In welchem Sinne sollten Christen ‚ihren Nächsten lieben wie sich selbst‘?

Nachdruck aus Erbrechet!, April 2009

Jesus wiederholte das Gebot aus dem mosaischen Gesetz: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst“ (Mat. 22:39). Von den Religionsorganisationen Babylons der Großen wird diese Aussage häufig missverstanden; sie lehren, man müsse seinen Mitmenschen Gutes tun. Doch eine sorgfältige Betrachtung der Bibel zeigt deutlich, was Jesus in Wirklichkeit sagen wollte.

Die Kernfrage ist: Wie lieben Christen sich selbst? Diese Frage wurde von Jesus deutlich beantwortet: „Wenn jemand zu mir kommt und hasst nicht seinen Vater, Mutter, Frau, Kinder, Brüder, Schwestern und dazu sich selbst, der kann nicht mein Jünger sein“ (Luk. 14:26, Luther). Wahre Christen lieben sich selbst also überhaupt nicht, sondern ‚hassen sich selbst‘. Das wurde auch später vom Apostel Johannes bestätigt, der über treue, geistgesalbte Christen schrieb: „Sie haben ihr Leben nicht geliebt“ (Off. 12:11, Elberfelder).

Somit steht fest, was Jesus im Sinn hatte, als er das in Matthäus 22:39 festgehaltene Gebot aufstellte: Christen sollten ihre Mitmenschen genauso lieben wie sich selbst – nämlich überhaupt nicht. Daher beteiligen sich Jehovas Zeugen nicht an menschlichen Hilfsbemühungen und bringen Hungrigen Wachttürme statt Lebensmittel.

Auf diese Weise erfüllt sich an ihnen die Prophezeiung Jesu: „Die Liebe der meisten [wird] erkalten. … Und diese gute Botschaft vom Königreich wird auf der ganzen bewohnten Erde gepredigt werden, allen Nationen zu einem Zeugnis“ (Mat. 24:12-14). Jesus wusste, dass Liebe beim Predigen nur hinderlich wäre. Gemäß Unserem Königreichsdienst vom Oktober 1957 muss ein wahrer Christ „ein fähiger, tüchtiger Jäger sein“ und dafür sorgen, „dass nichts entwischen kann“. Wie erfolgreich wäre wohl ein Jäger, der das Wild liebt und Mitleid mit ihm hat?

Wie es im Wachtturm vom 1. Mai 1980 über Jehovas Zeugen heißt, „verkündigen sie die Botschaft von der Vernichtung der sich Gott widersetzenden Welt“ (S. 22). Würden sie ihre Mitmenschen lieben, würden sie um sie trauern. Doch sie schreiben, etwa im Wachtturm vom 1. August 1991: „Die gottlosen Menschen [also alle, die keine eifrigen Zeugen Jehovas sind] … werden gemäß der Bibel in der Schlacht von Harmagedon umkommen – die, wie in dieser Zeitschrift schon oft dargelegt wurde, bald stattfinden wird. … Welch eine wunderbare Vorkehrung der Gerichtstag doch sein wird! … Kein Wunder, daß der Psalmist beim Gedanken an Gottes Gericht Freude empfand“ (S. 5-7).

Liebe zu ihren Mitmenschen würde sie nur daran hintern, Freude über deren Vernichtung zu empfinden. Aber angeblich wird „in naher Zukunft … keiner der treuen Diener Jehovas – die einzigen, die überleben werden – über die Vernichtung der Bösen trauern. Sie werden sich im Gegenteil freuen“ (Der Wachtturm, 1. September 1977, S. 537). Ja, gemäß dem Buch Rettung aus der Weltbedrängnis steht bevor! „werden die Überlebenden nach der Vernichtung der von Satan beherrschten alten menschlichen Ordnung bestimmt Gelegenheit haben, sich zu freuen und sich geistig zu ergötzen“ (S. 277).

Warum sollten Christen heute Liebe zu ihren Mitmenschen empfinden, wenn sie sich schon in Kürze über ihre Vernichtung freuen sollen? Es zeugt daher von Jesu enormer Weisheit, dass er seinen Nachfolgern gebot, ihre Mitmenschen schon heute genauso wenig zu lieben wie sich selbst.

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