt Daniel dann: „Sein Aussehen war schrecklich“? Das bezieht sich nicht auf die Wachtturm-Organisation selbst, sondern auf ihre Anhänger. Viele von ihnen tragen Kleidung, die man schon vor 100 Jahren nur noch auf dem Flohmarkt kaufen konnte. Da sie sich nicht besonders um sich selbst, ihr Äußeres und ihre Gesundheit kümmern (weil sowieso bald Harmagedon kommt), geben sie nach außen ein ärmliches Bild ab und werden daher manchmal verspottet. Sie selbst betrachten das jedoch als ein Beweis dafür, dass sie wahre Christen sind (2. Petrus 3:3). Deshalb glauben sie, dass ihr „Glanz außerordentlich“ wäre, obwohl die meisten ihrer Mitmenschen sie als „schrecklich“ betrachten.

Die Anfänge

Daniel beschreibt das Bild: „Sein Haupt war aus gutem Gold, seine Brust und seine Arme waren aus Silber, sein Bauch und seine Oberschenkel waren aus Kupfer, seine Beine waren aus Eisen, seine Füße waren teils aus Eisen und teils aus geformtem Ton“ (Daniel 2:32, 33). Dass die Materialien immer minderwertiger wurden, zeigt, dass eine anfangs gute Organisation sich im Lauf der Zeit immer weiter von ihren Idealen entfernen würde.

Dann sagt Daniel zu Nebukadnezar: „Du, o König, … dem der Gott des Himmels das Königreich … gegeben hat, … du selbst bist das Haupt von Gold“ (Daniel 2:37). Wem hat „der Gott des Himmels“ den Auftrag gegeben, „das Königreich“ zu verkündigen? Es war Charles Taze Russell, der nach Ansicht der Zeugen Jehovas jetzt als „König“ im Himmel regiert. Gemäß Prof. S. A. Ellis „steht er in diesem Zeitalter ganz einzig da. Ohne einen Makel in seinem Charakter, erfüllt mit den erhabensten Idealen und Begriffen über Gott, und die Möglichkeiten, die sich der Menschheit eröffnen, ragt er wie ein Riese über alle anderen Menschen empor, einzig und unvergleichlich. … Er … drückt der Welt den Stempel seiner Meinung und Persönlichkeit auf, wie es kein anderer Mensch seit den Tagen der Reformation getan hat“ (zitiert nach Das vollendete Geheimnis, S. 160, 161). Es besteht wirklich kein Zweifel daranimage, dass „das Haupt von Gold“ C. T. Russell darstellt, den ersten Präsidenten der Watch Tower Society.[*]

Daniel erklärte Nebukadnezar weiter: „Nach dir wird sich ein anderes Königreich erheben“ (Daniel 2:39). Tatsächlich stand nach Russells Tod ein anderer „König“ auf, nämlich Richter Rutherford. Doch sein „Königreich“ war „ein anderes“ als das Russells, da er nicht die Freiheit des einzelnen Christen in den Vordergrund stellte, sondern den Grundstein für eine alles beherrschende Zentralorganisation legte.

Weltweite Ausdehnung

Danach erwähnte Daniel „ein anderes Königreich, ein drittes, … das über die ganze Erde herrschen wird“ (Daniel 2:39). Das deutet auf eine Zeit der weltweiten Ausdehnung hin. Tatsächlich hielt Nathan Homer Knorr, der dritte Präsident der Watch Tower Society, im Jahr 1946 den Vortrag: „Die Aufgaben des Wiederaufbaus und der Ausdehnung des Werkes“ (Jehovas Zeugen – Verkündiger des Königreiches Gottes, Seite 98). Er übernahm das Präsidentenamt im Jahre 1942, und gemäß dem Wachtturm vom 1. Juli 1972 war „besonders vom Jahre 1945 an die weltweite Ausdehnung an der Tagesordnung“ (Seite 403).

Der dritte „König“ ist also N. H. Knorr, der die Wachtturm-Organisation gleich einem findigen Geschäftsmann zu einer straffen Predigerorganisation umbaute. Hunderttausende seiner Anhänger opferten ihre ganze Freizeit, um die von ihm herausgegebenen Bücher von Haus zu Haus zu verkaufen. In seine Amtszeit fällt auch die „Theokratische Gerichtssitzung“ aus dem Informator vom September 1955:

image
„Stark wie Eisen“

In die Amtszeit von N. H. Knorr fiel auch das Jahr 1975, das kam und ging, ohne dass das vorhergesagte Ende der Menschenherrschaft eingetreten wäre. Daher war eine starke Hand nötig, um die Wachtturm-Anhänger zusammenzuhalten. Genau so eine Führung wurde auch von Daniel vorhergesagt: „Was das vierte Königreich betrifft, es wird sich stark wie Eisen erweisen. Insofern als Eisen alles andere zermalmt und zermahlt, so wird es wie Eisen, das zerschmettert, auch alle diese zermalmen und zerschmettert“ (Daniel 2:40).

Der vierte „König“ und vierte Präsident der Watch Tower Society war Frederick William Franz. Er sorgte dafür, dass allen „Störenfrieden“, die an seinem Kurs zweifelten, die Gemeinschaft entzogen wurde, auch seinem Neffen Raymond Victor Franz. Carl Olof Jonsson, der die Gesellschaft auf Unstimmigkeiten in ihrer Berechnung des Jahres 607 bzw. 1914 hinwies, wurde ebenfalls in Franz‘ Amtszeit ausgeschlossen. Ja, F. W. Franz ‚zermalmte und zerschmetterte‘ alles, was ihm im Weg war.

Doch das Bild hatte zwei „Beine … aus Eisen“ (Daniel 2:33). Das zweite Bein steht für Milton George Henschel, der von 1992 bis 2000 Präsident der Watch Tower Society war. Er führte im Wesentlichen den eisengleichen Führungsstil seines Vorgängers fort. Während seiner Amtszeit wurde beispielsweise das neue „Verständnis“ über die „Generation“ aus Matthäus 24 veröffentlicht, das im Jahr 2008 wieder aufgehoben wurde.

Instabile Füße

Nun erklärte Daniel, in welchem Zustand die Wachtturm-Organisation gegen Ende ihres Bestehens sein würde: „Was die Fußzehen betrifft, die teils aus Eisen und teils aus geformtem Ton waren: Das Königreich wird sich teils als stark erweisen und wird sich teils als zerbrechlich erweisen. Daß du Eisen mit feuchtem Ton vermischt erblickt hast: Sie werden schließlich mit der Nachkommenschaft der Menschen vermischt sein“ (Daniel 2:42, 43).

Die Füße symbolisieren den Zustand, in dem sich die Wachtturm-Organisation seit dem Jahr 2000 befindet. In diesem Jahr wurden organisatorische Veränderungen durchgeführt, wodurch die Leitende Körperschaft nicht mehr gleichzeitig die Vorstandsmitglieder der Watch Tower Society stellt. Der Präsident und andere Führungspersonen kommen jetzt aus „der Nachkommenschaft der Menschen“, den „anderen Schafen“, die nicht in Christus wiedergeboren sind (Johannes 3:3). Die Leitende Körperschaft muss mit diesen Personen zusammenarbeiten, so dass Gesalbte und Nichtgesalbte auf den Führungsetagen in Brooklyn „vermischt“ anzutreffen sind.

Inwiefern wird sich die Führung der Wachtturm-Organisation – die Leitende Körperschaft – „teils als stark erweisen und … teils als zerbrechlich erweisen?“ Seit dem Tod von F. W. Franz fehlt ihr eine charismatische Führungsperson. Im Jahr 2008 gab es sogar Gerüchte, wonach es innerhalb der Leitenden Körperschaft zu einer Art Machtkampf zwischen Hardlinern wie Gerrit Lösch und weniger strengen Mitgliedern wie Theodore Jaracz gekommen sein soll. Tatsächlich ist in den theologischen und organisatorischen Änderungen der letzten Jahre kein klarer Kurs zu erkennen – so wurden beispielsweise Zusammenkünfte abgeschafft, obwohl gleichzeitig gesagt wurde, man müsse sich in unserer Zeit „um so mehr“ versammeln (Hebräer 10.25).

Das Ende ist nahe

„Das Ende ist nahe“, heißt es auf Seite 21 der Broschüre Wachsamkeit dringend nötig. Doch die Schreiber waren sich wahrscheinlich nicht bewusst, dass hier von ihrem eigenen Ende die Rede ist. Der von Gott inspirierte Prophet Daniel erklärte nämlich weiter, „daß aus dem Berg des Hauses ein Stein gehauen wurde, nicht mit Händen, und daß er das Eisen, das Kupfer, den geformten Ton, das Silber und das Gold zermalmte“ (Daniel 2:45). „Zu dieser Zeit wurden das Eisen, der geformte Ton, das Kupfer, das Silber und das Gold alle zusammen zermalmt und wurden wie die Spreu von der Sommerdreschtenne, und der Wind trug sie weg, so daß gar keine Spur davon gefunden wurde“ (Daniel 2:35).

Was stellt der „Stein“ dar, der das Bild schließlich zermalmen sollte? Er wurde „aus dem Berg des Hauses“ gehauen. Zum „Berg des Hauses Jehovas“ zu gehen bedeutet gemäß dem Wachtturm vom 15. Mai 1988, „sich als seine Zeugen taufen“ zu lassen (Seite 17). Der „Berg des Hauses“ stellt also die Wachtturm-Organisation dar. Bei dem „Stein“ handelt es sich um Abtrünnige, die „nicht mit Händen“ – nicht mit physischer Gewalt, sondern von einem sogenannten „Rechtskomitee“ – imageaus der Gemeinschaft der Zeugen Jehovas ausgeschlossen wurden. Durch Schriften, Internetforen und auf andere Weise decken sie die Irrtümer der Wachtturm-Gesellschaft und ihrer Präsidenten auf.

Sie haben sich schon heute vollständig von den falschen Wachtturm-Lehren befreit, so dass in ihren Köpfen „gar keine Spur davon gefunden wurde“. Doch es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis von dieser verlorenen Organisation gar nichts mehr übrig sein wird. Ihre Anhänger werden „wie die Spreu von der Sommerdreschtenne“ in alle Himmelsrichtungen verstreut werden.

Aber regieren C. T. Russell, J. F. Rutherford, N. H. Knorr, F. W. Franz und M. G. Henschel nicht bereits als Könige im Himmel? Das mag sein, aber Jehova „ändert Zeiten und Zeitabschnitte, indem er Könige absetzt“ (Daniel 2:21). Wie Saul, der von Jehova erst auserwählt und dann abgesetzt wurde, wird es auch diesen selbsternannten „Königen“ ergehen (1. Samuel 10:1; 16:14).

Es wird sich erfüllen

Mancher mag einwenden, diese Aussicht wäre zu schön, um wahr zu sein. Doch „der Traum ist zuverlässig, und seine Deutung ist vertrauenswürdig“ (Daniel 2:45). Die biblische Aussage ist eindeutig. Der größte Teil der Prophezeiung hat sich bereits vor unseren Augen erfüllt, und es besteht kein Zweifel daran, dass sich auch der Rest in Kürze bewahrheiten wird.

 

image



[*] Gemäß weltlichen Quellen war William Henry Conley der erste Präsident der Watch Tower Society und Charles Taze Russell der zweite. Doch wir haben keinen Grund, an den Schriften des ‚treuen und verständigen Sklaven‘ zu zweifeln, in denen Russell durchweg als „der erste Präsident der Watch Tower Society“ bezeichnet wird (siehe auch Jehovas Zeugen – Verkündiger des Königreiches Gottes, S. 576).

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s