Gebrauchst du den Kopfschwitzapparat?

Überarbeiteter Nachdruck aus Erbrechet!, Juli 2010

„Diese kleine Universaleinrichtung wird in einer Familie und in einem Hause, wo sie vorhanden ist und gebraucht wird, zweifellos viele Male den Arzt überflüssig machen.“ (Das Goldene Zeitalter, 1. Dezember 1931, Seite 359)

Wie in der Bibel deutlich vorausgesagt wurde, sollten Jehovas Zeugen „nach dem Jahre 1918, wo Gott anfing, die Kirchen zu zerstören und Kirchenmitglieder nach Millionen ihren Untergang fanden“, eine beispiellose Ausdehnung erfahren (Das vollendete Geheimnis, Ausgabe 1925, Seite 655). Dies geschah auch, denn „auf dem Kongreß der Bibelforscher, der vom 1. bis 8. September 1919 in Cedar Point (Ohio, USA) stattfand, wurde Jehovas Volk durch ein bemerkenswertes Ausgießen seines Geistes angetrieben, ein weltweites Predigtwerk in Gang zu setzen“ (Die Offenbarung – Ihr großartiger Höhepunkt ist nahe!, Seite 143).

Welcher göttliche Auftrag, den alle wahren Christen gemäß der Bibel ausführen müssen, wurde auf dieser Veranstaltung in den Vordergrund gestellt? Der Redner „umriß eine neue Tätigkeit, das Aufnehmen von Abonnements für Das Goldene Zeitalter“ (Jahrbuch der Zeugen Jehovas 1975, Seite 122). Dieses von Gott gesandte Werkzeug hatte den Zweck, die „Dinge, die heute geschehen, mit Hilfe der göttlichen Weisheit zu erklären und denkenden Menschen schlüssig und überzeugend zu beweisen, daß für die Menschheit die Zeit großer Segnungen herbeigekommen ist“ (Ausgabe vom 1. Oktober 1919, zitiert nach Rettung aus der Weltbedrängnis steht bevor!, Seite 98)

Im Nachhinein stellten Jehovas Zeugen fest: „Die Kongreßbesucher ahnten nicht, was für mutige Botschaften Das Goldene Zeitalter enthalten würde“ (Jehovas Zeugen – Verkündiger des Königreiches Gottes, Seite 77). Ja, welche kostbaren, lebengebenden Wahrheiten wurden durch das Goldene Zeitalter bekanntmacht?

Beispielsweise bezeichnete die Zeitschrift „die Theorie, wonach Keime oder Bazillen die Ursache von Krankheiten sein sollen“, als „unbeweisbare Meinung, oder noch deutlicher gesagt: Aberglaube”; es wurde deutlich erklärt, „daß die Keime nützliche Geschöpfe sind, vor denen wir keine Furcht zu haben brauchen” (Das Goldene Zeitalter, 15. August 1931, Seiten 255, 256). Nachdem bereits die deutsche Ausgabe vom 1. Februar 1924 image(bzw. die Ausgabe vom 15. August* auf Seite 350) erklärt hatte, dass es im Paradies keine Ausscheidungen mehr geben würde, wurde in der englischen Ausgabe vom 2. April 1930 behauptet, dass dann auch alle Frauen in Männer umgewandelt werden (Seite 446).

Die englischsprachige Ausgabe vom 15. Januar 1936 schließlich riet den Lesern, ihre Ausscheidung zu trainieren, Heilmittel zu meiden und sich von Bratkartoffeln, Tee, Faulheit, Heuchelei, Unehrlichkeit und warmem Wasser zu enthalten. Eine andere Ausgabe erklärte, was scheinbar das zentrale Problem der Zeit war: „Das menschliche Gehirn beginnt langsam, aber sicher unter dem Gewicht des Fortschritts unseres Wissens zu leiden. … An diesem Zuviel an Wissen geht unser Nervensystem kaputt und eines schönen Tages sitzen wir da mit unheilbarem Irrsinn“ (Das Goldene Zeitalter, 1. Mai 1926, Seite 142). Außerdem wurde erklärt, dass „die Luftgeister“ nicht nur „die Witterung, Temperatur oder Windrichtung“, sondern auch „die Entstehung und Verbreitung verderblicher Miasmen beeinflussen“ (Ausgabe vom 15. Oktober 1924).

Im Goldenen Zeitalter vom 15. November 1928 wurde gezeigt, dass eine Tasse Orangensaft die gleiche Wirkung hat wie eine Bluttransfusion (Seite 338). Auf Seite 212 der deutschen Ausgabe vom 15. Juli 1929 wurde erklärt, dass „die weiße Rasse“ aufgrund ihres Brotkonsums einen Überschuss an weißen und einen Mangel an roten Blutkörperchen hat und dass dieses Ungleichgewicht nicht nur die weiße Hautfarbe, sondern auch alle Krankheiten verursacht. In der Ausgabe vom 1. September 1931 wurde dann zu bedenken gegeben, dass Krebs möglicherweise durch einen Mangel an radioaktiver Strahlung verursacht wird (Seite 259). Geisteskrankheiten wiederum werden meistens durch den „Einfluß der Dämonen, der bösen Geister”, verursacht, aber nur, weil der „Patient zu wenig Früchte gegessen … hat“ (Ausgabe vom 15. Februar 1931, Seite 58).

Als wirklich visionär erwies sich die Redaktion in der englischen Ausgabe vom 15. Oktober 1919, als sie ankündigte, „spätestens in wenigen Jahren“ werde es „billige Mobiltelefone“ geben, die „Ferngespräche in jeden Teil der Welt zu äußerst geringen Kosten“ ermöglichen würden (Seite 56). Hier zeigte die Schreibabteilung der Wachtturm-Gesellschaft zum ersten Mal deutlich, was sie unter „wenigen Jahren“ versteht. Die Vorhersage aus dem Goldenen Zeitalter vom 15. September 1929, bald würden „die Flugzeuge sicher ohne Motoren fliegen können, und die Menschen werden aus dem Fenster treten können, ohne befürchten zu müssen, dass sie fallen”, hat sich jedoch nicht erfüllt (Seite 274).

Unter der Überschrift „Warum ist die Welt noch nicht bekehrt und wer ist daran schuld?“ erklärte das Goldene Zeitalter: „Jedermann wird zugeben müssen, daß die Welt heute weiter davon entfernt ist, bekehrt zu sein, denn je. Vor 100 Jahren gab es etwa 500 000 000 Heiden auf der Erde, und heute 1 000 000 000. … Die Laster des Tabakrauchens, des Schnapstrinkens, … Ehescheidungen und Skandale … sind hauptsächlich bei den christlichen Nationen zu finden. Alle denkenden Menschen müssen erkennen, daß diese Laster eher zu- als abnehmen. Ja, sie nehmen so rapide zu, daß nicht genug Gefängnisse und Strafanstalten gebaut werden können“ (Ausgabe vom 1. Februar 1928, Seite 43). Man wünschte sich also mehr Gefängnisse für Menschen, die rauchten, Schnaps tranken oder sich scheiden ließen.

Natürlich wurden in der Zeitschrift auch immer wieder unumstößliche Beweise dafür angeführt, dass Harmagedon nahe war. imageSo war unter der Überschrift „Zeichen der Zeit des Endes“ zu lesen: „Das Reichspostministerium beabsichtigt eine Portoerhöhung von 10 auf 15 Pf[enni]g“ (Das Goldene Zeitalter, 15. Mai 1927, Seite 160). Nach Harmagedon würde die Erde dann ‚mit Dynamit zu einem Paradies gesprengt‘ werden (The Golden Age, 1. Oktober 1919, Seite 15).

Kein Wunder, dass man verdientermaßen auf Personen herabblickte, die solche deutlichen Beweise nicht anerkannten, und sie als vernichtenswerte „Feinde“ oder „Gegner“ betrachtete (Kinder, Seite 242).

Aufrichtige Menschen erkannten hingegen sofort, dass es sich bei der Botschaft im Goldenen Zeitalter um die Wahrheit handelte. William Dingman aus Oregon, USA, sagte: „Als Teenager las ich diese Zeitschrift gern, und ich war schließlich davon überzeugt, daß sie wichtige biblische Wahrheiten enthielt“ (Der Wachtturm, 1. November 1997, Seite 19). Doch das war in den 1930er Jahren, als die Wissenschaft noch nicht so weit fortgeschritten war. Wenn die Informationen im Goldenen Zeitalter wirklich von Gott stammten, müssten sie jedoch zeitlos sein imageund auch Jahre später noch Menschen anziehen.

Genau das war auch der Fall. Robert, ein Mann aus den USA, zog 1953 in ein baufälliges altes Bauernhaus. An einer Stelle, an der Mäuse Abfälle versteckt hatten, fand er auch eine über 16 Jahre alte Ausgabe des Goldenen Zeitalters (das nur bis 1937 unter diesem Namen erschienen war). „Er war von der klaren, auf die Bibel gestützten Anleitung, die in der Zeitschrift gegeben wurde, so beeindruckt, daß er zu Lila [seiner Frau] sagte, sie sollten sich der ‚Religion des Goldenen Zeitalters‘ anschließen“ (Der Wachtturm, 1. Juli 2000, Seite 17). Tatsächlich, „denkende Menschen reagierten günstig auf die Botschaft des Goldenen Zeitalters“ (Der Wachtturm, 1. Januar 1994, Seite 21).

Wie war es der Redaktion des Goldenen Zeitalters möglich, so faszinierende, vorausschauende Beiträge von universeller Gültigkeit zu verfassen? Nach eigener Aussage stützte man sich „nicht … [auf] menschliche Weisheit, … denn das hat man bereits vergeblich versucht, und außerdem ist die menschliche Weisheit in den Augen Jehovas Torheit.“ Stattdessen wollte man „auf die klaren und nicht zu widerlegenden Beweise aufmerksam machen, die die heutigen Geschehnisse liefern“ (Ausgabe vom 1. Oktober 1919, zitiert nach Rettung aus der Weltbedrängnis steht bevor!, Seite 98).

Tatsächlich sind die auf „klaren und nicht zu widerlegenden Beweise[n]“ beruhenden Aussagen des Goldenen Zeitalters inzwischen größtenteils widerlegt worden und erscheinen selbst heutigen Zeugen Jehovas absurd. Dennoch war die Behauptung richtig, das Goldene Zeitalter stütze sich ‚nicht auf menschliche Weisheit‘, denn auch vom menschlichen Standpunkt aus betrachtet war es keine „Weisheit“, was damals geschrieben wurde. Vielmehr stützte sich das Goldene Zeitalter auf menschliche Dummheit.

Immer noch unbeantwortet war bis vor kurzem jedoch die Frage, wie die Redaktion des Goldenen Zeitalters es geschafft hat, sich so absurde Artikel auszudenken. Ein aufmerksamer Erbrechet!-Leser hat nun den wahren Grund herausgefunden, wieso die Redakteure keinen kühlen Kopf bewahren konnten. Er wird im Goldenen Zeitalter vom 1. Dezember 1931 enthüllt, wo es heißt: „Eine andere Einrichtung ist der Kopfschwitzapparat. Mit demselben kleinen Dampfkessel ist die Bestrahlung erkrankter, einzelner Teile vorzunehmen. … Für die Mitarbeiter des G[oldenen] Z[eitalters] ist seit einiger Zeit diese Apparatur auch hier im Hause in Gebrauch“ (Seite 359).

Die Zeitschrift gab also zu, dass es in den Köpfen ihrer Redakteure ‚erkrankte Teile‘ gab, die regelmäßig mit einem „Kopfschwitzapparat“ behandelt wurden. Dieses Gerät ist hier abgebildet (Abb. 5), zusammen mit anderen Anwendungsmöglichkeiten desselben Produkts:

image

Die genaue Bedienungsanleitung für den Apparat ist leider nicht überliefert. Wahrscheinlich wurde der Dampfkessel (im Bild mit dem Buchstaben „w“ gekennzeichnet) mit Wasser gefüllt und dann elektrisch beheizt, so dass sich die Haube, die der Anwender auf dem Kopf trug, mit Wasserdampf füllte. Durch die hohe Temperatur und Feuchtigkeit wurde möglicherweise das Gehirnvolumen reduziert; vielleicht starben Teile des Gehirns auch ganz ab.

Wir wissen heute leider nicht, aus welchem Material der Dampfkessel, die Leitung und die Hülle genau bestanden; es ist aber gut möglich, dass durch den heißen Dampf gesundheitsschädliche Stoffe wie Aluminium aus dem Apparat gelöst wurden und eine zusätzliche Schädigung des Gehirns verursachten. Da der Dampfkessel elektrisch betrieben wurde und auch „elektrische Bäder“ ermöglichte, könnte der Anwender bei der Verwendung des Kopfschwitzapparats auch gelegentliche Stromschläge bekommen haben.

Es ist allerdings noch nicht vollständig geklärt, ob der Apparat wirklich mit Wasser betrieben wurde. imageDas „w“ in der Abbildung könnte auch für „Wahrheit“, „Wachtturm“, „Wasser des Lebens“ [= Wachtturm], „Wein“, „Whisky“ oder „Wodka“ stehen. Schließlich war der Hersteller „selbst langjähriger G[oldenes]-Z[eitalter]-Leser“ – da würde es nicht verwundern, wenn er und seine Kunden Seiten aus dem Goldenen Zeitalter oder aus dem Wachtturm mit siedendem Wasser aufgekocht hätten, um mit den heißen Dämpfen gleich die „Wahrheit“ in sich aufzunehmen. Leider wurden die Zeitschriften auch damals schon mit giftigen Farben gedruckt (so wie heute), so dass zusätzliche Vergiftungen und damit weitere Verblödung die Folge gewesen wären.

Wenn wir auch nicht mehr mit Sicherheit sagen können, auf welche Weise es geschah, so gilt es doch als sicher, dass die Verwendung des Kopfschwitzapparats das Gehirn schädigte. Ein Mensch mit einem intakten Gehirn würde sich nicht eine eimerähnliche Gummihülle um den Kopf stülpen und heißen Dampf aus einem elektrisch betriebenen Metallkessel einatmen!

Die im Goldenen Zeitalter beworbene „kleine einfache und billige Einrichtung, … hergestellt vom Naturheilinstitut Franz Egle“ bot noch mehr Anwendungsmöglichkeiten als nur den Kopfschwitzapparat. Durch Montage eines anderen Schlauchs konnte man das Gerät auch als Ohren-Dampfstrahlapparat (Abb. 6) einsetzen. Damit hoffte man offenbar, die Dämpfe direkt ins Gehirn zu leiten und so eine stärkere [Verblödungs-]wirkung zu erzielen. Möglicherweise schädigte die Anwendung dieses Gerätes auch die Ohren, so dass man die Zusammenkünfte danach leichter ertragen konnte.

Vielleicht waren mit diesem Gerät auch Stromstöße ins Gehirn möglich. Die Anwendung des Ohren-Dampfstrahlapparats könnte eine frühe Form der Elektrokrampftherapie gewesen sein, die heute bei schweren Depressionen eingesetzt wird – ein Indiz dafür, dass die Redakteure des Goldenen Zeitalters (die ja diese Vorrichtungen benutzten) an Depressionen oder anderen psychischen Erkrankungen litten.

Das Gerät ermöglichte auch ein elektrisches Wassersitzbad (Abb. 4). Dabei wurde offensichtlich das Wasser in der Gummibadewanne über eine Art Transformator direkt mit der Stromleitung verbunden; die kurze Beschreibung im Goldenen Zeitalter lautet: „Von der Lichtleitung [d. h. Stromleitung] wird bei elektrischen Bädern durch zwei Elemente Strom in das Wasser geführt.“

Wir kennen die technischen Daten des Transformators nicht (falls es überhaupt einen gab), doch „Gleichspannung verursacht im Körper bei langer Einwirkzeit aufgrund von Elektrolyse chemische Veränderungen“ (Wikipedia). Je nach Art des Stroms und Dauer der Anwendung wurden möglicherweise „chemische Veränderungen“ bewirkt, die zu Schwachsinn und anderen Krankheiten führten.

Was ist über den Volldampf-Heilapparat (Abb. 7) zu sagen? Wie er genau funktionierte, wissen wir nicht; da er „nicht für elektrischen Anschluss“ geeignet war, musste das Wasser irgendwie vorher zum Dampfen gebracht werden. Vielleicht wurde zuerst der Dampfkessel angeschlossen, um den Gummimantel mit Dampf zu füllen, und dann entfernt.

Jedenfalls gab es offenbar nur zwei kleine Luftlöcher zum Atmen; und das Gehirn ist „ein Organ, das ausgesprochen sensibel auf Sauerstoffmangel reagiert“; es kann durch Mangel an Atemluft „irreparabel geschädigt werden“ (Erwachet!, 8. Januar 1990, Seite 25). Zu lange Anwendung des Volldampf-Heilapparats konnte also die Verblödungswirkung des Kopfschwitzapparats, des Ohren-Dampfstrahlapparats und des elektrischen Wassersitzbads noch vervollständigen.

Der Dampfheilapparat mit elektrischem Anschluss scheint, oberflächlich betrachtet, keine direkte Wirkung auf das Gehirn zu haben. Seine Anwendung wird wie folgt beschrieben: „Ein geschlossener, kranzartiger Gummimantel um den Kopf gehängt, der Kopf frei, eine kleine Gummibadewanne, in der ein kleiner Holzsitz steht, ein kleiner, elektrisch geheizter Kräuterdampfkessel, und innerhalb einer Viertelstunde schwitzt der Mensch. Zirka 1/2 – 3/4 Liter schlechte Säfte kann er so auf dem Wege der Transpiration in kürzester Frist ausscheiden.“

imageWenn man den Apparat näher betrachtet und ihn mit Produkten anderer Anbieter (die keine Leser des Goldenen Zeitalters waren) vergleicht, stellt man jedoch eine Schwachstelle fest. Wie bereits zitiert, kann man durch die Anwendung des Geräts bis zu einem „3/4 Liter … in kürzester Frist [über die Haut] … ausscheiden.“ Diese Menge Flüssigkeit wird natürlich dem Körper entzogen und müsste eigentlich durch Trinken ausgeglichen werden. Moosdorf’s Dampf-Schwitz-Apparat, der bereits 40 Jahre vorher präsentiert wurde, hatte zu diesem Zweck einen ‚stummen Diener‘, „eine handschuhförmige Fortsetzung des Obertheils“, damit der Anwender beispielsweise „ein Glas Wasser zum Mund führen“ konnte (Anzeige in Bilz – Das neue Naturheilverfahren, 25. Auflage 1895).

Dem vom Goldenen Zeitalter empfohlenen Billigmodell fehlte eine solche Möglichkeit; der Benutzer hatte während der Anwendung also keine Möglichkeit zu trinken. Dadurch war eine Dehydratation vorprogrammiert, und diese „führt automatisch dazu, daß das Energiepotential des Gehirns vermindert wird. … In der Folge entwickeln sich Ängste, Sorgen, Wut und andere negative Emotionen“ (Zentrum der Gesundheit). Auch der Dampfheilapparat mit elektrischem Anschluss beeinflusste also das Gehirn, genauso wie der Kopfschwitzapparat, der Ohren-Dampfstrahlapparat, das elektrische Wassersitzbad und der Volldampf-Heilapparat.

Im Goldenen Zeitalter hieß es über das Gerät: „Diese kleine Universaleinrichtung wird in einer Familie und in einem Hause, wo sie vorhanden ist und gebraucht wird, zweifellos viele Male den Arzt überflüssig machen.“ War das zutreffend? Das kann vermutlich gesagt werden. Durch all die negativen Auswirkungen (Wassermangel, Sauerstoffmangel, giftige Dämpfe, Elektrizität) wurde höchstwahrscheinlich das Leben der Anwender verkürzt. Da viele Arztbesuche im hohen Lebensalter notwendig sind, wurden diese „überflüssig“, weil der potentielle Patient bereits tot war.

Der Verfasser des Artikels, in dem diese gefährlichen Apparate und ‚ein besonderer Preisnachlaß‘ für Abonnenten des Goldenen Zeitalters angepriesen wurden, scheint sie selbst nicht ausgiebig benutzt zu haben, oder er war immun gegen ihre verdummende Wirkung. Als Autor ist „Paul Gehrhard“ angegeben, doch Paul Johannes Gerhard Balzereit, der damalige Redaktionsleiter, hatte seine Artikel „in der Zeitschrift Das Goldene Zeitalter unter dem Pseudonym Paul Ge[h]rhard veröffentlicht“ (Jahrbuch der Zeugen Jehovas 1974, Seite 107). Im Konzentrationslager hat er später „die Erklärung unterschrieben, durch die er sich von der Gemeinschaft mit den Brüdern lossagte“; später wurde er sogar „ein heftiger Gegner“ von Jehovas Zeugen (Jahrbuch der Zeugen Jehovas 1974, Seiten 149, 150). Später kämpfte er gemeinsam mit dem Ministerium für Staatssicherheit gegen Jehovas Zeugen in der DDR.

Wer es vermeiden will, abtrünnig zu werden, sollte also ausgiebigen Gebrauch vom Kopfschwitzapparat machen. Zwar ist das Gerät vom damaligen Hersteller Franz Egle nicht mehr lieferbar, zumal dieser sich 1937 von den Zeugen Jehovas lossagte und 1941 verstarb (möglicherweise an den Spätfolgen des Gebrauchs seiner Apparate). Doch mit einigen Hilfsmitteln lässt sich leicht eine vergleichbare Apparatur selbst herstellen.


[*] Es gab mehrere deutschsprachige Ausgaben des Goldenen Zeitalters mit teilweise abweichenden Erscheinungsdaten und Seitenzahlen.

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